Binningen
Baselbieter Chaos-Kita kommt nicht zur Ruhe

Die Leitung der Kita wollte mit einer Info-Veranstaltung die Eltern beruhigen – doch es kam anders.

Benjamin Wieland
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Die Verhältnisse in der Kindertagesstätte in Binningen geben weiterhin Anlass zur Diskussion.

Die Verhältnisse in der Kindertagesstätte in Binningen geben weiterhin Anlass zur Diskussion.

Eigentlich hätte der Anlass die Wogen glätten sollen, bewirkt hat er aber das Gegenteil. Am Dienstagabend lud die Leitung der Binninger Stiftung Kinderbetreuung zum Elternabend. Rund zwei Dutzend Eltern seien der Einladung gefolgt, sagt ein Besucher zur bz, mehrere Teilnehmer hätten den Saal jedoch vorzeitig wieder verlassen. «Ich kann kaum fassen, wie diese Veranstaltung abgelaufen ist.»
Das Ziel des Abends bestand darin, über die «aktuelle und zukünftige Situation der Stiftung» zu berichten, so stand es zumindest auf der Einladung. Informationsbedarf gab es zuhauf: Die Kita war vergangene Woche in die Schlagzeilen geraten. Mehrere Eltern, ehemalige Mitarbeitende und Betreuerinnen erhoben schwere Vorwürfe gegen die Geschäftsleitung (siehe bz vom 20. und 22. März). So habe sich das Betreuungsverhältnis wegen Kündigungen und anderen Abgängen schleichend verschlechtert, ebenso sei ein neues Ernährungskonzept eingeführt worden. Die Speisen mundeten jedoch offensichtlich nicht allen: Eine frühere Betreuerin erzählte der bz, dass sie Kindern heimlich Brot zugesteckt habe. Sie hätte diese nicht hungern lassen wollen.
Man habe nun die Hoffnung gehabt, sagt der erwähnte Teilnehmer des Elternabends, der nicht namentlich genannt werden will, dass die Leitung auf kritische Fragen eingeht. Doch das sei nicht der Fall gewesen. Die Verantwortlichen hätten ausweichend reagiert oder seien auf einige Punkte erst gar nicht eingegangen. Übel nimmt er der Geschäftsleitung, dass sie keinerlei Bereitschaft habe erkennen lassen, Fehler auch bei sich selber zu suchen. «Alle sind Schuld an den Problemen, nur nicht die Leitung. Als diese auch die Eltern beschuldigt hat, schlug dies dem Fass den Boden aus.»

Stiftung mauert weiter

Die Mitarbeitenden hätten zudem einen Maulkorb erhalten und seien «in den Senkel gestellt worden». Sein Fazit: «Dieser Auftritt war verheerend.» Stiftungsrat Dieter Freiburghaus sieht das anders. «Ziel der Eltern-Info war es primär, über die neue Betreuungssituation zu informieren, also die Frage zu klären, welches Kind im kommenden Schuljahr an welchem Standort von wem betreut wird.» Andere Themen seien auch zur Sprache gekommen, man sehe aber keinen Anlass, sich öffentlich dazu zu äussern. «Wenn Eltern mit etwas unzufrieden sind in der Kita, dann können sie sich direkt an die Leitung wenden.»
Der Elternabend fand an einem der beiden Standorte der Kita statt, in einem der Pavillons in den Schutzmatten. Dabei war auch eine Vertretung des Kantons anwesend. Er ist für die Bewilligung und Aufsicht von Kindertagesstätten zuständig. Das Amt für Kind, Jugend und Behindertenangebote (AKJB) schreibt auf Anfrage, man stehe laufend in Kontakt mit der Kita-Leitung, diese habe stets transparent informiert. Aktuell liege nichts vor, dass auf eine Nichteinhaltung der Bewilligungsvoraussetzung hindeute.

Zuviel Platz

Spuren hinterlassen haben die Querelen der vergangenen Wochen und Monate im Betrieb aber durchaus. So haben alleine zwischen Oktober 2016 und März 2017 rund 35 Kinder die Stiftung verlassen oder werden dies tun, teilte die Stiftung vergangene Woche mit – relativierte jedoch, es seien auch andere Gründe für die Austritte verantwortlich, etwa Wegzüge. Auch beim Betreuungspersonal kam es zu zahlreichen Wechseln, etliche Mitarbeitende waren mit dem neuen Ernährungskonzept namens «Fourchette verte» nicht einverstanden.
In einer Stellungnahme von vergangener Woche teilte die Stiftung Kinderbetreuung mit, das Essensangebot sei ausgewogen und stosse bei den Kindern «auf breite Akzeptanz». Die vielen Austritte haben nun aber dazu geführt, dass der Kita zu viel Platz zur Verfügung steht. Am Dienstag wurden die Eltern darüber in Kenntnis gesetzt, dass am Standort Schutzmatten ein Pavillon bis auf weiteres geschlossen werden soll.