Kabelanschlüsse
Baselbieter Gemeinde warnt Bewohner vor Swisscom-TV

Die EBL Telecom unterstützt acht Gemeinden, die eigene Netze betreiben, im Kampf gegen die Konkurrentin Swisscom. Etwa für Hölstein ist es aber ein heikler Spagat.

Michael Nittnaus
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In den Gemeindenachrichten warnt Hölstein seine Bewohner vor einem Wechsel zu Swisscom-TV:

In den Gemeindenachrichten warnt Hölstein seine Bewohner vor einem Wechsel zu Swisscom-TV:

Keystone

«Fernsehen, Internet, Telefon: Gemeinde oder Swisscom?» So titelte Hölstein in den am Montag erschienenen Gemeindenachrichten. Darin ruft die Gemeinde ihre Bürger dazu auf, als Kabelfernsehkunden nicht vom Angebot der EBL Telecom, die mit der Cablecom zusammenarbeitet, zu jenem der Swisscom zu wechseln.

Zwar schreibt sie auch: «Der Entscheid, welchem Angebot der Konsument erliegen möchte, liegt allein bei ihm.» Doch schon die darauf folgenden Worte gleichen einem Wink mit dem Zaunpfahl: «Fällt der Entscheid zugunsten des Gespanns von EBL Telecom und UPC Cablecom aus, wird damit auch das Bekenntnis zur eigenverantwortlich geführten Gemeinschaftsantenne der Gemeinde bekräftigt. Beim Angebot der Swisscom übergibt man sich vollumfänglich einem privatwirtschaftlichen Unternehmen.»

Hölsteiner Netz bedroht

Haben die Hölsteiner, die sich für ein anderes Angebot entschieden haben, ihre Gemeinde also im Stich gelassen? Gemeindeverwalter Fritz Kammermann ist sich der Brisanz bewusst: «Es ist natürlich nicht Aufgabe einer Gemeinde, sich in einen privatwirtschaftlichen Wettbewerb einzumischen.» Er verstehe, dass man den Aufruf in den Gemeindenachrichten kritisch hinterfrage. Aber Kammermann betont auch: «Wir machen damit keine Werbung für EBL oder Cablecom, sondern für uns.»

Hölstein, wie auch sieben weitere Gemeinden des Oberbaselbiets, betreiben nämlich eine eigene Antennenanlage. Die Signale für analoges und digitales Fernsehen, Internet sowie Telefon beziehen sie von der EBL, welche beim digitalen Inhalt wiederum auf Cablecom zurückgreift. Da der Betrieb der eigenen Anlage mit den Gebührengeldern der EBL-Kunden finanziert wird, spürt Hölstein jeden Wechsel zur Swisscom ganz direkt. Die Anlage koste jährlich rund 200'000 Franken, die Gebühreneinnahmen lägen nur noch leicht darüber. «So können wir kaum noch Reserven für zukünftige Investitionen aufbauen», bedauert Kammermann.

Und er wird deutlich: «Momentan geht es noch, doch wenn noch viel mehr Kunden wechseln, können wir das eigene Netz nicht mehr aufrechterhalten.» Dass das Netzangebot in Hölstein aber zur Kernaufgabe gehören soll, hätte das Stimmvolk bereits mehrfach bestätigt. Das Hauptargument: So behalten die Bürger einen – wenn auch geringen – Einfluss auf die Entwicklung des Netzes.

EBL verteidigt Einflussnahme

834 Abonnenten halten der Gemeinde aktuell noch die Treue. Nimmt man die rund 920 Haushalte Hölsteins (Stand 2010), ist das immer noch eine eindrückliche Zahl. Im ersten Halbjahr 2013 gab es 13 Kündigungen, was im Vergleich zu den 27 von 2012 zwar nicht auf eine Zunahme schliessen lässt, so Kammermann. Über alle Netze der EBL Telecom gesehen seien allerdings in den ersten sechs Monaten 2013 bereits so viele Kündigungen eingegangen wie im gesamten Vorjahr.

Die EBL schickte deshalb den acht Gemeinden eine Mitteilung mit der Bitte, sie zu veröffentlichen. Kammermann passte sie an die Hölsteiner Verhältnisse an. Adrian Koessler, Geschäftsleiter der EBL Telecom, sieht in dem Vorgehen kein Problem: «Wir unterstützen die Gemeinden bloss, damit ihre Investitionen in die Netze nicht ohne Gegenwehr an die Konkurrenz übergehen.»

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