FDP Baselland
Baselbieter FDP-Präsident Michael Herrmann tritt zurück

Die Baselbieter Freisinnigen müssen bis im Januar einen neuen Präsidenten finden: Der Bisherig Michael Herrmann kündigte gestern am Parteitag in Aesch seinen Rücktritt an. Man soll den Job solange machen, wie er Freude macht, so Herrmann

Thomas Dähler
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Michael Herrmann: Der FDP-Präsident geht

Michael Herrmann: Der FDP-Präsident geht

Fast ganz am Schluss des Parteitages, als alle Ja-Parolen zu den kantonalen Abstimmungen schon beschlossen waren, setzte es die Überraschung ab: Parteipräsident Michael Herrmann wird im Januar 2012 nicht zur Wiederwahl antreten. «Eine Funktion soll man so lange ausüben, wie sie einem Freude macht», sagte Herrmann gestern vor den rund 100 Parteimitgliedern in der Mehrzweckhalle Löhrenacker. Er habe bereits im Juni – mitten im Wahlkampf – entschieden, die Parteileitung im kommenden Januar zu verlassen.

Die überraschende Ankündigung setzte einen Schlusspunkt hinter eine Versammlung, in der die Anwesenden ein Wechselbad der Gefühle erlebten. Bereits zu Beginn kämpfte die frisch gewählte Nationalrätin Daniela Schneeberger mit den Emotionen, als sie in ihrer Ansprache die vielen Gratulationen verdankte. Doch Schneeberger blieb pragmatisch: «Wir dürfen die Augen nicht vor der Realität verschliessen», sagte die Thürnerin, die am Wahlsonntag den Kampf um den letzten Baselbieter Sitz in Bundesbern in einem Fotofinish für sich entschieden hatte. Noch kurz zuvor hatte Parteipräsident Herrmann andere Töne angestimmt: «Der Sonntag war grösstenteils ein Freudentag.»

Nationalrätin Schneeberger kündigte an, in den vier Jahren alles zu unternehmen, damit die FDP nicht nochmals von Glück und Zufall abhängig sein müsse. Sie rief die Parteimitglieder dazu auf, die Probleme nicht über die Medien auszutragen.

Gysin verunglimpft

Zu einer internen Abrechnung kam es in Aesch – in Anwesenheit der Medien – dennoch. Ein Mitglied verunglimpfte den abtretenden Nationalrat Hans Rudolf Gysin: «Gysin hat alles unternommen, dass die Partei die Wahlen verliert». Das sei «eine Frechheit». Der Mann erntete dafür Applaus, seine Ausführungen blieben unwidersprochen.

Bekannt wurde gestern auch, dass die FDP wohl ein Landratsmandat verlieren wird: Für Patrick Schäfli wird es eng in der FDP. Der Nationalratskandidat muss, wie die Parteileitung auf eine entsprechende Frage antwortete, mit einem Ausschlussverfahren rechnen, sollte er nicht selber die Konsequenzen ziehen. «Die Baustelle werde ich noch vor meinem Abgang erledigen», sagte Herrmann. Gysin und Schäfli konnten sich nicht verteidigen: Sie waren dem Parteitag, wie auch die Nationalratskandidaten Martin Wagner und Paul Hofer, ferngeblieben.

Herrmann zeigte sich indes zuversichtlich: «Wie haben eine intakte Partei», zog er Bilanz. Und mit Blick auf die glückliche neue Nationalrätin meinte er: «Der Generationenwechsel in der FDP ist gelungen.»