Billettverkauf
Bahnhof in Gelterkinden in Zukunft ohne Schalter

Ab 2018 reiht sich das Oberbaselbieter Zentrum damit in eine grosse Fraktion von Orten ein. Die Degradierung erstaunt die Gemeinde, schliesslich ist Gelterkinden ein Oberbaselbieter Umsteigeknoten.

Andreas Hirsbrunner
Merken
Drucken
Teilen
Züge aus Basel und Olten treffen in Gelterkinden auf fünf Buslinien, was den Bahnhof zum Oberbaselbieter Knotenpunkt macht – bald allerdings ohne Schalter.

Züge aus Basel und Olten treffen in Gelterkinden auf fünf Buslinien, was den Bahnhof zum Oberbaselbieter Knotenpunkt macht – bald allerdings ohne Schalter.

Kenneth Nars

Die Schalter-Abbauserie von SBB und Post geht im Baselbiet – und anderswo – unaufhaltsam weiter. Im Moment sind die SBB am Zug: Wie die «Schweiz am Sonntag» meldete, wird per Ende 2017 der Billettverkauf an den Bahnhöfen Gelterkinden und Muttenz eingestellt. Heute betreibt dort die Valora-Tochter Avec – das sind kleine Läden mit einem Bistro – gegen eine Provision einen eingeschränkten Billettverkauf für die SBB; internationale Tickets gibt es keine.

Aber auch diese Lösung ist eine Folge einer früheren Abbaumassnahme: Richtige SBB-Schalter, wie sie einst gang und gäbe waren, gibt es in Gelterkinden und Muttenz schon länger nicht mehr. Mit der Streichung des Billettverkaufs in den Avec-Läden gehören Gelterkinden und Muttenz ab 2018 zur grossen Fraktion der schalterlosen Automaten-Bahnhöfe im Baselbiet: Tecknau, Itingen, Lausen, Frenkendorf-Füllinsdorf, Salina Raurica, Läufelfingen, Buckten, Rümlingen, Diepflingen, Münchenstein, Aesch, Duggingen, Grellingen und Zwingen.

Die Hiobsbotschaft für Ältere

Die Degradierung ins schaltermässige Niemandsland erstaunt vor allem bei Gelterkinden: Das 6000-Seelen-Dorf ist DER Oberbaselbieter Umsteigeknoten mit fünf Postautolinien, die hier am Bahnhof zusammentreffen. Und es ist unter den Habenichtsen bezüglich Billettschalter der einzige Ort mit Schnellzugshalten. Entsprechend enttäuscht reagiert Gelterkindens Gemeindepräsidentin Christine Mangold auf den Entscheid der SBB, von dem sie letzte Woche vorinformiert wurde: «Wir sind nicht erfreut. Gelterkinden hat eine Zentrumsfunktion, wo sich die ganze Region trifft, die mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs ist. Zwar stellen die SBB moderne Automaten in Aussicht, aber das ist nicht das, was die ältere Bevölkerung nutzt.»

Sie selber gehöre mit ihren 61 Jahren auch zur «Schaltergeneration», wenn sie mit dem öV unterwegs sei. Typisch diesbezüglich die Reaktion einer älteren Frau aus Oltingen, die ausschliesslich den öV nutzt und mit den Automaten nicht zurecht kommt: «Dass ich in Gelterkinden keine Billette mehr am Schalter kaufen kann, ist für mich die grosse Hiobsbotschaft.» Mangold wertet den SBB-Rückzug auch als Dienstleistungsabbau, der die Attraktivität von Gelterkinden schwäche. Aber die Gemeindepräsidentin hat noch nicht ganz aufgegeben: Sie und ihre Gemeinderatskollegen haben die SBB schriftlich um einen Gesprächstermin gebeten. Bezüglich ihrer Erwartungen sagt Mangold: «Ich bin vorsichtig optimistisch.»

Sie hofft auch, dass die SBB Zahlen zum Billettverkauf in Gelterkinden vorlegen. Denn sie hat eigentlich erwartet, dass nach der Schliessung von Ueli Pfisters beliebtem Verkehrsladen in Tecknau im letzten Jahr mehr Kunden Billette am Gelterkinder Schalter kaufen. Umso unerwarteter kommt für sie der SBB-Entscheid.

Sonntags ist Baselbiet schalterlos

Eine solche Transparenz der SBB wäre allerdings überraschend. Denn bei der Nachfrage der bz nach detaillierten Zahlen heisst es bei der SBB-Medienstelle: «Wir geben nur Gesamtzahlen und keine aufgeschlüsselten nach einzelnen Bahnhöfen bekannt.» Somit kann niemand ausserhalb der SBB beurteilen, wie berechtigt die Schliessung der Billettverkaufsstellen ist. Die Gesamtzahlen für die Schweiz heissen für 2015 im Übrigen: 48 Millionen Billette an Automaten verkauft, knapp 20 Millionen an bedienten Schaltern und über 18 Millionen via Internet und App. Bediente Verkaufsstellen zählten die SBB im letzten Jahr noch 229: 176 SBB-eigene Schalter (2005: 262) und 53 Agenturen wie eben Valora oder Migrolino, Post und private Stationshalter, die auf Ende des nächsten Jahres alle aufgehoben werden.

Im Baselbiet gibt es noch fünf Bahnhöfe mit SBB-Schaltern, an denen man Billette kaufen, Gepäck aufgeben und Geld wechseln kann: Liestal, Sissach, Pratteln, Dornach-Arlesheim und Laufen. Wer aber an einem Sonntag mehr will, als ein Automat leisten kann, also etwa internationale Billette kaufen oder Gepäck aufgeben, der muss nach Basel oder Olten fahren. Denn sonntags arbeitet das SBB-Personal an keinem Bahnhof mehr im Kanton.