Fall Dojo
Balichas Verteidiger fordert geringe Geldstrafe: Beqiri habe in Kampf eingewilligt

Der Verteidiger von Paolo Balicha geht davon aus, dass Shemsi Beqiri in den Kampf eingewilligt habe. Es bleibe lediglich Raum für eine Verurteilung von Balicha zu einer geringen Geldstrafe wegen Nötigung.

Patrick Rudin
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Prozesstag 8: Im Fall Dojo stehen sich Paulo Balicha und Shemsi Beqiri vor Gericht gegenüber
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Der Basler Kampfsportler Paulo Balicha steht vor dem Baselbieter Gericht.
Er soll zusammen mit einem maskierten und bewaffneten Schlägertrupp das Trainingscenter seines Rivalen Shemsi Beqiri überfallen haben,
Balichas Verteidiger Nicolas Roulet begleitet seinen Mandanten zum Gericht.
Die Staatsanwaltschaft fordert drei Jahre Freiheitsstrafe für Balicha – davon zwei Jahre bedingt.
Shemsi Beqiris Kampfsportschule wurde überfallen.
Beqiri fordert als Privatkläger eine Entschädigung von 50'000 Franken.
Der Prozess bringt das Strafjustizzentum an seine Grenzen. Der Gerichtssaal ist kaum gross genug für alle 17 Angeklagten plus ihre Rechtsvertreter plus die insgesamt 20 Privatkläger plus deren Rechtsvertreter plus das Grossaufgebot an Polizisten.
Kamera hat gefilmt: Der Kampf zwischen Shemsi Beqiri (l.) und Paulo Balicha (r.) unter den Augen der maskierten Schlägern.
Das Video vom Kampf zwischen Balicha und Beqiri ist das wichtigste Beweismittel der Baselbieter Staatsanwaltschaft im Fall Dojo.
Der Kampf zwischen Balicha (links) und Beqiri hatte nichts mit Sport zu tun.
Beobachtet vom Überfallkommando, wehrt sich Thaiboxer Shemsi Beqiri (oben) gegen Paulo Balicha.

Prozesstag 8: Im Fall Dojo stehen sich Paulo Balicha und Shemsi Beqiri vor Gericht gegenüber

Kenneth Nars

«Es wurde hier etwas aufgebauscht, das nicht derart schlimm ist, wie es alle behauptet haben», betonte Nicolas Roulet am Mittwoch in seinem Verteidigungs-Plädoyer am Kickboxer-Prozess vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz. Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft sei polemisch, und wenn man die Berichterstattung in den Zeitungen lese, könne man den Eindruck gewinnen, es gehe um eine Schutzgeld-Erpresserbande, die ein ganzes Lokal zusammenlegt habe. Auch werde immer wieder von Pistolen und Messern gesprochen, mit dem angeblichen Kinder bedroht worden seien. Dies sei aber nicht der Fall, betonte Roulet. «Ich möchte den Vorfall nicht bagatellisieren, aber zurechtrücken», erklärte er.

«Ein sportlicher Kampf»

So habe keines der anwesenden Kinder eines Pistole gesehen, obwohl sie laut der Aussagen von Erwachsenen damit in die Ecke gedrängt worden seien. Mehrere Behauptungen der Erwachsenen aus dem Umfeld von Shemsi Beqiri im Trainingscenter seien nachweislich falsch, sagte er. So sei im Video ein Mann zu sehen, der den Kampf aufmerksam verfolge, aber nicht wie behauptet während dieser Zeit bewusstlos gewesen sei.

«Ja, es war eher ein Strassenkampf als ein sportlicher Kampf, das will ich gar nicht in Abrede stellen», so Roulet. Seine maskierten Leute hab er aber bloss mitgenommen, weil er nicht wollte dass sich jemand in den Kampf einmische.

Primitive Beleidigungen

Auch habe Paolo Balicha nichts von einem Kindertraining am Montagabend gewusst, und der Termin sei nicht bewusst ausgewählt worden. «Balicha hatte fünf Tage später eine Veranstaltung im Casino, für viele seiner Schüler wäre es der erste Auftritt gewesen. Diese Veranstaltung wurde dann abgesagt. Es ging um eine spontane Entscheidung. Er selber ist an jenem Abend von Emotionen geleitet gewesen».

So habe Shemsi Beqiri zuvor seinen ehemaligen Trainer mit primitiven Beleidigungen wie etwa «der schwule Paolo» immer wieder beleidigt und provoziert. «Er war einfach sauer auf Beqiri».
In seinem dreieinhalbstündigem Plädoyer führte Nicolas Roulet vor allem aus, dass die Verletzungen Shemsi Beqiri und dreier anderer Erwachsener nicht von jenem Abend, sondern von früheren Kämpfen stammen würden. «Shemsi und sein Bruder wollten sich auf der Notfallstation nicht untersuchen lassen, weil sie zuerst eine Pizza essen wollten. Wenn ich mir vorstelle, ich wäre traumatisiert, dann wäre mit das Essen sowas von egal».

Auch die Anstellungsverhältnisse und Lohnsummen der Jahren 2013 und 2014 von Shemsi Beqiri nahm Roulet auseinander. Die Zahlen seien nicht plausibel, meinte er. Deshalb seien sämtliche Zivilforderungen abzuweisen. Insbesondere äusserte Roulet den Verdacht, es seien Leute nachträglich angestellt worden, um nach dem Vorfall im Februar 2014 Taggelder wegen posttraumatischer Belastungsstörungen zu beziehen.

Mehr als erlaubte Notwehr

Shemsi Beqiri und sein Anwalt waren am Mittwoch im Gerichtssaal nicht anwesend, daher konnten sie dazu nicht Stellung nehmen. Nicolas Roulet betonte, Shemsi Beqiri habe in den Kampf eingewilligt und sei zum Schluss sogar über die erlaubte Notwehr hinausgegangen.
Auch von einer Freiheitsberaubung sei bei dieser kurzen Dauer nicht auszugehen. Es bleibe lediglich bei einer Nötigung: Paolo Balicha sei deshalb zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu zehn Franken zu bestrafen. Ab Donnerstag halten weitere Verteidiger ihre Plädoyers.

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