Vorstoss
Baselbieter SVPler macht Pro Natura sauer

Die Naturschutzorganisation Pro Natura wirft Landrat Hansruedi Wirz «böse Unterstellung» vor. Dieser ist nämlich gegen die staatlich finanzierte Bekämpfung von Neophyten.

Simon Tschopp
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Neophyten – hier Drüsiges Springkraut – können nicht nur in der Natur für Verstimmungen sorgen.ZVG

Neophyten – hier Drüsiges Springkraut – können nicht nur in der Natur für Verstimmungen sorgen.ZVG

Urs Chrétien, der Geschäftsführer von Pro Natura Baselland, ist sauer – auf eine Interpellation von SVP-Landrat Hansruedi Wirz. Dieser will von der Regierung wissen, wie Kantonsaufträge an Pro Natura und weitere Natur- und Umweltschutzorganisationen vergeben werden.

Wirz schreibt: Für das Budget 2017 sei unter anderem ein Budgetpostulat zur Erhöhung der kantonalen Ausgaben für die Neophytenbekämpfung eingereicht worden, dies unter anderem mit dem Ziel, in diesem Bereich tätige Natur- und Umweltschutzorganisationen zu begünstigen.

«Ein Telefon hätte gereicht»

«Das ist eine böse, happige Unterstellung», spricht Chrétien Klartext. Ohne Fakten werde behauptet, Pro Natura würde mit politischen Vorstössen in die eigene Tasche wirtschaften. «Das wird seit zwei Jahren ständig erzählt und stimmt einfach nicht.» Dagegen müssten sie sich wehren und dies richtigstellen. Korrekt ist: Pro Natura Baselland erhält zur Bekämpfung von Neophyten – dies sind Pflanzen, die sich in Gebieten ansiedeln, in denen sie zuvor nicht heimisch gewesen sind – vom Kanton weder Geld noch Aufträge.

In einer Medienmitteilung der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) vom Dezember 2015 steht jedoch, dass an Pro Natura Geld überwiesen worden sei. Wofür, ist aber nicht explizit erwähnt. Auch hat laut Urs Chrétien die Regierungsrätin Sabine Pegoraro ihr Versprechen, die offensichtlich falschen Aussagen ihrer Verwaltung auf eine entsprechende Frage im Landrat im Januar 2015 zu korrigieren, bisher nicht eingehalten.

Der Pro-Natura-Geschäftsführer vermutet, dass Hansruedi Wirz in seiner Interpellation Naturschutzorganisationen mit Sozialfirmen verwechselt. Möglicherweise auch wegen unpräziser BUD-Informationen. «Ein Telefon hätte gereicht, um genaue Angaben zu erhalten», meint Chrétien an die Adresse von Wirz.

Mit dessen Vorstoss werde die Verwaltung beansprucht, um Sachen herauszufinden, die in ihrer Jahresrechnung transparent ausgewiesen seien. Pro Natura Baselland hat vom Kanton zwei Leistungsaufträge: Biberfachstelle und Tagfalterschutz.

Wirz erstaunt über Reaktion

SVP-Landrat Hansruedi Wirz ist erstaunt über die Reaktion von Pro Natura Baselland und dass seine Interpellation derart Staub aufwirbelt. «Ich habe ja nur Fragen gestellt, wie die Gelder vergeben werden.» Durch die Antworten der Regierung könne Pro Natura nur gewinnen, wenn sie zugunsten der Organisation ausfielen.

Wirz wurde nach der Eingabe seines Vorstosses von Mirjam Würth, SP-Landrätin und Präsidentin von Pro Natura Baselland, darauf aufmerksam gemacht, dass er Sozialfirmen und Umweltschutzverbände in einen Topf geworfen habe.

Dass sich Pro Natura wegen seiner Interpellation betupft fühlt, berührt Hansruedi Wirz nicht sonderlich. Der Reigoldswiler Obstbauer hat derzeit grössere Sorgen, rund um die Frostschäden der letzten zehn Tage.