Grün-liberal
Balz Stückelberger: «Grün und FDP: funktioniert gut»

Balz Stückelberger über den Erfolg des Freisinns «Marke Arlesheim».

Benjamin Wieland
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«Stehen nicht im Gegensatz zur kantonalen FDP»: Balz Stückelberger, Präsident der FDP-Ortspartei. Roland Schmid

«Stehen nicht im Gegensatz zur kantonalen FDP»: Balz Stückelberger, Präsident der FDP-Ortspartei. Roland Schmid

Roland Schmid

Balz Stückelberger, Sie sind ein Revoluzzer!

Balz Stückelberger: Da wüsste ich jetzt gerne, worauf Sie sich beziehen.

Sie sind Präsident der FDP Arlesheim. Diese weicht in ihren Positionen stark von der Kantonalpartei ab: Sie ist eine Art grünliberale FDP.

So gross sind die Unterschiede nicht. Aber diese Bezeichnung ist trotzdem nicht ganz abwegig. Die FDP Arlesheim konnte man in den 1970er- und 1980er-Jahren als grüne Partei bezeichnen, damals gab es diese ja noch gar nicht im heutigen Sinn. Etliche FDPler waren Pioniere beim Umweltschutz: Sie wollten ökologisch leben, fuhren Elektroautos und investierten für ihre Häuser in erneuerbare Energien. Ich sehe auch heute keinen Gegensatz darin, grün und freiheitlich-liberal zu sein. Im Gemeinderat sind es ja auch diese zwei Parteien, die den Ton angeben: Wir haben drei der sieben Sitze; Frischluft, der Grünen-Ableger in Arlesheim, hat ebenfalls drei. Frischluft und die FDP – das funktioniert ganz gut.

Innerhalb einer Gemeinde mag das funktionieren. Aber fühlt sich die FDP Arlesheim nicht wie das verstossene Kind in der Baselbieter FDP-Familie?

Nein. In einer liberalen Partei hat das Platz.

Hinter vorgehaltener Hand hiess es bei anderen FDP-Mitgliedern auch schon, die Arlesheimer Sektion sei links.

Dagegen wehren wir uns vehement. Wir haben als Reaktion darauf das liberale Manifest verfasst. Mit diesem können wir zeigen, was wir wollen, wofür wir stehen und wie wir das begründen. Sie können das Papier auf unserer Website nachlesen: Sie werden darin keine linken Positionen finden.

Was ist liberal, in einem Satz zusammengefasst?

Das ist ganz einfach: Liberal ist, wer die individuelle Freiheit hochhält, sich gleichzeitig aber auch ihres Gegenstücks bewusst ist: der gesellschaftlichen, sozialen, ökologischen und kulturellen Verantwortung.

Manifest hin oder her: Die FDP Arlesheim unterscheidet sich erheblich von der Kantonalpartei. Wir haben die Smartspider-Profile von Kandidierenden der Mutterpartei mit denjenigen der FDP Arlesheim verglichen. Insgesamt sind die Kandidierenden der FDP-Baselland auffällig stärker für Law & Order und für eine restriktivere Einwanderungspolitik als deren Kollegen in Arlesheim – dafür sind diese für mehr Umweltschutz.

Das deckt sich einigermassen mit meinen Erfahrungen. Wir stehen aber nicht in einem Gegensatz zur kantonalen FDP. Ich sage es immer so: Innerhalb der FDP gibt es verschiedene Schattierungen, aber alle gehen in dieselbe Richtung. Dann muss man auch sehen, dass wir hier in Arlesheim mit unseren Positionen Erfolg haben – es läuft, wir sind eine 26-Prozent-Partei.

Herr Stückelberger, warum versucht die FDP Arlesheim nicht stärker, ihren Stil zum Stil der FDP Baselland zu machen – wenn er denn so erfolgreich ist?

Es heisst häufig, wir müssten raus aus Arlesheim, wir seien zu bescheiden, wir müssten versuchen, unsere Optik in die kantonale und nationale Politik zu tragen. Aber ich habe diesen Anspruch nicht. Es ist nicht garantiert, dass unsere Strategie überall erfolgreich wäre. Was nicht heisst, dass man sich an uns kein Beispiel nehmen darf.

Sie bleiben also lieber im gemütlichen Arlesheimer Schneckenhaus!

Wir dürfen nicht vergessen, woher wir kommen. Die FDP Arlesheim ist so, wie sie ist, weil in Arlesheim ein spezieller Geist herrscht. Das hat wiederum mit der guten Ausgangslage der Gemeinde zu tun: Da wäre einmal die schöne Lage, hinzukommen viele gebildete, gut situierte Einwohner und die gute Führung der Verwaltung. Arlesheim galt für Basler schon früh als
«Birseckische Residenz». Man zieht nicht einfach nur wegen der tiefen Steuern nach Arlesheim, wir sind kein Schlafdorf. Viele Einwohner engagieren sich ehrenamtlich, man will etwas zurückgeben. Es spielt also alles zusammen, greift ineinander. Das kann man nicht einfach so auf andere Gemeinden übertragen, das wäre arrogant.

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