Sissach
Baselbieter Grüne outen sich geschlossen als Fusions-Turbos

An der Mitgliederversammlung in Sissach gab es keine Zweifel an der einstimmigen Ja-Parole zur Fusionsabstimmung. Zudem können die Grünen 2015 mit 90 Landratskandidaten antreten. Isaac Reber ist nominiert zur Wiederwahl in den Regierungsrat.

Stula Bojan
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Isaac Reber wurde die Einzelkandidatur für die Gesamterneuerungswahl von der Parteibasis bestätigt. Er erhielt ein Nokia-Handy, mit dem man gut telefonieren könne, "aber keine Fotos machen kann" (Archiv)

Isaac Reber wurde die Einzelkandidatur für die Gesamterneuerungswahl von der Parteibasis bestätigt. Er erhielt ein Nokia-Handy, mit dem man gut telefonieren könne, "aber keine Fotos machen kann" (Archiv)

Martin Töngi

Er sei überwältigt und werde das seiner Partei "nie vergessen". Fusionsinitiant Klaus Kirchmayr verdrückte beinahe eine Träne der Rührung, nachdem die Grünen Baselland einstimmig die Ja-Parole zur Prüfung der Kantonsfusion beider Basel gefasst hatten. Ebenso bedankte sich Parteipräsidentin Florence Brenzikofer für "das starke Signal", das nun von der Partei ausgehe.

Tatsächlich gab es an der Mitgliederversammlung im Café-Bistro Cheesmeyer in Sissach während der kurzen Diskussion keinerlei Gegenstimmen gegen die Fusionsvorlage vom 28. September. Dafür begeisterte und nachdrückliche Voten, nach 1969 auch der jetzigen Generation die Fusionsprüfung zu ermöglichen. Insbesondere die jungen Grünen legten sich ins Zeug und gaben ihrer Hoffnung auf ein vereintes, innovatives und weltoffenes Basel Ausdruck. Die Grünen sind die erste Partei im Baselbiet, die ihre Parolen für die wegweisende Abstimmung vom 28. September gefasst haben.

In die Hochstimmung passte auch die Nominierung der Kandidierenden für die Landratswahlen am 8. Februar 2015. Erstmals können die Baselbieter Grünen in jedem Wahlkreis mit einer kompletten Liste antreten, wie Brenzikofer mit einigem Stolz ausführte. 47 Männern stehen 43 weibliche Kandidaten gegenüber, mehr als ein Drittel davon sind jünger als 40 Jahre. "Wir wollen gestärkt in das Landratsjahr gehen", kündigte die Parteipräsidentin an, die selber ebenfalls ihren Sitz verteidigen will: "Es stehen wichtige Vorlagen an." Neben Bisherigen auf den Listen-Spitzenplätzen wie Kirchmayr, Rahel Bänziger, Philipp Schoch, Regina Werthmüller oder Jürg Wiedemann bewirbt sich mit der früheren Landratspräsidentin Esther Maag im Wahlkreis Waldenburg auch eine prominente Ehemalige um den Wiedereinzug ins Parlament.

Viel Applaus gab es schliesslich auch für den Sicherheitsdirektor und Regierungspräsidenten Isaac Reber, dessen Einzelkandidatur für die kommende Gesamterneuerungswahl von der Parteibasis einstimmig ohne Zwischentöne bestätigt wurde. Fraktionschef Klaus Kirchmayr und Nationalrätin Maya Graf lobten den Sissacher überschwänglich als leistungsfähigen Regierungsrat, der nach drei Jahren im Amt einen überzeugenden Leistungsausweis vorweisen könne. Dies etwa im Gegensatz zu SVP-Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber, der laut Kirchmayr nur steigende Kosten bei den Spitälern auf seiner Rechnung habe und tatenlos dem Desaster in der Finanzierung der Altenpflege zuschaue.

Reber erhält Nokia-Handy–ohne Selfie-Möglichkeit

Reber bedankte sich für das ausgesprochene Vertrauen und betonte, dass er auch nach drei Jahren im Amt die Bodenhaftung nicht verloren habe. Auf die Frage, für welche Direktion er sich nach der allfälligen Wiederwahl entscheiden werde, gab er sich erstens als überzeugter Teamplayer zu erkennen, zweitens als sehr treuer Mensch, der mit der Sicherheitsdirektion ein sehr spannendes Aufgabenfeld besitze. Er hege keine aktiven Wechselgelüste, allerdings wisse niemand, in welcher Zusammensetzung und welchem Zustand die Regierung sich nach der Wahl im Februar befinden werde. Als Geschenk überreichte Brenzikofer Reber ein nagelneues Nokia-Handy, mit dem man zwar sehr gut telefonieren könne, "aber keine Fotos machen kann" - was die Parteimitglieder mit Seitenblick auf das Badener Amtshaus mit schallendem Gelächter quittierten.