Theater Basel
Baselbieter Posse um den Sitz im Theater-Verwaltungsrat

Roxy-Leiter Christoph Meury bewirbt sich für den Verwaltungsrat des Theaters Basel – und erhält vom Baselbieter Kulturdirektor Urs Wüthrich eine merkwürdige Absage: Er verfüge nicht über die für das Amt notwendige Sozialkompetenz.

Susanna Petrin
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Christoph Meury (rechts) und Urs Wüthrich haben unterschiedliche Ansichten

Christoph Meury (rechts) und Urs Wüthrich haben unterschiedliche Ansichten

Junkov/Töngi

Es ist nicht üblich, sich für einen Sitz als Staatsdelegierter im Verwaltungsrat des Theaters Basel zu bewerben. Aber es ist auch nicht verboten. Als Christoph Meury, Leiter des Theaters Roxy in Birsfelden, erfuhr, dass ein Baselbieter Vertreter für die kommende Amtszeit ab 2012 gesucht wird, bewarb er sich unter anderen beim Baselbieter Kulturdirektor Urs Wüthrich für dieses Ehrenamt.

Warum auch nicht, sagte er sich, schliesslich ist er Baselbieter und kann insgesamt 25 Jahre Theatererfahrung vorweisen – «inhaltlich, organisatorisch, strukturell», sagt er. Ausserdem gibt Meury die Roxy-Leitung im Herbst ab; er wird also frei für Neues, genauso wie der Basler Regierungsrat Hanspeter Gass. Dessen Wunsch, einen Verwaltungsratssitz im Theater zu bekommen, hat die Basler Regierung Folge geleistet.

Die Sozialkompetenz stimme nicht

Urs Wüthrich (SP) sagte Christoph Meury (SP) dankend ab. Ohne dass dies überhaupt erforderlich gewesen wäre, begründete er sein Nein: «Für die von dir angestrebte Aufgabe kannst du jedoch nicht auf meine Unterstützung zählen, da ich immer wieder erfahren musste, dass aus meiner Sicht deine Sozialkompetenz nicht dem Anforderungsprofil eines VR-Mitglieds entspricht», teilte Wüthrich Meury am 18. November in einem E-Mail mit. Warum es ihm an Sozialkompetenz mangle, fragte Meury zurück. Wüthrichs Antwort: «Es geht in keiner Weise um ‹Hörensagen›, sondern ausschliesslich um ‹Selberlesen›, und zwar nur Originaltexte von dir und nicht über dich. Darauf stütze ich meine Haltung.»

Das Nein könne er akzeptieren, den Vorwurf der mangelnden Sozialkompetenz könne er als langjähriger Theaterleiter jedoch nicht auf sich sitzen lassen, sagt Meury der bz. Er geht davon aus, dass keineswegs sein Sozialverhalten, sondern seine spitze Feder gemeint sei. Meury schreibt seit vergangenem Frühling für diese Zeitung regelmässig eine Kolumne, in der er schon mehrmals die Baselbieter Kulturpolitik kritisiert hat. Das werde ihm vom Kulturdirektor übel genommen und nun als Absage-Begründung unter die Nase gerieben, schliesst Meury aus dem Mailwechsel mit Wüthrich.

In einem E-Mail, das er auch dem Baselbieter Kulturbeauftragten, Niggi Ullrich, geschickt hat, schreibt Christoph Meury: «Ich glaube, dass er (Wüthrich) nicht die vermeintliche Sozialkompetenz, sondern eher meine vermeintlich illoyale Haltung gegenüber der offiziellen Doktrin kritisiert. Das wiederum scheint mir aber eine sehr stark antidemokratische, intransparente und wenig kommunikative Haltung zu sein.» Wüthrich und Ullrich wirft er vor, überempfindlich und unkonstruktiv auf jegliche Kritik an ihrer Kulturpolitik zu reagieren.

«Schräge Situation», sagt Wüthrich

Regierungsrat Wüthrich, derzeit im Ausland, spricht von einer «schrägen Situation», die er nicht weiter kommentieren wolle. Nach einem kurzen Telefonat teilt er schriftlich mit: «Das erfolgreiche Wirken von Christoph Meury als Theatermacher und Theaterleiter verdient von mir Anerkennung und Dank. Weitergehende Stellungnahmen zu den aufgeworfenen Fragen gibt es von meiner Seite nicht. Der Regierungsrat wurde von mir über das laufende Verfahren zur Neubesetzung des BL-VR-Mandat orientiert. Eine öffentliche Kommunikation erfolgt nach dem Entscheid des Regierungsrates.»

Entscheid fällt im Dezember

Niggi Ullrich hält den Vorwurf, es steckten Ressentiments hinter der Ablehnung Meurys für «unbegründet». Meury entspreche lediglich nicht dem gesuchten Profil für das Verwaltungsratsmandat. Das letzte Wort hat die Gesamtregierung. Die jetzige Baselbieter Interessensvertreterin im Theater-Verwaltungsrat ist Alt Regierungsrätin Elsbeth Schneider.

Voraussichtlich werden am 7. Dezember sämtliche neun Verwaltungsrats-Kandidatinnen und -Kandidaten bekannt gegeben. Basel-Stadt hat die eigenen vier Delegierten bereits gewählt. Die Genossenschaft wird im Januar über ihre vier Vertreter abstimmen. Und das Baselbiet sucht den seinen noch.