Salina Raurica
Baselbieter Volk wird über Rheinstrassen-Verlegung abstimmen

Der TCS beider Basel ergreift das Referendum gegen die vom Landrat beschlossene, 71 Millionen Franken teure Verlegung der Rheinstrasse in Salina Raurica. Der Autoverband befürchtet neue Staus, sollte die Strasse so wie geplant gebaut werden.

Hans-Martin Jermann
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Die Rheinstrasse soll dereinst im Gebiet Salina-Raurica parallel zur Autobahn A2 (im Foto hinter den Bäumen) verlaufen.

Die Rheinstrasse soll dereinst im Gebiet Salina-Raurica parallel zur Autobahn A2 (im Foto hinter den Bäumen) verlaufen.

Kenneth Nars

Über die 71 Millionen Franken teure Verlegung der Rheinstrasse zwischen Pratteln und Augst wird wohl das Baselbieter Volk abstimmen: Der Vorstand des TCS beider Basel hat an seiner Sitzung vom Dienstagabend einstimmig beschlossen, das Referendum gegen den Landratsentscheid zu unterstützen, wie TCS-Geschäftsführer Lukas Ott bestätigt. Der TCS steht nun in Verhandlungen mit weiteren Verbänden und Organisationen, unter anderem dem ACS beider Basel. Die Wirtschaftskammer Baselland wird das Referendum ebenfalls unterstützen, informiert Wirtschaftskammer-Direktor und FDP-Landrat Christoph Buser auf Anfrage. Dass der TCS, die Wirtschaftskammer und weitere Verbündete die nötigen 1500 Unterschriften für das Referendum zusammen bringen, ist so gut wie sicher.

Heutige Strasse zerschneidet Salina Raurica

Der Baselbieter Landrat genehmigte an seiner Sitzung vom 18. Mai einen Kredit von 57,7 Millionen Franken zur Verlegung der heutigen Rheinstrasse an die Autobahn A2. Bereits knapp 14 Millionen wurden bereits früher für Projektierung und Landkauf bewilligt. Durch die Strassenverlegung soll in Salina Raurica Platz frei werden für hochwertige Wohn- oder Wirtschaftsnutzungen, die Strasse zerschneidet heute das Planungsgebiet.

Die Referendumsführer sind nicht gegen die Verlegung an sich, wie sie betonen. Die neue Strasse führe aber - auch wegen drei neuer Kreisel - zu neuen Engpässen. "Im Bereich des geplanten Frenkendörferkreisels ist der Stau programmiert", sagt Ott. Dort kommt die neue Strasse mit der heutigen Frenkendörferstrasse zusammen, die den Dorfkern von Augst mit der Autobahn und dem Raum Liestal verbindet. Laut Ott könne die künftige Situation dazu führen, dass sich Fahrzeuge vor diesem Kreisel bis zurück auf die Autobahn A2 stauen.

Doppelstöckiger Kreisel gefordert

Solange im Raum Pratteln-Augst nicht anderweitig genügend Kapazitäten vorhanden seien, könne der TCS dem Rückbau der heutigen Rheinstrasse nicht zustimmen. Ott betont aber auch, dass gute Lösungen eigentlich vorhanden wären. So könnte der Frenkendörferkreisel ähnlich wie der Hülftenkreisel auf zwei Ebenen gebaut werden. Dies würde 15 bis 20 Millionen Franken mehr kosten. Der TCS hält diesen Zusatzbetrag nicht für unverhältnismässig: "Es wäre im Gegenteil unverhältnismässig, wenn der Kanton für weit über 100 Millionen Franken eine neue Tramverbindung ins Gebiet Salina Raurica plant, aber nicht bereit wäre, hier 15 bis 20 Millionen mehr in die Hand zu nehmen, um ein grosses Problem zu lösen." Daneben fordert der TCS, flankierend die Umfahrung Augst zu realisieren, damit Richtung Kaiseraugst nicht neue Engpässe entstehen. "Wenn für diese Probleme Lösungen da sind, dann können wir über den Rückbau der heutigen Rheinstrasse reden", stellt Ott klar.

Im Landrat wurde der Baukredit für die Verlegung der Rheinstrasse im Mai mit grossem Mehr gutgeheissen. Ablehnung kam damals lediglich von der FDP, die mit ihrer überraschenden Opposition die anderen Parteien auf dem falschen Fuss erwischte. Damals votierten auch viele Bürgerliche von SVP und CVP für das Projekt. Dies, um die angestossene Entwicklung im wirtschaftlich bedeutendsten Planungsgebiet des Kantons nicht zu blockieren. In einem Abstimmungskampf über die neue Strasse dürften die Fronten dann aber anders verlaufen. Gut möglich, dass das Referendum im bürgerlichen Lager breite Unterstützung findet.