«Innovage»
Baselbieter Verein sucht Patenschaften für junge Flüchtlinge

Der Verein Innovage sucht Patenschaften für unbegleitete minderjährige Asylsuchende. Als Pate sollte man in der Region leben und mit Sprache und Kultur vertraut sein, die Schweizer Staatsbürgerschaft ist jedoch nicht zwingend nötig.

Simon Tschopp
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Unbegleitete minderjährige Asylsuchende haben besondere Bedürfnisse. Als Patin oder Pate kann man auf diese besser eingehen, als zum Beispiel der Kanton.

Unbegleitete minderjährige Asylsuchende haben besondere Bedürfnisse. Als Patin oder Pate kann man auf diese besser eingehen, als zum Beispiel der Kanton.

KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

«Jetzt muss etwas Konkretes laufen für junge Asylsuchende», sagte sich Catherine Dessemontet. Die im Verein Innovage engagierte Binninger Ärztin schloss sich mit einigen Kolleginnen und Kollegen zusammen, um ein gemeinnütziges Projekt zur Förderung der Integration von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden (UMA) zu entwickeln. Dazu werden geeignete Patinnen und Paten gesucht. UMA seien eine «ausserordentliche Menschengruppe im Asylwesen», erklärt Dessemontet.

Das Projekt ist langfristig ausgelegt. Die Gruppe arbeitet gemeinsam mit drei von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde beauftragten Beiständinnen vom Kompetenzzentrum für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (KUMA) und wird vom Internationalen Sozialdienst unterstützt.

Die bz lancierte zusammen mit der kirchlichen Fachstelle katholisch bl.bs Ende August ein Flüchtlingsprojekt. Auf dieser interaktiven Karte sind nicht kommerzielle Integrationsprojekte zusammengefasst. Auf einen Blick ist zu sehen, wo überall in der Region Basel Angebote für Flüchtlinge bestehen. Bis heute sind 71 Projekte zusammengekommen – von Privaten, Vereinen, Kirchen, vom Staat und sonstige.

Für wie viele UMA, die sich derzeit in Baselland und Basel-Stadt aufhalten, Patenschaften gesucht werden, kann Catherine Dessemontet nicht sagen: «Sie tröpfeln laufend rein, die Anfragen gelangen bis jetzt vor allem über KUMA an uns.» Derzeit werden in Baselland 44 UMA von diesen Beiständinnen begleitet. Zusätzlich verfügt jeder UMA über eine Bezugsperson, die aber oft zu wenig Zeit für ihre multiplen Aufgaben aufbringen kann. Diese Lücke soll durch Patinnen und Paten gefüllt werden.

Diese müssen einige Kriterien erfüllen. Dessemontet zählt auf: Potenzielle Patinnen und Paten sollten in der Region leben und mit unserer Sprache und unserer Kultur vertraut sein. Die Schweizer Staatsbürgerschaft sei nicht zwingend. «Gefragt sind Offenheit sowie ein Herz und offenes Ohr für Flüchtlinge. Auch müssen sie fähig sein, mit Konflikten umzugehen», betont die Binningerin. Nicht zuletzt sei ein gesunder Menschenverstand erforderlich. Das Mindestalter sieht sie zwischen 25 und 30 Jahre.

Ein derartiges Engagement soll längere Zeit dauern, mindestens sechs Monate bis ein Jahr. Die Patenschaft umfasst verschiedene Aufgaben. «Die Personen sollten wöchentlich ein paar Stunden mit den UMA verbringen können, zum Beispiel einen freien Nachmittag», schwebt Catherine Dessemontet vor. Die Gestaltung dieser gemeinsamen Zeit ist ihnen freigestellt. Der Schweizer Alltag wird nähergebracht, das gegenseitige Verständnis gefördert, Unterstützung bei auftretenden Problemen geboten. Die Patinnen und Paten werden von «Innovage» auf die Patenschaft vorbereitet und während dieser fachlich begleitet.

Die UMA sind zwischen 14 und 18 Jahre alt und ohne Eltern, Familie oder Verwandte in die Schweiz geflüchtet. Die grossmehrheitlich jungen Männer stammen primär aus Afghanistan, Eritrea und Syrien. Wegen einer Verschärfung der Flüchtlingspolitik würden Eritreer vermehrt abgewiesen oder in ihr Heimatland zurückgeschickt, empört sich Dessemontet.

Innovage rekrutiert zurzeit Patinnen und Paten über verschiedene Kanäle. Für Interessierte werden Informationsabende veranstaltet. Informationen dazu erhalten Sie via E-Mail-Adresse cat.dessemontet@bluewin.ch