Asylunterkünfte
Baselbieter Gemeinden suchen Platz für die vielen Asylbewerber

Die gestiegenen Asylbewerberzahlen setzen Gemeinden, die zu wenig Plätze anbieten, unter Zugzwang. Was der Kanton von Muttenz fordert, ist happig: 50 bis 60 neue Plätze muss die Gemeinde für die Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung stellen.

Michel Ecklin
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Nach der Schliessung des Empfangszentrums in Pratteln sind die Gemeinden aufgefordert, mehr Asylsuchende aufzunehmen. Chris Iseli

Nach der Schliessung des Empfangszentrums in Pratteln sind die Gemeinden aufgefordert, mehr Asylsuchende aufzunehmen. Chris Iseli

«Damit bewegen wir uns in einer ganz anderen Liga als mit der bisherigen Unterbringung von Asylbewerbern», sagt Roger Börlin, Präsident der Muttenzer Sozialhilfebehörde.

Die zusätzlich benötigten Plätze sind die Folge der gestiegenen Asylbewerber-Zahlen. In Muttenz zeichnet sich eine Lösung ab: Die Gemeinde hat eine Liegenschaft auf dem Polyfeld in Aussicht. Muttenz gehört zu den Gemeinden im Baselbiet, in denen weniger als 0,6 Prozent der Bevölkerung Asylbewerber sind. «Muttenz war zur Zeit, als Leute aus dem Kosovo kamen, sehr grosszügig mit der Unterbringung von Familien», sagt der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi. Deshalb habe der Kanton in den vergangenen Jahren die tiefe Unterbringungsquote von Muttenz zugelassen.

30 Plätze in zwei Wochen

Solange auf diese Art alle vom Bund an den Kanton zugewiesene Asylbewerber untergebracht werden konnten, war das kein Problem. Doch seit rund einem Jahr ersuchen rund 80 Personen monatlich um Asyl im Kanton. Jetzt werden die Gemeinden mit Nachholbedarf vom Kanton aufgefordert, mehr Plätze anzubieten. Schwankende Unterbringungsquoten in einigen Gemeinden seien nicht aussergewöhnlich, so Rossi. Die Forderungen des Kantons bringen allerdings manche Gemeinde an den Rand ihrer Kapazitäten.

So sollte Arlesheim in 14 Tagen 30 neue Plätze zur Verfügung stellen. Die Gemeinde könnte die Zivilschutzanlage unter der Feuerwehr öffnen. Laut Gemeinderat Anton Fritschi (FDP) stünde sie erst Mitte Jahr zur Verfügung. Bedenken, Asylbewerber unterirdisch einzuquartieren, hat er nicht. «Es geht jetzt nur darum, eine ausserordentliche Situation zu bewältigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Asylbewerber länger als einige Monate bleiben.»

«Kein leichtes unterfangen»

In Frenkendorf wäre es laut Gemeindeverwalter Thomas Schaub «eine absolute Notmassnahme», die Zivilschutzanlage zu öffnen. Er hat kein schlechtes Gewissen, dass die Gemeinde bisher die Quote von 0,6 Prozent nicht erreichte. «Wir nahmen bisher alle Asylbewerber, die uns zugeteilt wurden, akquirieren aber nie aktiv.» Doch jetzt verlangt der Kanton 14 neue Plätze, was gemäss Berechnungen der Gemeinde zu viel ist. «Zum Teil sind die Listen nicht nachgeführt», sagt Schaub.

Trotzdem schaue sich die Gemeinde nach Unterkünften um, zusammen mit der Firma ABS, die unter anderem in Frenkendorf Asylbewerber betreut. «Die Suche ist kein leichtes Unterfangen», sagt Schaub. Denn es gebe schlicht kaum freie Wohnungen im Dorf. Und höre ein Liegenschaftsbesitzer, die Gemeinde wolle Asylbewerber unterbringen, «dann braucht es Überredungskünste».

Es drohen Überkapazitäten

Ähnliche Sorgen hat Sissach. Dort hat der Kanton noch nicht angeklopft. «Aber wir wissen, was auf uns zukommt», sagt Sozialdienstleiter Philippe Matter. Zur Unterbringung von Asylbewerbern könnte ein altes Bahnwärterhäuschen zur Verfügung stehen, «ansonsten haben wir nichts Konkretes».

Natürlich könne man Eigentumswohnungen erwerben. Doch dafür reiche die Unterbringungspauschale des Bundes nicht, «und wir hätten bald wieder ein Überangebot». Nicht ausschliessen möchte er eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit im Asylbereich wie zwischen Arlesheim und Reinach.

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