Bahnverkehr
Baselbieter Regierung möchte sparen – und beisst sich am Läufelfingerli die Zähne aus

Die Baselbieter Regierung will erneut die S9 aufheben. Die Chancen stehen gut, dass dies nicht gelingt.

Dimitri Hofer
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Mit dem Läufelfingerli pendeln viele Berufstätige aus dem Homburgertal nach Olten.

Mit dem Läufelfingerli pendeln viele Berufstätige aus dem Homburgertal nach Olten.

Juri Junkov

Das Läufelfingerli, der historische Regionalzug von Sissach über den Hauenstein nach Olten, rentiert nicht. Der Kostendeckungsgrad ist dermassen niedrig, dass die Baselbieter Regierung mehrmals versucht hat, die Linie stillzulegen. Zuletzt sprach sich der Landrat im Jahr 2006 gegen eine Aufhebung der S9 aus.

In wenigen Wochen befasst sich das Parlament erneut mit dem Läufelfingerli. Im Rahmen des achten Generellen Leistungsauftrags für den öffentlichen Verkehr will die Regierung den schwach frequentierten Zug einstellen. Künftig sollen Busse verkehren, die doppelt so lange wie die Bahn unterwegs wären. Der finanzschwache Kanton Baselland könnte durch die Umstellung pro Jahr rund 840 000 Franken einsparen.

Komitee mit vielen Landräten

Als die Sparpläne präsentiert wurden, sah es so aus, dass dieses Mal die S9 tatsächlich über die Klinge springen müsse. Aktuell lässt sich jedoch ein Stimmungsumschwung für das Läufelfingerli feststellen. Einem kürzlich gegründeten Baselbieter Komitee für den Erhalt des Regionalzugs gehören bereits mehr als ein Viertel aller Landrätinnen und Landräte an. Neben zahlreichen Politikern aus dem linken Lager befinden sich in der Vereinigung auch erstaunlich viele SVP-Parlamentarier. Einem davon, dem Bucktner Gemeindepräsidenten Peter Riebli, geht es bei seinem Engagement für den Zug um Grundsätzliches: «Es stellt sich die Frage, wie viel dem Kanton Baselland die Verkehrserschliessung von Randregionen wert ist.» Zwar seien gewisse Ausdünnungen beim Läufelfingerli möglich, eine Aufhebung jedoch für die Pendler aus dem Homburgertal inakzeptabel.

Für Jürg Degen, ehemaliger SP-Landrat und Kopf des Komitees, ist klar, dass die S9 in ihrer jetzigen Form wahrscheinlich nicht aufrechterhalten werden kann. «Zu Randzeiten oder während den Abendstunden lässt sich durchaus über eine Reduktion der Kurse sprechen. Wir sind offen für eine Kombination von Bahn und Bus.» Eine völlige Stilllegung des Läufelfingerli mache aber keinen Sinn, da die SBB die alte Hauensteinlinie sowieso als Ausweichstrecke in Schuss halten müsse. Zudem werde eine direkte Verbindung der Linie nach Basel derzeit vom Bundesamt für Verkehr geprüft.

Bevor die Vorlage ins Baselbieter Parlament kommt, wird sie derzeit von der landrätlichen Bau- und Planungskommission behandelt. Kommissionspräsident Hannes Schweizer erklärt, dass die Kommission kürzlich die verschiedenen Interessengruppen angehört habe. Der Oberdörfer SP-Landrat betont, dass es ihm und seinen Kollegen ein Anliegen sei, «eine Lösung zu finden, um den Bedürfnissen möglichst vieler öV-Nutzer im Homburgertal gerecht zu werden». Die Kommission werde die drei Varianten Bahn, Bus sowie eine Kombination der Transportmittel eingehend prüfen.

Finaler Entscheid in Solothurn

Sollte sich der Landrat anschliessend für eine Umstellung von Bahn- auf Busbetrieb entscheiden, heisst das noch lange nicht, dass sie auch umgesetzt wird. Da ein kurzer Teil der Strecke der S9 auf Solothurner Boden liegt, hat der Nachbarkanton ein Mitspracherecht. Erst im Sommer machte dieser der Baselbieter Regierung bei ihren Sparplänen beim Läufelfingerli einen Strich durch die Rechnung. Damals sprach sich Solothurn gegen eine Umstellung der letzten drei Kurspaare des Zugs am Abend auf Busbetrieb aus. Baselland hätte zwar jährlich 90 000 Franken einsparen können, Solothurn aber 110 000 Franken drauflegen müssen.

Auch im Solothurner Kantonsrat, der voraussichtlich erst im Frühjahr 2019 den Entscheid über das Läufelfingerli fällt, finden sich viele Sympathisanten des Regionalzugs. Noch vor dem Kanton Baselland entstand im Nachbarkanton ein Komitee für die S9, dem momentan 30 Kantonsräte aller Parteien angehören. Tendenz wie im Baselbiet steigend.