Lehrplan 21
Baselbieter Politik stemmt sich gegen Sammelfächer

Die Einführung von Sammelfächern in Baselbieter Schule wird immer unwahrscheinlicher. Der Widerstand aus der Politik wächst. Am Schluss entscheidet wohl das Volk, ob an den Einzelfächern festgehalten wird.

Michael Nittnaus
Merken
Drucken
Teilen
Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Baselbieter Sekundarlehrer noch lange ausschliesslich Einzelfächer unterrichten.Keystone

Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Baselbieter Sekundarlehrer noch lange ausschliesslich Einzelfächer unterrichten.Keystone

KEYSTONE

Vernetztes Denken ist wichtig. Dass es etwa bei Physik, Chemie und Biologie starke Überschneidungen geben kann, ist unbestritten. Was liegt da näher, als in der Sekundarschule diese Einzelfächer zu einem zusammenzufassen? Die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) wollte mit dem Lehrplan 21 genau das einführen: Bei obengenannten drei Fächern hiesse das Sammelfach «Natur und Technik». Aber auch Geschichte und Geografie («Räume, Zeiten, Gesellschaft») sowie Wirtschaft und Hauswirtschaft («Wirtschaft, Arbeit, Haushalt») sollen zusammengefasst werden.

In Baselland wird dieser Wechsel aber immer unwahrscheinlicher. Die parlamentarische Initiative von Grünen-Landrat Jürg Wiedemann, die den Erhalt der Einzelfächer auf Gesetzesstufe festschreiben will, bahnt sich ihren Weg unaufhaltsam Richtung Urne. Nachdem im Oktober bereits der Landrat mit 56 zu 27 Stimmen die Initiative befürwortet hatte, schickt die Bildungs-, Kultur- und Sportkommission (BKSK) nun die entsprechende Vorlage in die Vernehmlassung. Auch die BKSK stimmt mit 9 zu 4 Stimmen klar gegen die Einführung der Sammelfächer. Da im Rat die SP bisher mehrheitlich zu ihrem Bildungsdirektor Urs Wüthrich und damit zu den neuen Sammelfächern hält, dürfte bei der abschliessenden Beratung das Vierfünftelmehr verpasst werden – und eine Volksabstimmung stünde an.

Lehrplan 21 erlaubt Einzelfächer

«Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, die SP zu überzeugen», sagt zwar Wiedemann. Aber vor einem Urnengang muss er sich eigentlich nicht fürchten. Zu deutlich sind die Vorbehalte gegen die Sammelfächer quer durch die Parteien – und unter den Lehrern. Dass Wüthrich den Initianten in der Landratsdebatte vorwarf, den Volksentscheid von 2010 zur Harmonisierung der Bildungslandschaft zu umgehen, bezeichnet Wiedemann trocken als «Blödsinn». Die Initiative setze bloss ein paar Leitplanken, ansonsten bleibe der Baselbieter Bildungsrat frei, über die Stufenlehrpläne und Stundentafeln zu beschliessen.

Auch glaubt Wiedemann nicht, dass sich Baselland durch den Verzicht auf Sammelfächer innerhalb der Nordwestschweiz isolieren würde, wie es die Bildungsdirektion erwartet. «Alle Kantone mit einem Langzeitgymnasium haben Einzelfächer und in Solothurn ist nun auch eine Initiative gegen die Sammelfächer geplant», sagt Wiedemann.

Laut einer Prüfung durch den Rechtsdienst des Regierungsrates schliessen zudem «weder Bundesrecht noch Harmos oder der Lehrplan 21 aus, welche Fächer in welchen Kombinationen unterrichtet werden». Es müssten lediglich die Unterrichtsziele und Bildungsstandards erreicht werden. Gerade seit der finalen Überarbeitung des Lehrplans 21 durch die D-EDK im November ist ausdrücklich erlaubt, auch weiter einzelfachlich getrennt zu unterrichten.

Die Mehrheit der Bildungskommission ist überzeugt, dass der Verbleib bei Einzelfächern sich auch finanziell rechnet, da Lehrmittel weiter verwendet und Weiterbildungen unnötig würden. Sie glaubt zudem, dass Sammelfächer letztlich zu Bildungsabbau führen, da die einzelnen fachlichen Kompetenzen der Lehrer weniger wichtig würden.