Hafenareal
Autonome beziehen Schiessanlage in Allschwil

Rund 30 Hausbesetzer wollen die Eigentumsfrage stellen. Sie wollen das Gebäude in nächster Zeit nicht räumen – aber friedlich bleiben.

Leif Simonsen
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Am Eingang des Schiessanlage prangt ein Plakat der Besetzer

Am Eingang des Schiessanlage prangt ein Plakat der Besetzer

bz

Ein Hauch von Baader-Meinhof-Langhans-Romantik zieht mit den Hausbesetzern in die Schiessanlage am Allschwiler Weiher. Wie vor 50 Jahren in der Kommune 1 ist auch heute die Umgangssprache: Hochdeutsch. «Das hier ist ein Journalist, passt auf, dass Ihr ihm Eure Namen nicht sagt», warnt der Rädelsführer die Besetzer, die vor ihm kauernd auf die nächsten Instruktionen warten. Schnell werden die netten Worte des Eingangsschilds relativiert. «Alle willkommen», heisst es hier. «Ich spreche nicht mit Journalisten», sagt der Rädelsführer, er habe zu schlechte Erfahrungen gemacht.

Seit heute Morgen besetzen rund 30 Autonome die ehemalige Schiessanlage in Allschwil, die demnächst abgerissen werden soll. Auf dem 30 000 Quadratmeter grossen Areal sind Wohnungen geplant. Diese Pläne der Eigentümerin Immobilien Basel-Stadt wollen die Besetzer nun durchkreuzen. «Bevor ihn die SpekulantInnen der Immobas auf Vorrat abreissen und damit ein Areal voller Möglichkeiten zerstören können», wie sie in einem anonymen Blog schreiben. Damit ist auch klar: Mit der Besetzung der Räumlichkeiten ist auch eine politische Botschaft verknüpft - und sie wollen einen langen Atem an den Tag legen. Eine Besetzerin, die sich über die Stallorder hinweg setzt und etwas freimütiger mit Journalisten spricht, sagt: «Wir haben nicht vor, in nächster Zeit hier wieder wegzugehen.»

Gewalt ist kein Thema
Viel schien aber noch nicht klar: Thema der Nachmittagsversammlung war zunächst das erste Abendprogramm im neuen Zuhause. Am liebsten solle eine Band spielen, einigte man sich, wobei die Frage nach der Stilrichtung ungelöst blieb. Und doch sind die teils aus der ganzen Schweiz angereisten Hausbesetzer ein ganzes Stück weg von Baader und Meinhof. Zwar hüten sie sich auch hier und heute nicht mit - teilweise plumpen - Kapitalismuskritiken, Sonnenbrillen und schwarzen Schals, die sie sich weit ins Gesicht ziehen. Aber Gewalt? «Für uns absolut kein Thema. Wir wollen hier sein, die Zeit geniessen - aber wir wollen nicht über Leichen gehen für unsere politischen Anliegen», sagt eine Besetzerin.

Polizei ist zurückhaltend
Das haben offenbar auch die Behörden registriert, die nach der Besetzung Zurückhaltung an den Tag legten. «Im Moment sieht die Polizei keinen Handlungsbedarf», sagte Meinrad Stöcklin, Sprecher der Baselbieter Polizei auf Anfrage. Zwar handle es sich um Hausfriedensbruch, doch sei dies ein Antragsdelikt. Nun liege der Ball bei Immobilien Basel-Stadt, die Besitzerin der Schiessanlage ist. «Sie muss entscheiden, wie es weitergeht», so Stöcklin. Während die Besitzerin am Abend nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, kündigte Allschwils Gemeindepräsident Anton Lauber einen Besuch bei den Autonomen an. Lauber sagte, dass es ihm darum gehe, für Ruhe, Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Er bezweifelt, dass es sich in den Anlagen der ehemaligen Schiessanlage wohnen lässt: «Strom und Wasser wird es kaum mehr haben, denn eigentlich hätten die Gebäude bereits abgerissen sein sollen.»

Leben «jenseits von Profitlogik»

Inwiefern dieser fehlende Luxus den neuen Bewohnern allerdings zu schaffen macht, ist fraglich: «Wir glauben nicht, dass wir den einfachen Mietenden, den einfachen Lohnabhängigen erklären müssen, wieso wir ein Leben jenseits von Profitlogik und Schufterei anstreben», bloggen sie.

Anzunehmen ist, dass es sich bei den neuen Bewohnern der Allschwiler Schiessanlage teilweise um die gleichen handelt, die die mittlerweile abgerissene Villa Rosenau besetzten. Der Blog ist expliziter: «Für Medienschaffende und/bzw. Menschen, die gerne vereinfachen, hier noch einige wertvolle Schlagworte: ‹gewaltbereite Chaoten›, ‹Villa Rosenau-Umfeld›, ‹rechtsfreier Raum›, ‹Sozialschmarotzer›.» Dass die 20- bis 30-Jährigen in den nächsten Tagen für solche Schlagzeilen sorgen werden, ist allerdings nicht anzunehmen.