Strafgericht
Aus Scham über Spielschulden die eigene Mutter erdrosselt

Eine 51-jährige Frau muss für acht Jahre ins Gefängnis. Sie hatte im Jahr 2012 ihre Mutter umgebracht und wollte danach Suizid begehen, was jedoch verhindert wurde. Als Grund für die Tat gab sie die Scham über gemeinsam verursachte Spielschulden an.

Patrick Rudin
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Die Verurteilte machte gemeinsam mit ihrer Mutter rund 170 000 Franken Spielschulden. (Symbolbild)

Die Verurteilte machte gemeinsam mit ihrer Mutter rund 170 000 Franken Spielschulden. (Symbolbild)

«Es wurden keine Kampfspuren gefunden. Der genaue Tathergang bleibt unklar», fasste Gerichtspräsident Andreas Schröder gestern die Untersuchungsergebnisse zusammen. Klar war für die fünf Richter allerdings, dass die 51-jährige Angeklagte ihre eigene Mutter in deren Wohnung in Reinach erdrosselt hat.

Zuvor hatte sie an jenem Novemberabend im Jahr 2012 ihren Sohn vom Fussballclub nach Hause gebracht, danach fuhr sie zu ihrer Mutter. Deren Ehemann fand seine Frau später leblos in der Wohnung. Die offensichtlich psychisch labile 51-Jährige hingegen fuhr zurück nach Hause, sprühte dort ihrem Sohn mit einem Deospray ins Gesicht und fuhr schliesslich nach Muttenz, wo sie vor dem Restaurant Schützenhaus durch ihre lauten Schreie auffiel und schliesslich gegen 23 Uhr von der Polizei festgenommen wurde. Rund 600 Tabletten fand man in ihrem Auto, vermutlich wollte sie sich nach der Tat umbringen.

Geld verzockt

Das genaue Motiv für die Tat bleibt rätselhaft, doch offenbar war die Scham über gemeinsame Spielschulden riesengross: Die Frau ging mit ihrer Mutter jahrelang regelmässig ins Casino, es wurde zu ihrer zweiten Heimat. Wie viel Geld die beiden Frauen dort verschleudert haben, ist nicht bekannt, doch der Ehemann der getöteten Mutter gab an, dass rund 170 000 Franken auf seinen Konten fehlen würden.

«Ich wollte sie einfach mitnehmen in den Tod», sagte die Frau kurz nach der Tat in einer Einvernahme. Auf die Frage, weshalb sie das getan habe, meinte sie, das solle niemand wissen, sie wolle ihre Mutter schützen. Schliesslich verlangte sie ein Blatt Papier, um das Unaussprechliche nicht sagen zu müssen: «Spielschulden», schrieb sie darauf. Das Geld haben beide Frauen mehr oder weniger legal im Familienkreis zusammengekratzt.

Von der Tötung selber wollte die Frau an der Hauptverhandlung nichts mehr wissen, gab aber zu, ihrer Mutter noch 40 000 Franken gestohlen zu haben. Das Gericht sah eine Strafe von insgesamt elf Jahren wegen vorsätzlicher Tötung als angemessen an, reduzierte das Strafmass aber wegen der leicht eingeschränkten Schuldfähigkeit auf acht Jahre. Das Gutachten sprach von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung, der Verteidiger hatte vergeblich verlangt, ihre Schuldunfähigkeit stärker zu berücksichtigen.

Seit November 2012 sitzt die Frau in Haft, war zwischendurch in der Psychiatrie und hat inzwischen in der Strafanstalt Hindelbank den vorzeitigen Strafvollzug angetreten. Diese Zeit wird angerechnet, bei guter Führung könnte sie nach zwei Dritteln der Strafe in rund zweieinhalb Jahren bereits wieder entlassen werden.

Angeklagte bricht in Tränen aus

Der Gedanke daran schien in ihr allerdings mehr Panik zu verursachen als die Strafe selbst: Während der gesamten Urteilsbegründung sass sie still und ruhig auf ihrem Stuhl. Doch als Gerichtspräsident Andreas Schröder ihr am Ende sagte, sie habe zwei Söhne und das Leben lohne sich deshalb, widersprach sie und brach in Tränen aus.

Die Staatsanwaltshaft hatte eine Freiheitsstrafe von zwölf Jahren wegen Mordes verlangt, der Verteidiger hingegen drei Jahre wegen Totschlags unter grosser seelischen Belastung. Beide können das Urteil noch weiterziehen.