Kulturleitbild
Baselbieter Kulturdirektor Urs Wüthrich bittet das Volk um Hilfe

Eine öffentliche «Tagsatzung» in Liestal soll dem Kanton Grundlagen für die künftige Kulturförderung liefern. Das Kulturleitbild soll nicht von einer Arbeitsgruppe erarbeitet, sondern in der Öffentlichkeit breit abgestützt werden.

Daniel Ballmer
Merken
Drucken
Teilen

Nun will Urs Wüthrich auf Nummer sicher gehen. Gleich zwei Niederlagen hatte der sozialdemokratische Kultur- und Bildungsdirektor im Baselbieter Landrat einstecken müssen. Erst wies das Kantonsparlament den Entwurf zum Kulturgesetz als «zu stadtlastig» an die Regierung zurück. Dann erzwang die bürgerliche Mehrheit gegen den Willen Wüthrichs ein neues Kulturleitbild, mit dem erst eine Grundsatzdebatte über das Wesen der Baselbieter Kultur zu führen sei – und das, obwohl Baselland gemäss Wüthrich bereits «die grösste Dichte an Leitbildern in der Schweiz» habe. Den Motionären aber ging es vorab auch um eine Abgrenzung von Basel und der städtischen Kultur. Klar ist: Eine dritte Niederlage will Wüthrich nun nicht mehr riskieren.

Die Lösung bringen soll eine öffentliche «Tagsatzung», welche diesen Samstag in Liestal stattfinden wird. An dem ganztägigen Anlass im Hotel Engel, dem Palazzo, dem Kantonsmuseum und der Kulturscheune sollen alle Interessierten mitreden können. «Das Kulturleitbild soll eher das Ergebnis von Stammtischdiskussionen sein und nicht von Schreibtischarbeit», führte Regierungsrat Wüthrich gestern vor den Medien aus. «Schliesslich kann es nicht darum gehen, dass wir staatliche Kultur schaffen. Wir leben nicht in Nordkorea.» Daher solle das Kulturleitbild nicht von einer Arbeitsgruppe erarbeitet, sondern in der Öffentlichkeit breit abgestützt werden.

Vom Podium bis zum Stammtisch

Die Kulturabteilung hat kaum einen Aufwand gescheut und ein Budget von rund 100000 Franken bereitgestellt, um diese volksnahe Form der Meinungsbildung auf die Beine zu stellen: Von 7.30 Uhr früh bis am Abend um 21.30 Uhr sind verschiedene Gesprächsformen vorbereitet – vom Podium über den Runden Tisch und Talks bis hin zum Stammtisch, jeweils mit eigener Moderation oder Leitung.

Alle Beiträge werden protokolliert und das gesammelte Material ausgewertet. «Das dürfte längere Zeit in Anspruch nehmen», sagt Kulturchef Niggi Ullrich. Bis im Spätherbst solle dann das daraus erarbeitete, knapp formulierte Leitbild auf dem Tisch liegen. Erst dann werde die Regierung entscheiden, ob die Vorlage nochmals in Vernehmlassung gehen oder direkt dem Landrat vorgelegt werden soll.

Vertreten seien an der «Tagsatzung» alle Positionen in der Kulturdiskussion, betonte Ullrich. Mit dabei sind beispielsweise Konzertveranstalter, Trachtenvereinsleute, Chöre oder Tanztheater. «Damit ist aus einer verrückten und unausgegorenen Idee ein tolles Programm zusammengestellt worden», findet Wüthrich und hofft auf die rege Teilnahme auch bisheriger Kritiker am Kulturgesetz: «Wer einen Anspruch auf Mitwirkung reklamiert, soll beweisen, dass er etwas zu sagen hat.»

Geld und Geist – wer soll das zahlen?

Damit die «Tagsatzung» auf den Punkt kommt, hat Ullrich Leitthemen und -fragen formuliert, welche die Diskussion strukturieren sollen. Dabei werden Fragen aufgeworfen, wie «Welche kulturpolitische Ausrichtung passt zum Baselbiet?», «Geld und Geist. Was darf wie viel kosten?» oder «Wer soll bezahlen?»

Noch haben die Initianten keine Vorstellung, mit welchen Besucherzahlen sie rechnen dürfen. Interne Szenarien reichen von nur einer Handvoll Interessierter bis hin zu einem Ansturm von 500 Personen. Ein denkbares Idealmass wären für Ullrich dagegen 100 bis 200 Teilnehmende.

www.tagsatzung-kultur-bl.ch