Therwil
Baselbieter Firma macht Autobahn-Baustellen sicherer

Mit den Lösungen, wie Baustellen auf der Autobahn markiert werden, nicht glück, entwickelte die Senn Konstruktionswerkstätte AG aus Therwil einen eigenen Leitkegel-Automaten.

Daniel Haller
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David Senn erklärt den automatischen Leitkegelsetzer. Nicole Nars-Zimmer

David Senn erklärt den automatischen Leitkegelsetzer. Nicole Nars-Zimmer

Nicole Nars-Zimmer niz

«Autobahnbaustelle ist kein Schoggi-Job», ist David Senn überzeugt. Selbst das Sichern und Markieren der Baustellen ist mitten im rauschenden Hochgeschwindigkeitsverkehr gefährlich. So sitzt jeweils ein Arbeiter hinten auf der Ladefläche eines Lastwagens, um die rot-weissen Markierungskegel aus dem fahrenden Wagen heraus auf die Fahrbahn zu stellen oder sie von dort aufzunehmen.

«Bei einem Unfall sind sie dort sehr exponiert», berichtet der Geschäftsführer der Senn Konstruktionswerkstätte AG in Therwil. Die Suva und das Bundesamt für Strassen (Astra) hätten deshalb schon lange angemahnt, dass sich da etwas ändern müsse.

Das Schweizer Fernsehen zeigte 2011 in «Einstein» eine holländische Maschine, die im Raum Zürich zum Einsatz kommt. Kostenpunkt: gegen 400 000 Franken. Am nächsten Morgen kratzte man sich im Therwiler Familienbetrieb am Kopf: Das müsste eigentlich günstiger zu schaffen sein!

Breit aufgestellter Kleinbetrieb

Dann machte man sich an die Arbeit – als Kleinunternehmen: Senns Grossvater hatte es 1947 als Hufschmiede und Wagnerei gegründet. Heute ist es ein Nischenplayer im Maschinen- und Apparatebau mit einer Reihe klingender Namen in der Kundenkartei: Unter anderem Roche, Endress + Hauser, die Basler Verkehrsbetriebe, die Migros-Bäckerei Jowa, von Roll oder das Paul-Scherrer-Institut haben bereits auf Lösungen aus dem Betrieb mit acht Mitarbeitenden zurückgegriffen.

Fördermittel für Industrieanlagen, Spezial-Transportmittel für den Einsatz in Reinräumen oder Industrieöfen für Sonderanwendungen gehören zum Spektrum der Produkte. Hinzu kamen Gondeln für einen Erlebnispark in Mekka in Saudi-Arabien oder die Bühnenmechanik für die Thunersee-Festspiele. «Wir sind spezialisiert auf kundenspezifische Einzelanfertigungen und Kleinserien», erklärt Senn. Die grösste Serie, die in seiner Firma je produziert wurde, waren 500 Seifenkisten-Bausätze: Ein Schweizer Autoimporteur hatte sich eine Seifenkisten-Rennserie als Werbe-Event ausgedacht, die Idee dann aber wieder fallen lassen.

Da Senn vor allem für Schweizer Kundschaft entwickelt, konstruiert und produziert, hat die Frankenstärke das KMU bisher nur indirekt getroffen: Investitionen in Produktionsanlagen, für die Senn Komponenten baut, wurden zurückgestellt. «Da wir breit aufgestellt sind, konnten wir Umsatzeinbussen bisher mit neuen Aufträgen kompensieren», berichtet der Geschäftsführer. Aber er macht sich keine Illusionen: «Industrielle Produktion wandert zunehmend ab. Also macht es Sinn, den Infrastruktur-Sektor, der ja hierbleiben muss, als Markt zu erschliessen.»

Orange-weisse Hüte

Infrastruktur heisst beispielsweise Autobahn. Zuerst entwickelte man in Therwil ein Gerät, mit dem man vom Lastwagen aus Warnschwellen verlegen kann: Diese werden 150 Meter vor einer Baustelle auf die Autobahn gelegt, um unaufmerksame Fahrer aus ihrer Routine zu rumpeln, damit sie nicht in die Abschrankung rasen. «Die Schwellen manuell zu verlegen ist nicht nur anstrengend, sondern auch gefährlich», meint Senn.

Als Nächstes ging man daran, die Maschine für die orange-weissen Leitkegel zu bauen. Luca Lüchinger, ein Absolvent der Fachhochschule Nordwestschweiz in Windisch, der mittlerweile bei Senn angestellt ist, entwickelte die Grundzüge im Rahmen seiner Diplomarbeit: Das Gerät wird hinten auf die Ladefläche eines Lastwagens montiert und mit 75 «Hüten» beladen. Diese Menge reicht für eine Baustelle von zwei Kilometer Länge. Längere Baustellen werden mit Betonelementen gesichert.

«Swiss made» ist günstiger

Einzeln legt der Apparat die Kegel bei langsamer Fahrt auf die Strasse und stellt sie anschliessend auf. So sind sie alle so ausgerichtet, dass man sie hinterher – auch ohne jemanden auf der Ladefläche – wieder einsammeln kann. Die Plastik-Kegel automatisch zu platzieren und wieder aufzunehmen sei vor allem bei Kurzzeit-Baustellen interessant, beispielsweise bei nächtlichen Sanierungsarbeiten.

Anfang Juli war man mit dem Prototyp zwei Wochen in der ganzen Schweiz auf Demonstrationstour. «Nun arbeiten wir daran, den Apparat bedienungssicher zu machen, denn er wird ja nicht von Spezialisten, sondern von Bauarbeitern benutzt.» Ab 2017 soll er dann auf den Markt kommen – absolut «Swiss made» und dazu noch günstig: Statt 400 000 Franken wie das ausländische Konkurrenzmodell– zu denen gemäss Senn noch etliche 100 000 Franken für das Auswechseln der Steuerung und Hydraulik hinzukamen – soll er 120 000 Franken kosten.