Parkraumkonzept
Basel ignoriert Agglo-Bedürfnisse

Die Basler Regierung hat die überregionale Handwerker-Parkkarte aus dem Paket zur Parkplatzbewirtschaftung ausgeklammert. Die Agglomerationsgemeinden kritisieren nun den Basler Alleingang.

Michael Nittnaus
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Am Basler Erdbeergraben ist das Parkplatzproblem offensichtlich. KN

Am Basler Erdbeergraben ist das Parkplatzproblem offensichtlich. KN

Basel-Stadt gibt Gas. Mit dem komplett überarbeiteten Paket zur flächendeckenden Bewirtschaftung der Parkplätze, das die Regierung präsentierte, lässt sie so manche Baselbieter Gemeinde überrascht stehen. Das entschlackte Paket konzentriert sich nur auf die Stadt. Die überregionale Handwerker-Parkkarte wurde ausgegliedert. Sie wird separat weiter von der Arbeitsgruppe mit Vertretern aus Stadt, Land und Wirtschaft verfolgt.

Damit ist aus Basler Sicht zwar ein Bremsschuh entfernt, doch hätten sich mehrere Agglo-Gemeinden gewünscht, man hätte dies vorher gemeinsam besprochen.

Blaue Zonen allein reichen nicht

«Basel hätte sich zuerst mit uns betroffenen Gemeinden an einen Tisch setzen sollen, denn die Parkplatzprobleme können wir nur gemeinsam lösen», sagt etwa der Birsfelder Gemeindepräsident Claudio Botti. Gleicher Meinung sind auch seine Amtskollegen Anton Lauber und Charles Simon aus Allschwil und Binningen. Vor allem Lauber findet klare Worte: «Die Basler Regierung ist zu zaghaft. Sie hätte voll auf eine regionale Lösung setzen sollen, denn diese macht Alleingänge unnötig.»

Solche «Alleingänge» haben Birsfelden und Binningen bereits vor drei Jahren vollzogen, als sie unter anderem die weissen Zonen durch blaue ersetzten. «Deswegen denken wir, dass sich die Basler Lösung nicht zu stark auf uns auswirken wird», sagt Botti. Ganz sicher ist er sich aber nicht. So befürchtet er, dass Autofahrer, die sich die Pendlerkarte für 740 Franken nicht leisten wollen, verstärkt in der Agglomeration auf Parkplatzsuche gehen werden. «Birsfelden ist aber jetzt schon täglich zugepflastert mit Autos. Wir leiden stark unter dem Durchgangsverkehr.»

Die blauen Zonen allein lösen also keineswegs alle Probleme. Und doch überlegen sich immer mehr Gemeinden, ihre Parkplätze zu bewirtschaften. «Wir haben ein fixfertiges Parkierreglement in der Schublade. Es soll noch dieses Jahr vor die Gemeindeversammlung kommen», sagt etwa der Muttenzer Gemeindepräsident Peter Vogt. Zumindest ein Konzept angedacht hat Allschwil zwar auch, doch Lauber will abwarten, ob sich nicht doch eine regionale Lösung ergibt. Demgegenüber zeigt sich Vogt skeptisch: «Eine Lösung zu finden, die allen im Dreiländereck passt, ist illusorisch.» So arbeite man bereits über ein Jahr an der Handwerker-Parkkarte. Hierbei ist Charles Simon, der wie Vogt in der Arbeitsgruppe sitzt, zuversichtlicher: «Es gibt noch viel zu tun, doch ich hoffe, dass wir bis zum Sommer ein Resultat präsentieren können.»

Park-and-ride soll gefördert werden

Ein anderer Teil der Basler Parkraum-Vorlage kommt bei allen angefragten Gemeinden gut an: Ein Fonds, der mit Nettoeinnahmen der Besucher- und Pendlerparkkarten gespeist wird, soll Park-and-ride-Anlagen finanzieren. Dabei liegen die Hoffnungen vor allem auf Anlagen im Elsass, die den Verkehr neben der Stadt auch in den Gemeinden abschwächen könnten. «Das fordern wir schon lange», sagt Lauber. Mit einer Anlage in Hegenheim könnte man den 38er-Bus dorthin verlängern. Schöner Nebeneffekt: Dann müsste in Allschwil Dorf nicht mehr gewendet und es könnten längere Gelenkbusse eingesetzt werden. Botti fragt sich dagegen, ob eine solche Anlage sogar auf Birsfelder Boden sinnvoll wäre: «Das könnte uns vielleicht entlasten.»