Kantonale Wahlen
Balz Stückelberger gibt seiner FDP einen Korb

Die FDP steht vor einem Problem. Bei den Nationalratswahlen im Herbst wollen mehrere aussichtsreiche Kandidaten nicht antreten. Damit ist selbst der einzige Sitz der Baselbieter Freisinnigen in Gefahr.

Leif Simonsen
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Balz Stückelberger

Balz Stückelberger

bz

Der Arlesheimer Landrat Balz Stückelberger stellt die Baselbieter FDP immer wieder vor Zerreissproben. Oft wird der notorisch linke Abweichler verschmäht – etwa, wenn er sich im Unterstützungskomitee des grünen Regierungsrats Isaac Reber engagiert. Durch die Blume kriegte er am Donnerstag am Parteitag in der Prattler Kuspo zu hören, was Parteipräsidentin Christine Frey davon hält. «Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Und taktisch richtig wählen ist Platin.»

Stückelberger, der sich für Reber einsetzt, gewinnt weder Gold noch Platin. Denn zu wählen sind gemäss Frey ausschliesslich die vier bürgerlichen Kandidierenden. «Wir können von der Gegenseite auch nicht erwarten, dass sie uns wählen», mahnte Frey.

Ganz auf Stückelbergers Dienste will man bei der FDP aber dann doch nicht verzichten. Denn er vereint gerade im Bezirk Arlesheim eine grosse Wählerschaft, welche die Freisinnigen bei den nationalen Wahlen im Herbst gerne mobilisiert hätten.

Und so stand Stückelberger auch auf der Wunschliste des Findungskomitees um Urs Steiner. Der EBL-Geschäftsleiter hat den Auftrag bekommen, den Delegierten am 26. März sieben Nationalratskandidierende mit Wahlchancen zu präsentieren. Stückelberger indes hat schon abgesagt, wie er am Rande des Parteitags sagte. «Ich sehe nicht ein, warum ich Daniela Schneeberger angreifen sollte», so seine offizielle Begründung. Zudem habe er in den nächsten vier Jahren beruflich einige Grossprojekte, die ihm beim Ausüben des Nationalratsmandats in die Quere kommen würden. Ein anderes Motiv verschweigt er wohl: Stückelberger ist sich wahrscheinlich zu schade, lediglich als Stimmenbeschaffer für den anderen Hoffnungsträger der FDP herzuhalten – Christoph Buser.

Kandidatenfeld wird dünner

Es ist kein Geheimnis, dass der Wirtschaftskammerdirektor mit einer Nationalratskandidatur liebäugelt. Ob er sich allerdings schon bei Steiner gemeldet hat, will niemand bestätigen. Bisher wären nach dem Aufruf der Findungskommission an die Sektionen ohnehin nur ein, zwei «lose Anfragen» erfolgt, wie Steiner sagt. «Das ist wohl die typische Schweizer Zurückhaltung», glaubt er. Deshalb hat die Kommission, der unter anderem auch der Pfeffinger Paul Schär und die Gelterkinderin Christine Mangold angehören, eine Liste von möglichen Kandidaten erstellt. Diese wird noch unter Verschluss gehalten, schliesslich sind einige der Kandidaten noch nicht mal kontaktiert worden.

Eines ist aber klar: Nach den Absagen von Stückelberger und Handelskammer-Direktor Franz Saladin wird das Kandidatenfeld immer dünner. Freys Ziele muten daher sehr optimistisch an. Am Parteitag betonte sie nochmals, man wolle einen zweiten Sitz in Bundesbern anstreben. Sollten aber die Mitteparteien CVP, BDP, GLP und EVP wieder eine Listenverbindung eingehen – «dann müssen wir schauen, dass wir nicht unseren einzigen Sitz verlieren», analysierte ein Parteimitglied.