Asylwesen
Basel hat ein Heim für asylsuchende Kinder – Baselland nicht

Betreuung Basel leistet sich ein Heim für unbegleitete, minderjährige Asylsuchende. Baselland geht einen anderen Weg. Einen günstigeren und besseren Weg, wie der Landkanton behauptet.

Joël Hoffmann
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Für die Betreuung minderjähriger Asylsuchender gehen die beiden Basel unterschiedliche Wege.

Für die Betreuung minderjähriger Asylsuchender gehen die beiden Basel unterschiedliche Wege.

Keystone

Unbegleitete, minderjährige Asylsuchende (UMA) gehören zur Gruppe der besonders verletzlichen Asylsuchenden. Es sind Kinder bis 18 Jahre, die ohne Begleitung eines erwachsenen Familienangehörigen auf der Flucht sind. «UMA brauchen eine intensivere Betreuung als erwachsene Asylsuchende», sagt Renata Gäumann, Basels Asylkoordinatorin. In Basel gibt es für UMA zwischen 15 und 18 Jahren eine «Wohngruppe für unbegleitete, minderjährige Asylsuchende» (Wuma). Das Baselbiet kennt hingegen keine solche Einrichtung für besonders verletzliche Asylsuchenden.

Wohnheim wäre Baselland zu teuer

Im Wohnheim ist während 24 Stunden jemand da: von 7 bis 22 Uhr qualifiziertes Personal, nachts und am Wochenende Securitas. In Abendkursen werden Themen wie Umgang mit Medien, Ernährung, Sexualität oder Unterstützung bei Hausaufgaben angeboten. Für UMA gilt die Schulpflicht bis zum 9. Schuljahr.

Es gibt kein gesetzlichen Vorgaben, UMA anders unterzubringen als andere Asylsuchende. Unterbringung und Betreuung von Asylsuchenden ist Kantons- oder Gemeindeaufgabe. Die 15 Wuma-Plätze sind meist alle belegt. Basel bekommt vom Bund so viele UMA zugewiesen, wie in der Wuma Platz finden. Wie alle anderen Gruppen von Asylsuchenden werden auch UMA an alle Kantone zugewiesen, unabhängig davon, ob eine spezifische Unterbringung angeboten wird.

Im Baselbiet gibt es im Moment 25 UMA. Baselland hat keine Wuma. «Eine extra Infrastruktur für diese Gruppe ist heikel», sagt der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi. Einerseits, weil die nötige intensivere Betreuung ein Kostenfaktor ist. Andererseits sind für die Unterbringung der Asylsuchenden die Gemeinden zuständig. «Gäbe es eine Wuma, müssten diese Kindern in der Standortgemeinde zur Schule, was für diese problematisch sein könnte», sagt Rossi. Darum werden die Kinder auf die Gemeinden verteilt.

In der Regel komme kein UMA in ein Asylheim. Sie werden in Kinderheimen untergebracht oder bei Pflegefamilien. UMA unter 15 Jahren werden auch in Basel bei Pflegefamilien oder in Kinderheimen platziert. «Eine Heimplatzierung ist unvergleichlich teurer als ein Platz in der Wuma», sagt Gäumann jedoch. Rossi hingegen sagt: «Unser Mix kommt letztlich günstiger und ist auch für die Kinder besser: In einer Wuma kann der grosse Altersunterschied zwischen den Kindern zu einem Problem werden.» UMA erhalten in der Schweiz ein anderes Verfahren mit intensiverer Betreuung und Rechtshilfen.

Wenige Jugendliche im Asylheim

Darum bestehe, so Rossi, ein Anreiz, sich als minderjährig auszugeben. Die Altersbestimmung macht der Bund. Darum könne es vorkommen, dass auch 17-Jährige in normalen Asylheimen unterkommen. Asylsuchender unter 18 Jahren kämen aber nur ausnahmsweise in ein Asylheim. Dies, wenn der Bund kurzfristig Asylsuchende auf die Kantone verteilt. «Dann schauen wir, dass diese im Asylheim zu einer Familie aus demselben Land kommen», sagt Rossi.

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