Baselbieter Landrat
Allschwiler Ärger über Ausbaustopp: «ÖV im Bachgraben ist hinterwäldlerisch»

Dass Basel-Stadt die Buslinie 64 vorerst nicht Richtung Bahnhof St.Johann verlängern will, sorgte bei den Allschwiler Vertretern im Landrat für harsche Kritik. In die Bresche springen könne Baselland nicht, sagte Baudirektor Isaac Reber.

Hans-Martin Jermann
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Der Bachgraben bleibt vorerst Endstation: Die Buslinie 64 woll erst 2023 verlängert werden.

Der Bachgraben bleibt vorerst Endstation: Die Buslinie 64 woll erst 2023 verlängert werden.

Nicole Nars-Zimmer
(29. Juni 2020)

Es war aus Allschwiler Sicht wohl der Aufreger der letzten Wochen: Die Buslinie 64 wird vorerst nicht vom boomenden Wirtschaftsgebiet Bachgraben an den Bahnhof St.Johann verlängert. Dies machte der Kanton Baselland am 17. September in einem auf seiner Website ziemlich versteckten Bericht zum Fahrplanverfahren 2022 bekannt (die bz berichtete mehrfach). Grund seien fehlende finanzielle Mittel seitens des Kantons Basel-Stadt, hiess es. Die jährlichen Kosten für den Betrieb der verlängerten Buslinie werden mit 165'000 Franken veranschlagt.

Landrat appelliert an Verlässlichkeit des Partnerkantons Basel-Stadt

Am Donnerstag entlud sich nun der Frust darüber im Baselbieter Landrat: In diesen Wochen würden im Bachgraben mehrere Firmen ihre neuen Gebäude beziehen, gab der Allschwiler CVP-Landrat Felix Keller zu bedenken. «Genau jetzt würde der Bus-Probebetrieb doch Sinn machen.» Keller appellierte an die Verlässlichkeit des Partnerkantons Basel-Stadt. Dieser ist letztlich verantwortlich dafür, dass der Ausbau der Buslinie auf Eis gelegt wird. Baudirektorin Esther Keller begründete dies gegenüber der bz mit der Coronapandemie und den noch immer geringeren Fahrgastzahlen. Sie kündigte aber gleichzeitig an, dass die Verlängerung ein Jahr später umgesetzt wird.

EVP-Landrat Werner Hotz, auch er ein Allschwiler, vermögen diese Antworten nicht zufriedenzustellen: Die Bevölkerung erwarte, dass Wort gehalten werde. Hotz:

«Auch die Arbeitgeber im Bachgraben haben darauf gebaut, dass die Busse nicht nur angekündigt werden, sondern dass sie auch fahren.»

Von einem Fehlentscheid sprach auch die Grüne Julia Kirchmayr-Gosteli, auch sie aus Allschwil: «Das ÖV-Angebot im Bachgraben ist hinterwäldlerisch.» Das Fahrgastpotenzial im Bachgraben freilich ist riesig: Bau- und Verkehrsdirektor Isaac Reber (Grüne) bezifferte dies auf Anfrage auf rund 20'000 Pendlerinnen und Pendler pro Tag – das entspricht in etwa dem Aufkommen der BLT-Tramlinie 10 im Gebiet Dorenbach.

Umso grösser der Ärger bei Kirchmayr-Gosteli: Seien die Pendler erst einmal daran gewöhnt, ins Auto zu steigen für die Fahrt in den Bachgraben, so werde es schwierig, diese zum Umsteigen zu bringen. Der Aescher SP-Landrat Jan Kirchmayr kritisierte schliesslich die Kommunikation des Kantons: Es sei schwach, dass die betroffene Gemeinde aus der Zeitung vom Ausbaustopp erfahre.

Reber: Spielregeln nicht einfach über Bord werfen

Regierungsrat Reber konnte den verärgerten Landräten keine bessere Kunde überbringen: Baselland könne hier nicht in die Bresche springen. Im Bachgraben-Deal zur Verkehrserschliessung sei vereinbart, dass Baselland den Zubringer Bachgraben baut. Umgekehrt ist die Stadt verantwortlich für die ÖV-Erschliessung: «Diesen Modus können wir nicht einfach so über Bord werfen», sagte Reber. Ohnehin befindet sich ein Grossteil der verlängerten Buslinie auf Basler Boden. Grenzüberschreitende ÖV-Linien könne man nicht unilateral planen, gab Reber zu bedenken. Soll doch bereits im Dezember 2021 ein Bus zwischen Bachgraben und Bahnhof St.Johann verkehren, so gibt es nur eine Möglichkeit: Dies mit einem Budgetpostulat im Basler Grossen Rat zu fordern.

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