Baselbiet
Baselbiet will seine Informationspolitik verbessern

Die Informationspolitik des Kantons Basel-Landschaft stand stark in der Kritik. Die Regierung wird im kommenden Herbst ein Kommunikationskonzept verabschieden. Vor allem im Online-Bereich müssen noch vermehrt Kräfte mobilisiert werden.

Valentin Kresslerund Aline Wanner
Merken
Drucken
Teilen
Auf allen Kanälen gefordert: Der Umgang mit den Medien stellt vielfältige Anforderungen an die Regierenden und ihre Sprecher.keystone

Auf allen Kanälen gefordert: Der Umgang mit den Medien stellt vielfältige Anforderungen an die Regierenden und ihre Sprecher.keystone

Die Baselbieter Regierung ist in den vergangenen Monaten wegen ihrer Informationspolitik wiederholt in der Kritik gestanden. Jetzt handelt die Exekutive: Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung der neuen zweiten Landschreiberin Andrea Mäder hat ein Kommunikationskonzept erarbeitet. Dies bestätigt Mäder gegenüber dem «Sonntag». Im kommenden Herbst soll das Konzept von der Regierung verabschiedet werden. Laut Mäder sind in Bezug auf die Kommunikation zudem weitere Massnahmen in Planung. Diese seien jedoch noch nicht spruchreif.

Dass im Baselbiet bei der Informationspolitik Handlungsbedarf besteht, ist offenkundig: In Basel-Stadt ist es in der Regel einfacher an Informationen aus der Verwaltung zu gelangen. Die Basler sind in vielerlei Hinsicht professioneller aufgestellt und weiter als die Baselbieter. Zum Beispiel beim Internetauftritt oder der Umsetzung des Öffentlichkeitsprinzips.

Erst seit Anfang Jahr im Amt

Mäder, erst seit Anfang Jahr im Amt, verteidigt den Kanton Baselland. Sie habe «nicht das Gefühl, dass wir extrem hinterherhinken», sagt sie. Die zweite Landschreiberin verweist auf die knapperen personellen Ressourcen und die dezentrale Kommunikationsstruktur. «Die einzelnen Direktionen informieren weitgehend eigenständig.» Dabei ist anzumerken, dass die Finanzdirektion von Adrian Ballmer (FDP) und die Bildungsdirektion von Urs Wüthrich (SP) keine eigentlichen Mediensprecher kennen.

Dass im Baselbiet Handlungsbedarf besteht, zeigt sich auch beim «Sonntag»-Rating. Die Redaktion hat eine Bewertung sämtlicher Sprecher der Kantonsverwaltungen der beiden Basel sowie der staatsnahen Betriebe vorgenommen. Auffällig: Es gibt enorme Qualitätsunterschiede, und die Städter schneiden besser ab als die Landschäfter. Unter den fünf Top-Sprechern sind nur Städter, die Landschäfter sind in den hinteren Rängen vertreten (siehe unten).

Was einen guten Mediensprecher ausmacht

Doch was macht überhaupt einen guten Mediensprecher aus? Gemäss André Schibli, Co-Leiter des Studiengangs Organisationskommunikation an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), ist es eine Person, die sich «auf allen Kanälen gut ausdrücken» könne. Aus Schiblis Optik ist ein guter Mediensprecher jemand, der nicht nur über sein Unternehmen, seine Abteilung oder seine Direktion informiert ist, sondern auch den öffentlichen Diskurs stets mitverfolgt.

Jemand, der gut erreichbar ist. Jemand, der sich nicht persönlich profilieren will. Jemand, der in Krisen ruhig bleibt, rasch und überlegt handelt. Jemand, der auch die Gegenseite kennt und weiss, wie Journalisten arbeiten. Kurz: Ein Organisationstalent, das Botschaften klar zu platzieren weiss und offensiv informiert.

Ausbildung für Mediensprecher

Eine Ausbildung für Mediensprecher bietet die ZHAW seit elf Jahren an. Der Studiengang hat sich verändert, wie die Branche auch. Heute haben die Absolventen nach drei Jahren einen Bachelor in Organisationskommunikation. Der Kommunikationssektor, sagt Co-Leiter Schibli, sei dynamischer und professioneller geworden, der Journalismus generell schnelllebiger. Schibli erklärt den Wandel auch mit neuen Medien. Neben gedruckten Zeitungen, Radio und Fernsehen fliessen Informationen ständig über Online-Portale oder Netzwerke wie Twitter und Facebook. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen auch Videos und Töne.

Die zweite Landschreiberin Andrea Mäder räumt ein Kommunikationsdefizit von Baselland im Online-Bereich ein. Ihr sei bewusst, dass der Kanton beim Internetauftritt Nachholbedarf habe. Es sei aber auch eine finanzielle Frage, sagt Mäder. «Derzeit müssen wir die Kräfte auf andere Dinge konzentrieren.»