Baselbieter Strafgericht
Handwerker vor Strafgericht, weil er Mehl zum Schweissen von Trinkwasserleitungen brauchte

Fast hätte ein Handwerker eine happige Strafe wegen einer unkonventionellen Schweissmethode bezahlen müssen.

Patrick Rudin
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Beim Schweissen von Rohrleitungen brauchte der angeklagte Handwerker Mehl.

Beim Schweissen von Rohrleitungen brauchte der angeklagte Handwerker Mehl.

Symbolbild

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass man mit einem Grundnahrungsmittel so ein Verbrechen begehen kann, wie mir hier unterstellt wird», grummelte der 53-jährige Handwerker gestern in Muttenz im Strafgericht. Sein Missmut war für Aussenstehende zumindest nachvollziehbar.

Im Juli 2019 war der Rohrleitungsbauer an der Baustelle Bruckackerstrasse in Liestal im Einsatz, um Rohre zusammenzuschweissen.

«Dabei darf kein Wasser laufen, kein Tropfen»,

betonte er. Deshalb habe er etwas Mehl genommen, um die Schweissstelle absolut trocken zu halten. «Wenn der Brunnmeister die Leitung danach richtig spült, ist das kein Problem», betonte er vor Gericht. Die Wasserproben zeigten allerdings hinterher durchaus ein Problem: aerobe mesophile Keime, Escherichia coli, Enterokokken und coliforme Keime. Was im Abwasser Alltag ist, hätte in Trinkwasserleitungen eigentlich nichts zu suchen.

Die Staatsanwaltschaft stellte sich auf den Standpunkt, dass die Verwendung des Mehls nicht aktueller Stand der Technik und der Mann deshalb wegen vorsätzlicher Verunreinigung des Trinkwassers zu bestrafen sei. Sie stellte einen Strafbefehl mit einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu 140 Franken aus, dagegen erhob der Mann Einsprache.

Verfahrensfehler der Staatsanwaltschaft

Einzelrichterin Barbara Grange fragte den Mann am Dienstag, was denn bei feuchten Rohren die Alternative zu Mehl wäre.

«Man wartet, bis es trocknet. Aber dann wartete man lang»,

so der 53-jährige Profi. In Liestal habe das Problem aber darin bestanden, dass die Schieber nicht vollständig dicht gewesen seien, deshalb sei Wasser durchgetropft. Er habe den Brunnmeister darauf aufmerksam gemacht, denn dieser habe die Schieber bedient.

«Diese Schieber sind teilweise 80 oder 90 Jahre alt. Wenn ich den selber bediene, dann zahlt meine Firma oder ich, wenn er kaputtgeht.»

Er sei davon ausgegangen, dass der Brunnmeister die Spülung der Leitung übernehmen werde. Richterin Grange merkte allerdings an, im Werkvertrag stehe, dass die ausführende Firma das Entlüften und Desinfizieren aller neu erstellten Leitungen übernehme, inklusive Wasserproben. Der 53-Jährige meinte dazu, den Werkvertrag habe er gar nicht gekannt.

Verteidiger Roman Zeller argumentierte, der Auftraggeber habe hier die Proben selber genommen und dann die Leitungen einfach in Betrieb genommen, ohne die Ergebnisse abzuwarten.

«Mein Mandant ist davon ausgegangen, dass das Mehl draussen ist, wenn man spült. Mehl ist zwar ein guter Nährboden, aber es passiert nichts, wenn man ordentlich spült.»

Das Eigenverschulden der Stadt Liestal übersteige klar ein allfälliges Verschulden seines Mandanten, daher verlangte er Freisprüche. Auch Fahrlässigkeit sei nicht gegeben.

Fahrlässig gehandelt, aber straflos

Einzelrichterin Barbara Grange entschied dagegen, der Mann sei durchaus wegen Fahrlässigkeit schuldig zu sprechen: Er hätte wissen müssen, dass Mehl in der Wasserleitung problematisch ist, und er hätte den Brunnmeister auch klar auf die Verwendung des Mehls aufmerksam machen müssen. Eine Strafe gibt es allerdings nicht: Auch andere Personen hätten ihren Teil zum Problem beigetragen, und die Wasserverschmutzung mit Bakterien habe sich im unteren Bereich bewegt.

Wegen Verfahrensfehler der Staatsanwaltschaft erliess das Gericht dem Mann auch Verfahrenskosten von knapp 4000 Franken und die Gerichtsgebühr von 1500 Franken. Die Kosten seines Verteidigers muss er allerdings selber tragen. Den Schuldspruch kann er noch weiterziehen.

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