Sissach
Banntag in Sissach: Tännli und Stechpalmen für neue Bürger

Der angekündigte Dauerregen mit Temperatursturz bewog erst recht etliche wasserdichte Männer, am Sissacher Bannumgang teilzunehmen. So traf sich um halb elf eine Rotte von gegen 300 Unentwegten, die sich durch durch Regen und über schweren Boden kämpfte.

Beat Eglin
Merken
Drucken
Teilen
Regierungsrat Isaac Reber (2. Von links) geniesst das Fest.
3 Bilder
Neubürger mit Tännli.
Am Banntag in Sissach herrschte trotz Dauerregen eine gute Stimmung

Regierungsrat Isaac Reber (2. Von links) geniesst das Fest.

Der angekündigte Dauerregen mit Temperatursturz bewog erst recht etliche wasserdichte Männer, am Sissacher Bannumgang teilzunehmen. So traf sich um halb elf eine Rotte von gegen 300 Unentwegten, die sich durch durch Regen und über schweren Boden kämpfte.

Der Sissacher Banntag ist traditionell eine Männersache. In früheren Zeiten begleiteten die Frauen Ihre Männer aus dem Dorf, wenn diese zur Kontrolle der Grenzsteine ausrückten. Damals wurden die Steine oft versetzt, um Land zu gewinnen. Trafen die Rotten dann aufeinander, gab es immer wieder Schlägereien und Scharmützel. Das dies für die Frauen zu gefährlich war, liess man sie zu Hause.

Auf der Wintersingerhöhe gab es die erste flüssige Zwischenverpflegung, und bei der Grimstenlücke gedachte man der verstorbenen Bürger. Diese werden nicht namentlich erwähnt, da die Namen wegen Datenschutz von den Behörden nicht mehr bekannt gegeben werden! Dort hielt Regierungsrat Isaac Reber auch seine erste Banntagsrede. Als "alter" Sissacher, der hier zur Schule ging, Gemeinderat wurde und in Sissach wohnt will der Schangnauer in den nächsten Tagen das Einbürgerungsgesuch stellen. So wird der beliebte Regierungsrat endlich ein richtiger Einheimischer.

Wegen des miserablen Wetters wurde das Banntagsfest vom Limperg in den Bürgerschopf verschoben, wo die Banntägler im Laufe des Nachmittags eintrafen. Dort wartete heisse Suppe mit Spatz und genügend Sissacher auf sie. Auch Bier floss reichlich, und die Gemüter waren schnell heiterer als der graue Himmel.

Ein ganz besonderes Highlight war die Aufnahme der neuen Bürger. Unter lautem Getöse der Böllerschüsse und eingenebelt vom Pulverrauch wurden Tännli an die neun neuen Sissacher Bürger verteilt.

Auf meine Frage, weshalb sie bei so schlechtem Wetter am Banntag mitmachen, sagt Hans Jörg Luchsinger scherzend:" Das frage ich mich auch! Aber es ist halt eine Tradition." Und sein Kollege Peter Riva, der das erste Mal dabei ist, hat "halt die Sonne verpasst".
Auch Isaac Reber meint zu seiner Premiere, er sei wetterfest. Und gegen den Regen gebe es Hüte. Und weshalb er nicht schon lange ein echter Sissacher sei sagt er unter dem Gelächter der Anwesenden nicht so ganz ernst: "Zuerst wollte ich in die Regierung und mich spätestens als Regierungsrat einbürgern." So wartet vielleicht in einem Jahr auch auf ihn das Bürgertännli, obwohl er eigentlich viel lieber eine Stechpalme hätte! Bürgerratspräsident Heiner Kern sollte also rechtzeitig nach einer Alternative für den prominenten Neubürger Ausschau halten.

Um 18 Uhr wurde dann zum Rückzug geblasen. Begleitet von den Schützen, Trommlern und Pfeifern und den Ehrendamen begab sich der Tross ins Dorf, wo manche noch etliche feuchtfröhliche Stunden verbrachten.