Shopping
Basel taugt nicht als Shopping-Mekka

Mit international bedeutsamen Messen wie der Baselworld oder der Art Basel lockt die Stadt am Rheinknie Menschen aus der ganzen Welt an. Nur: Das Shopping-Angebot hält da nicht mit – aus internationaler Sicht ist es provinziell und langweilig.

Birgit Günter
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Hübsch, aber beliebig: Basels Shopping-Meile, die Freie Strasse. Beim Eindunklen eilen ein paar Menschen durch die Strasse mit dem fantasielosen Bodenbelag. Juri Junkov

Hübsch, aber beliebig: Basels Shopping-Meile, die Freie Strasse. Beim Eindunklen eilen ein paar Menschen durch die Strasse mit dem fantasielosen Bodenbelag. Juri Junkov

Entsprechend harsche Kritik deponiert Messe-Chef René Kamm im neuen «ProInnerstadt»-Magazin. Der Tenor: Will Basel auch künftig als Reiseziel ernst genommen werden, muss sich das Einkaufsangebot massiv verbessern.

Die grössten Kritikpunkte: unflexible Ladenöffnungszeiten, schlechter Ladenmix und das Fehlen eines klaren Einkaufskonzeptes. Kamm moniert, dass die Läden nur dann geöffnet haben, wenn die Messebesucher an der Messe sind. Abends oder sonntags, wenn diese gern shoppen würden, stehen sie indes vor verschlossenen Türen.

Typische Einkaufsstrasse fehlt

Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus, bestätigt dies: «Für die Gäste aus dem asiatischen Raum wären längere Öffnungszeiten enorm wichtig.» Reiseveranstalter würden dieses Bedürfnis wiederholt anmelden; wenn auch bisher vergebens.

Ebenfalls ein zentrales Manko ist das fehlende Shopping-Konzept: «Wir haben keine typische Einkaufsstrasse», so Kamm. Was in Zürich die Bahnhofstrasse oder in Bern die Lauben sind, verteilt sich in Basel auf lose Abschnitte wie die Freie Strasse oder den Spalenberg. Besonders negativ: Durchschnitten werden diese Shoppingstrassen jeweils von einer «grünen Wand»; den omnipräsenten Trams. Kamm fordert darum unter anderem ein Gestaltungskonzept der grossen Fussgängerachsen. Mit Ruhebänken und speziellen Bodenbelägen könnte man diese kennzeichnen und attraktiv gestalten. Was die Einkaufsatmosphäre angeht, ist Basel «knapp genügend», gibt ihm Egloff recht. Boden gut machen könne Basel wenigstens mit einer schönen Beleuchtung, hält er fest.

Basels Plätze «entrümpeln»

Bezüglich Verkehr ist sich Kamm einig mit Urs Welten, dem abtretenden Präsidenten des Vereins Pro Innerstadt: Die Shopping-City muss autofrei sein; rundherum sollen Parkings die Zufahrt gewährleisten. Egloff schlägt konkret eine «Entrümpelung» von Plätzen vor. Das Gewirr von Velos, Marktständen und Kandelabern störe das Stadtbild und damit letztlich auch die Atmosphäre bei Sightseeing und Shopping.

Gefordert ist hier nach Meinung der Kritiker die Stadtverwaltung: «Aber die bremst bei unseren Wünschen oft», kritisiert Welten. Den Einsatz für ein Shopping-freundlicheres Basel nennt er einen «jahrelangen Kampf». Egloff sieht die Entwicklung jedoch positiv: «Die Stadt hat die Zeichen der Zeit erkannt. Sie hat realisiert, dass es in verschiedenen Bereichen Nachholbedarf gibt.» Im Wissen, dass Shopping nicht zu Basels Stärken gehört, positioniert man sich gezielt als Kulturstadt. Doch leise und zurückhaltend wirbt man dennoch für ein Shopping-Erlebnis: «Für viele Asiaten ist Basel trotzdem sehr malerisch, wir versprechen also nichts Falsches», sagt Egloff. Und betont: «Wir haben hier alle wichtigen Brands, die Zürich auch hat.»

Künftig soll sich ein «Mister Innerstadt» darum kümmern, dass Basels Innenstadt aufgepeppt wird und auch für weit gereiste Asiaten Gesicht erhält. Der Retter in spe von Basels Innenstadt heisst Mathias F. Böhm: Der künftige Geschäftsleiter des Vereins Pro Innerstadt will die Stadt zu einem «unverwechselbaren Markenartikel» entwickeln.

Die Ideen dazu liegen jetzt quasi auf der Strasse. Es wird sich zeigen, ob sie umsetzbar sind.