Autobus AG Liestal
Autobus AG streicht «Liestal» aus ihrem Logo – Stadt ist verärgert

Schwarz auf Gelb prangt «Auto Bus AG» auf immer mehr Bussen der Autobus AG Liestal (AAGL). Der Verzicht auf «Liestal» im Logo kostet die AAGL Sympathien.

Daniel Haller
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Noch letzte Woche waren überwiegend Busse mit dem alten Logo unterwegs. Nun tragen immer mehr das neue zur Schau, welches das «Liestal» weglässt.

Noch letzte Woche waren überwiegend Busse mit dem alten Logo unterwegs. Nun tragen immer mehr das neue zur Schau, welches das «Liestal» weglässt.

Juri Junkov

Die Neugestaltung der Busse der Autobus AG Liestal (AAGL) gibt zu reden: «Das neue Gelb ist zu kalt, man sollte eine etwas ‹aufgestelltere› Farbe wählen», meint die Passantin, die am Liestaler Bahnhof auf den Bus wartet, «und ‹Liestal› fehlt». Ein älterer Herr ergänzt: «Neu sind sie gut und gross angeschrieben, aber es ist schade, dass ‹Liestal› nicht mehr draufsteht». Eine weitere Buspassagierin bestätigt: «Die Busse sehen nicht schlecht aus, aber ‹Liestal› fehlt.» Die nächste meint: «Was drauf steht, ist egal, Hauptsache, er fährt.»

Neuer Marktchef, neues Outfit

Erst im Sommer 2016 hat die AAGL ihre Geschäftsleitung um einen Leiter Markt aufgestockt und dafür Simon Dürrenberger eingestellt, der von MCH Messe Schweiz (Basel) kam. Das mit der neuen Stelle entstandene neue Erscheinungsbild könnte sich jedoch als Eigentor entpuppen: «Dass die AAGL den Namen ‹Liestal› handstreichartig aus ihrem Logo geworfen hat, stösst bei mir auf grosses Unverständnis», erklärt der Liestaler Stadtpräsident Lukas Ott.

Die Stadt Liestal habe zwar keine AAGL-Aktien, doch sei sie das Zentrum des AAGL-Netzes. Die Bevölkerung Liestals habe sich bisher mit den Bussen identifiziert. Die Chauffeure kenne man seit Jahren, man grüsse sich regelmässig. «Mit dieser Namensänderung wurden grosse Identifikationswerte über Bord gekippt. Das löst auf der Strasse vor allem Kopfschütteln aus.»

ken / jun

Verlust des «Heimatschutzes»

Dabei müsse man differenzieren: «Die Fahrer sind nach wie vor stark verankert. Aber der Verwaltungsrat hat offenbar den Bezug zu Liestal verloren.» Dafür spreche auch, dass die Stadt die Namensänderung aus der Presse erfahren musste. «Wenn sich in den Beziehungen eine derartige Nüchternheit durchsetzt, dann ist es auch richtig, dass man die AAGL nüchtern anschaut und dafür die Linien ausschreibt.» Dies hat die Kantonsregierung bereits beschlossen, denn ihrer Eigentümerstrategie, die tiefere Kosten anstrebt, schlägt aus der AAGL-Leitung Widerstand entgegen (bz berichtete).

«Wenn es möglich ist, die gleiche Dienstleistung günstiger zu erbringen, dann muss man dieses Sparpotenzial aktivieren und nicht aus Spargründen die Leistungen im öffentlichen Verkehr einschränken», betont Ott.

Der AAGL-Geschäftsführer Roman Stingelin nimmt den neuen Leiter Markt aus der Schusslinie: «Das neue Erscheinungsbild wurde in Zusammenarbeit mit einer Agentur von der Geschäftsleitung entwickelt», sagt er. Das Logo sei nicht gespritzt, sondern lediglich eine aufgeklebte Folie. Die Aktion koste «etwas über 30 000 Franken».

«Dem Volksmund angepasst»

«In der Umgangssprache werden wir meist ‹Autobus› oder allenfalls ‹AAGL› genannt, auch in Liestal. Wir haben also die Marke dem Volksmund angepasst», sagt Stingelin. Dass man das «Auto» und den «Bus» auseinander nehme, unterstreiche, dass die AAGL den Kunden Angebote mit dem Bus und für das Auto bieten. «Das neue Logo ist deutlich kürzer und lässt sich einfacher verwenden als das alte.» Der Firmenname werde jedoch nicht geändert. Man habe nur wenige, meist positive direkte Reaktionen zum neuen Marktauftritt erhalten. «Wir bedauern, wenn das neue Logo nicht bei allen gleich gut ankommt.» Die «Autobus AG Liestal» verstehe sich als Liestaler Traditionsunternehmen mit starker Verankerung in Liestal und Umgebung. «Wir operieren jedoch in der ganzen Region, weshalb wir uns für die Konzentration auf Auto Bus entschieden haben.»

Das sieht Ott anders: «Da die AAGL mit dem neuen Namenszug die emotionale Bande zur Stadt gekappt hat, kann sie bei der angekündigten nüchternen Überprüfung nicht mit Heimatschutz rechnen.» Den könnte die AAGL aber gut gebrauchen, denn es liegt das Angebot der Baselland Transport AG (BLT) auf dem Tisch, die gleiche Dienstleistung für jährlich zwei Millionen Franken weniger zu erbringen.