Nationalratswahlen
Baselbieter EVP verabschiedet sich aus der politischen Mitte

Die EVP will keine Listenverbindung mit CVP, BDP und GLP bei den nationalen Wahlen vom Herbst. Damit rückt ein zweiter Sitz in Bundesbern für die Mitte in weite Ferne.

Hans-Martin Jermann
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Nähert sich dem rot-grünen Lager an: EVP-Präsident Urs von Bidder.

Nähert sich dem rot-grünen Lager an: EVP-Präsident Urs von Bidder.

Nicole Nars-Zimmer

Noch vor wenigen Tagen galt eine Neuauflage der Starken Mitte im Baselbiet als so gut wie beschlossen. Allerdings schienen jene, die diese Idee medienwirksam promotet haben, die Rechnung ohne die EVP gemacht zu haben: Am Dienstagabend nun verwarfen die Mitglieder der Evangelischen Volkspartei anlässlich ihrer Jahresversammlung in Allschwil die Option, bei den Nationalratswahlen vom 18. Oktober mit CVP, BDP und GLP gemeinsame Sache zu machen.

Ebenfalls nichts wissen will die EVP von einer Verbindung mit den gegründeten Grünen Unabhängigen (GU) des dissidenten Landrats Jürg Wiedemann. Dies geht aus einer Mitteilung der EVP vom Mittwochmorgen hervor.

Das Ende der «Ehe» mit der CVP

Das Ausscheren der kleinen Partei aus dem Mitte-Verbund ist von einiger wahlstrategischer Bedeutung: Ohne die EVP wird die Mitte kaum die anvisierten zwei Nationalratssitze erreichen können. Ebenfalls noch offen ist nun, mit welchen Verbindungen die CVP ihren von Elisabeth Schneider-Schneiter gehaltenen Sitz verteidigen kann. Von Bedeutung ist der Entscheid der EVP auch deshalb, weil damit das Ende einer langen «Ehe» mit der CVP besiegelt wird. Nach den kantonalen Wahlen vom 8. Februar verabschiedete sich die EVP bereits aus der gemeinsamen Fraktion mit der CVP, die in den vergangenen 16 Jahren Bestand hatte. Künftig politisiert die EVP im Landrat in einer gemeinsamen Fraktion mit den Grünen.

Diese Zusammenarbeit könne nun auch bei den Nationalratswahlen eine Option werden: Eine Listenverbindung mit den Grünen und/ oder der SP sei offen, heisst es in der Mitteilung der EVP. Dasselbe gelte für einen Alleingang. Dass die EVP unter letzterem Szenario einen eigenen Sitz erzielen wird, ist höchst unwahrscheinlich. Klar ist: Die EVP wird bei den nationalen Wahlen teilnehmen; Kandidierende sind freilich noch keine nominiert worden.

An der Versammlung der EVP vom Dienstagabend wurde ferner Parteipräsident Urs von Bidder und mit ihm der Parteivorstand für vier Jahre wiedergewählt.