Spar-Massnahmen
Baselbieter Feuerwehr löscht bald in Kleidern der Zürcher Kollegen

Als Gross-Einkäufer kann der Kanton Zürich die Preise drücken – das hat man nun auch in Liestal erlickt. Nun erhalten die Baselbieter Feuerwehrleute die gleiche Brandschutzbekleidung wie die Zürcher Kollegen.

Benjamin Wieland
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Die gute Seite des Zentralismus: Kauft der Kanton die Schutzkleider statt jede Feuerwehr einzeln, sinkt der Preis. bz-Archiv

Die gute Seite des Zentralismus: Kauft der Kanton die Schutzkleider statt jede Feuerwehr einzeln, sinkt der Preis. bz-Archiv

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In Winterthur, Uster oder Zell brennt es nicht anders als in Liestal, Oltingen oder Burg. Das dachte man sich auch beim Baselbieter Feuerwehr-Inspektorat. Es entschied, dass alle Feuerwehrleute im Kanton Baselland die gleiche Brandschutzbekleidung erhalten wie ihre Kollegen im Kanton Zürich.

Damit spart die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung (BGV) – bei ihr ist das Feuerwehr-Inspektorat angesiedelt – eine Stange Geld. Denn der Kanton Zürich hat den Auftrag für neue Schutzkleidung vor kurzem vergeben. Die Baselbieter mussten sich nur an die Bestellung der Zürcher anhängen – und konnten sich so ein eigenes aufwändiges Submissionsverfahren sparen. Und dann winkt auch noch ein beträchtlicher Preisabschlag. Denn der Kanton Zürich kann mit seiner Gross-Bestellung die Preise drücken wie kaum ein anderer. In den Genuss des Mengenrabatts kommen nun auch die Baselbieter – gratis und ohne Aufwand, denn die Vergabe-Regeln lassen solche Sammelbestellungen zu.

Zwanzig Prozent Rabatt

Die Lieferanten werden sich kaum darüber freuen, dass sich Käufer zusammenschliessen. Aber etwas dagegen unternehmen können sie nicht. Umso erfreulicher ist die zentrale Beschaffung für die Steuerzahler. «Für uns ist dieser Auftrag ein Glücksfall», sagt der Baselbieter Feuerwehr-Inspektor Werner Stampfli. «So können wir dazu beitragen, Geld zu sparen.» Die BGV beziffert den Rabatt auf 20 Prozent pro Satz Kleider. Diese kosten im Originalpreis über 3100 Franken. Rund 2500 Feuerwehr-Leute gibt es im Kanton. Somit beläuft sich der Spareffekt für die Steuerzahler alleine bei den feuerfesten Textilien auf über 1,5 Millionen Franken.

Noch vor ein paar Jahren wäre diese Form von «Pooling» kaum möglich gewesen, sagt Stampfli. Da habe jede Feuerwehr in der Regel noch ihren eigenen Satz an Hosen, Jacken, Helmen und Handschuhen gekauft. Seit Anfang Jahr ist der Kanton, also die Gebäudeversicherung, dazu verpflichtet, die Ausrüstung zu Finanzierung. So schreibt es das neue Feuerwehr-Gesetz vor, das seit 1. Januar in Kraft ist. Den Entscheid zur Kleiderbeschaffung fällte die BGV nach den Sommerferien. Die Umrüstung erfolgt nun schrittweise; bis Ende 2019 soll sie abgeschlossen sein.

Auch Fahrzeug kommt günstiger

Die Kleider sind also Kantonssache – bei den Fahrzeugen kann jedoch immer noch jede Gemeinde selber einen Auftrag ausschreiben. Doch auch hier hat der Kanton immer häufiger seine Hände im Spiel. Das zeigt auch das jüngste Beispiel Pratteln. Dort braucht die Ortsfeuerwehr einen Ersatz für ein altes Tanklöschfahrzeug. Der Gemeinderat will ein Modell der Marke Mercedes-Benz kaufen, das von der Firma Rosenbauer umgebaut wird. Schon seit langem setzt die Prattler Feuerwehr auf Fahrzeuge dieses Ausstatters. Auch hier winkt ein saftiger Rabatt: Weil der Kanton vom Prattler Wunschmodell schon vier Stück bestellt hat, kann sich die Gemeinde an die Bestellung anhängen. Und auch die Ausschreibung, zu der die Gemeinde gemäss Gatt bei öffentlichen Beschaffungen verpflichtet wäre, kann sich die Gemeinde sparen.

Zwar kann Pratteln nicht direkt an die Ausschreibung anknüpfen, da die Bestellung bereits ausgelöst wurde. «Trotzdem besteht für unsere Gemeinde die Möglichkeit», schrieb der Gemeinderat in der Sondervorlage an den Einwohnerrat, «das freihändige Submissionsverfahren zu wählen, da die Gemeinde bereits ein typengleiches Fahrzeug der Firma Rosenbauer besitzt.» So könne Pratteln von «Sonderkonditionen der bereits gelieferten vier Fahrzeuge profitieren.» Das überzeugte auch den Einwohnerrat. Ausser einem Abgeordneten, der sich enthielt, stimmten vergangene Woche alle für die Beschaffung. Das Fahrzeug kostet knapp 600 000 Franken. Daran beteiligt sich die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung respektive das Feuerwehr-Inspektorat mit rund einem Drittel der Kosten. Dies, weil die Prattler Feuerwehr auch für einen langen Abschnitt der Autobahn A2 zuständig ist und damit auch im Gebiet anderer Gemeinden Einsätze leistet.

Neues Fahrzeug nicht vor 2016

Pratteln kommt also günstig zu einem neuen Feuerwehr-Fahrzeug – bis es zum ersten Mal mit Blaulicht und Wechselton auf den Strassen zu sehen sein wird, dauert es aber noch eine Weile: Nach Auskunft der Prattler Feuerwehr rechnet diese kaum mit einem Einsatz vor 2016. Und bestellt sei auch noch nichts; zuerst warte man das Ende der Einsprachefrist ab.