Wald
Baselbieter Förster sollen auf leichten Sohlen Bäume ernten

Schwere Maschinen zerstören den Waldboden - auch in Baselbieter Wäldern ist dies ein grosses Problem. Im «Internationalen Jahr des Bodens» sucht der Kanton die Holzernteart, die das Erdreich nicht zerstört.

Boris Burkhardt
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Von links nach rechts: Christian Becker, Thomas Weber, Roland Bono, Ueli Meier.
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«Holzernte und Waldbodenschutz» - ein lösbarer Konflikt?
Erster Anlass der VGD zum «Internationalen Jahr des Bodens 2015»
Erster Anlass der VGD zum «Internationalen Jahr des Bodens 2015»
Erster Anlass der VGD zum «Internationalen Jahr des Bodens 2015»
Erster Anlass der VGD zum «Internationalen Jahr des Bodens 2015»
Erster Anlass der VGD zum «Internationalen Jahr des Bodens 2015»
Erster Anlass der VGD zum «Internationalen Jahr des Bodens 2015»

Von links nach rechts: Christian Becker, Thomas Weber, Roland Bono, Ueli Meier.

Juri Junkov

Manch ein UNO-Themenjahr geht an der Politik unbemerkt vorüber. Doch für das diesjährige «Internationale Jahr des Bodens» will sich die Baselbieter Volks- und Gesundheitsdirektion (VGD) mächtig ins Zeug legen: Immerhin ist ihr Amt für Wald beider Basel für 80 Prozent der Fläche des Landkantons zuständig. Das Konzept der VGD für das Internationale Jahr beinhaltet dabei nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch die Schulung jener, die im Auftrag von Kanton und Gemeinden im Wald tätig sind. Beim ersten öffentlichen Anlass am Montag diskutierten im Hinterbergwald in Therwil VGD-Vorsteher Thomas Weber, Kantonsforstingenieur Ueli Meier sowie der Boden-Fachmann des Kantons Roland Bono exemplarisch mit dem Betriebsleiter des Forstbetriebs Angenstein, Christian Becker.

Bei leichtem Schneefall ist der Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie augenfällig: Zunehmend warme und feuchte Winter, berichtet Becker, hielten die Waldböden nass und weich. Gefroren seien sie in dieser Saison noch nicht. Die schweren Arbeitsmaschinen der Forstarbeiter sänken dadurch tief in den Boden ein und zerstörten mit ihrem Druck dort den Lebensraum oft permanent. «In einer Handvoll Erdboden leben so viele Lebewesen, wie es auf der ganzen Erde Menschen hat», verbildlicht Regierungsrat Weber das Zerstörungspotenzial schon eines einzigen menschlichen Trittes. Fachmann Bono ergänzt: «Der Erdboden gleicht einem Emmentaler mit vielen Hohlräumen, die mit Wasser und Luft gefüllt sind.» Würden diese Löcher einmal durch Druck zerstört, fehle dem Boden der Sauerstoff: «Und ohne Luft gibt es kein Leben, auch nicht im Erdboden.»

Nicht überall ist das Baselbieter Erdreich laut Bono derart gefährdet: Wesentlich unempfindlicher gegen Druck seien Kalkböden, die nur bis zu 20 Zentimeter Erdschicht hätten. Gemäss der Waldbodenkarte, die der Kanton derzeit erstelle, bestehe der Untergrund im Leimental, Laufental und in der Rheinebene jedoch vornehmlich aus Lehm und Löss und könne bis zu vier Meter tief reichen. So steht Forstrevierchef Becker im matschig-weichen Erdreich des Therwiler Hinterbergwaldes nun vor dem Problem, wie er die gefällten Bäume möglichst bodenschonend auf den geteerten Waldweg transportieren kann. Bisher hilft er sich mit sogenannten «Rückewegen»: Die Arbeitsmaschinen «rücken» die Baumstämme demnach immer entlang derselben Spur, um den Schaden lokal zu begrenzen. «Dank GPS-Technik wissen wir noch in zwanzig Jahren, wo wir lang gefahren sind», erzählt Becker. In seinem Forstrevier lägen die Wege 35 bis 40 Meter auseinander statt wie andernorts nur 20: «Das ist bodenschonender, aber aufwendiger und zeitintensiver.»

Bessere Möglichkeiten böte die moderne Technik durchaus, weiss er; doch sei alles eine Frage des Geldes. So kostete die Verschiebung der Baumstämme mit dem Seilzug oder per Helikopter 40 Franken pro Kubikmeter mehr als die jetzige Methode mit der Arbeitsmaschine mit Greifer und Ladefläche. Die Kosten lägen damit rund 15 Franken über dem derzeitigen Verkaufspreis von 80 Franken pro Kubikmeter, rechnet Becker vor.

Waldbesitzer fordern Subventionen

Eine Rechnung, die manche Bürgergemeinde zur Forderung brachte, der Kanton solle einen Teil der Kosten, die der Mehraufwand für den Bodenschutz bringe, übernehmen. Regierungsrat Weber lehnt ab: «Es ist richtig, dass die Bürgergemeinden nicht permanent drauflegen können. Aber Subventionen sind nicht die Lösung.» Er rät den Waldbesitzern, durch Kooperationen, modernes Arbeitsgerät und gut geschulte Mitarbeiter die Effizienz und damit den Ertrag der Holzwirtschaft zu steigern.

Den Vorschlag von Kantonsforstingenieur Meier muss Becker aber ablehnen: Holzschlag im Sommer, wenn der Boden trockener und fester ist, sei aus drei Gründen wenig sinnvoll: Die notwendige Arbeitskleidung sei erstens viel zu heiss für den Sommer; in den Laubkronen seien zweitens potenzielle Gefahren wie morsche Äste nicht sichtbar wie jetzt im kahlen Wald; und drittens sei bei trockener und brüchiger Rinde die Gefahr einer Pilzinfektion des Holzes viel zu gross.