Sparpaket
Baselbieter Regierung lässt sich das Sparen etwas kosten

Bis heute hat die Baselbieter Regierung dazu geschwiegen. Sie hat für die Planung des Sparpakets Unterstützung einem Berater-Unternehmen geholt. Die Wahl fiel auf Boston Consulting. Der Arbeit für das Entlastungspaket kostet 750000 Franken.

Aline Wanner
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Holte sich teure externe Hilfe: Finanzdirektor Ballmer.

Holte sich teure externe Hilfe: Finanzdirektor Ballmer.

Kenneth Nars

Stets betonte die Baselbieter Regierung, dass die Verwaltung gemeinsam mit einem Think Tank, bestehend aus sechs Landräten unterschiedlicher Fraktionen, das Sparpaket ausgearbeitet habe. Was Finanzdirektor Adrian Ballmer (FDP) gegenüber der Öffentlichkeit bisher nie ausführte: Die Regierung entschied sich, für die Planung des Sparpaketes Unterstützung des amerikanischen Unternehmensberatungs-Riesen Boston Consulting mit Niederlassungen in Genf und Zürich in Anspruch zu nehmen. Und diese Hilfe ist nicht gratis: In einem ersten Schritt informierte die Regierung die Finanzkommission darüber, dass sie eine halbe Million Franken dafür benötigt. Doch dieser Betrag reichte nicht aus. Später mussten weitere 250000 Franken her. Mitglieder der Finanzkommission und des Think Tanks bestätigen entsprechende Informationen des «Sonntags».

Michael Bammatter, Generalsekretär der Finanz- und Kirchendirektion, nimmt zu den Kosten des Auftrages keine Stellung. Er verweist lediglich auf die Gesetzesbestimmung, aufgrund derer das Geschäft finanziert wurde. Es handelt sich um einen Nachtragskredit, der nicht eingeholt werden musste aufgrund «zeitlicher Dringlichkeit». Bammatter macht zudem auf eine Fragestunde des Landrates vom vergangenen September aufmerksam, als SVP-Landrat Georges Thüring den Finanzdirektor nach den Kosten fragte, die diese Entlastungsübung bisher verursacht hätten. Ballmers Antwort fiel knapp aus: Die internen Kosten würden sich nicht beziffern lassen. Und in der Schlussphase, als es darum gegangen sei, den Entscheidungsprozess zu strukturieren und die Massnahmen zu definieren, sei die Verwaltung von einer externen Beratungsfirma unterstützt worden. Die Kosten dafür würden sich im sechsstelligen Bereich bewegen. Die Unterstützung sei unerlässlich und sehr wertvoll gewesen.

Mehrere Think-Tank-Mitglieder sind allerdings anderer Meinung als Ballmer. Sie haben grosse Zweifel daran, wie unerlässlich der Einsatz der Unternehmensberater tatsächlich war. SVP-Landrat Karl Willimann äussert Vorbehalte gegenüber der Arbeit von Boston Consulting im Zusammenhang mit dem Entlastungspaket. «Die Resultate schienen mir nicht besonders ergiebig», sagt Willimann. Er bezweifle, ob die Beratung tatsächlich einen solchen Betrag wert gewesen sei. Ähnlich klingt es vonseiten des SP-Landrates Ruedi Brassel. Brassel war Mitglied des Think Tanks und gehört auch der Finanzkommission an. Es habe sehr kritische Stimmen zu diesem Auftrag gegeben, sagt er. «Die Präsentationen von Boston Consulting waren spärlich. Es ist fraglich, ob diese Beratung so viel Geld wert war.» CVP-Mann Franz Meyer betont zwar: «Die Beratung von Boston Consulting war wichtig, um Vergleichswerte aus anderen Kantonen zu haben.» Er fügt aber an: «Die Honorare der Berater sind fürstlich.» Und auch der grüne Think-Tank-Präsident Klaus Kirchmayr, der die Arbeit der Unternehmensberater zwar als «gut» einstuft, schiebt nach: «Über das Preisschild lässt sich streiten.»

Hans-Jürgen Ringgenberg, SVP-Landrat und Vizepräsident der Finanzkommission, hat ebenfalls Zweifel bezüglich des Einsatzes der Unternehmensberater. «In der Finanzkommission gab es Nebengeräusche, man hat sich schon gefragt, ob dieser Betrag unbedingt nötig ist», sagt Ringgenberg zum «Sonntag». Eine externe Beratung könne zwar sinnvoll sein, ob das bei der Planung des Entlastungspaketes auch der Fall gewesen sei, lasse sich derzeit für ihn allerdings schlecht beurteilen. Die Kommission erwarte vom Regierungsrat unbedingt noch eine Erklärung dazu.