Baselbieter Strafgericht
Kita-Paar erwähnte den Unfall nicht: Vier Monate alter Junge stürzte mit Hängematte einen Meter nach unten

Ehemalige Allschwiler Kita-Betreiber wurden vor dem Strafgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. Der Junge erlitt beim Sturz einen Schädelbruch. Das Paar rief nach dem Sturz weder einen Arzt, noch sagten sie dem Vater etwas von dem Unfall.

Patrick Rudin
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Beim Fall in der Hängematte auf den Boden erlitt das Baby einen Schädelbruch (Symbolbild).

Beim Fall in der Hängematte auf den Boden erlitt das Baby einen Schädelbruch (Symbolbild).

Archiv bz

«Ich wollte das Beste für die Kinder, und es tut mir weh, dass das passiert ist. Das ist eine Schuld, die man sein Leben lang mit sich trägt», sagte die 46-jährige Frau am Dienstag in Muttenz im Gerichtssaal. Auch ihr Expartner zeigte sich zerknirscht: «Ich werde mir das nie verzeihen», so der 50-Jährige.

Dübel lösten sich aus der Deckenverankerung

Das Paar hatte bis vor einem Jahr in Allschwil eine kleine Kindertagesstätte betrieben und unter der Woche jeweils zwei bis fünf Kleinkinder gleichzeitig betreut. So befand sich im März 2019 auch ein vier Monate alter Knabe in der Obhut des Paares, der 50-Jährige schnallte das Kind in einer Babyhängematte fest und gab ihm den Nuggi. Doch in diesem Moment lösten sich die Dübel aus der Deckenverankerung, die Hängematte mitsamt dem Kind stürzte aus 114 Zentimetern Höhe auf den Boden.

Wie sich später herausstellte, erlitt der Säugling dabei einen Schädelbruch. Das Paar rief allerdings keinen Arzt und sagte auch nichts, als der Vater das Kind am Nachmittag abholte.

«Er hat sich auf meinem Arm beruhigt. Ich habe ihn dann ausgezogen und untersucht, aber nichts festgestellt. Das war dann leider ein Fehlentscheid»,

verteidigte sich die 46-Jährige am Dienstag.

Aufgehängt hatte die Hängematte der Mann, dabei allerdings statt der vorgeschriebenen 12er-Dübel bloss schwächere 6er-Dübel verwendet. Vor allem aber schrieb der Hersteller eine Maximalhöhe von 40 Zentimetern vor. «Das war mir nicht bewusst. Ich habe schon in anderen Kindertagesstätten beobachtet, wie die Hängematten auf etwa einem Meter Höhe über dem Boden montiert wurden und so auf der Höhe der sitzenden Betreuungsperson waren», sagte der 50-Jährige.

Kopfverletzungen potenziell lebensgefährlich

Die Eltern des Kindes bemerkten später eine Schwellung am Kopf, am nächsten Tag brachten sie ihn ins Spital. Dort wurde der Schädelbruch diagnostiziert.

«Es war einzig dem Glück zu verdanken, dass das Kind wohl keine langfristigen Schäden davontragen wird»,

kritisierte Opfervertreterin Elisa Steiger. Auch auf Nachfrage der Eltern hin hätten sie nichts von dem Unfall gesagt, obwohl solche Verletzungen am Kopf potenziell lebensbedrohlich seien. Sie verlangte eine Genugtuung von 7'500 Franken. «Ich weiss nicht, ob Geld da etwas gutmachen kann», meinte der 50-Jährige dazu.

Einzelrichter Beat Schmidli kürzte die Summe und sprach eine Genugtuung von 2'000 Franken zu, das inzwischen getrennte Paar haftet solidarisch für diese Summe. Schmidli betonte, angesichts der Tatsache, dass das Kind lediglich zur Beobachtung im Spital bleiben musste, wäre der Betrag von 7'500 Franken nicht angemessen.

Der Verurteilte hat auch geklaut

Ansonsten verurteilte er die zwei Angeklagten nebst fahrlässiger Körperverletzung auch wegen Aussetzung. Bei diesem eher selten angewandten Tatbestand geht es darum, dass jemand eine hilflose und unter seiner Obhut stehende Person in einer unmittelbaren Gefahr für die Gesundheit im Stich lässt. Das Strafmass setzte der Einzelrichter für beide auf zehn Monate bedingt fest.

Beim 50-Jährigen kam noch eine Busse von 400 Franken wegen geringfügigen Diebstahls hinzu. Er hatte im Juli 2020 im Migros für rund 100 Franken Kinderbücher und Rasierklingen gestohlen.

«Ich hatte ein Durcheinander im Kopf, das war einfach unüberlegtes Handeln»,

sagte er dazu. Beide sind heute nicht mehr in der Kinderbetreuung tätig. Den Schuldspruch können sie noch weiterziehen.