Verwaltungsrat
Baselbieter wollen beim Euro-Airport mehr mitreden

Acht Sitze werden im Verwaltungsrat des Euro-Airports durch die Schweiz gestellt. Zwei delegiert der Bund, vier der Kanton Basel-Stadt und zwei der Kanton Baselland. Das möchten zwei Allschwiler Landräte ändern.

Julia Gohl
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Basel-Stadt hat viel mehr Geld in die Infrastruktur am Euro-Airport investiert als Baselland. So rechtfertigt man in der Stadt die Vormacht im EAP-Verwaltungsrat.

Basel-Stadt hat viel mehr Geld in die Infrastruktur am Euro-Airport investiert als Baselland. So rechtfertigt man in der Stadt die Vormacht im EAP-Verwaltungsrat.

zvg

Baselland soll künftig durch drei statt zwei Sitze im Verwaltungsrat des Euro-Airports (EAP) vertreten sein. Das fordern die Allschwiler Landräte Werner Hotz (EVP) und Andreas Bammatter (SP). Sie haben im Parlament eine entsprechende Motion eingereicht.

Frankreich und die Schweiz stellen je acht Mitglieder im 16-köpfigen Verwaltungsrat. Auf Schweizer Seite werden zwei vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) bestimmt. Für die verbleibenden Sitze stellt Basel-Stadt vier Delegierte, der Kanton Baselland hingen nur zwei. «Fakt ist, dass das Verhältnis zwei zu vier in den Gründungsjahren und den nachfolgenden Jahrzehnten in Bezug auf die Bevölkerung gestimmt hat, spätestens seit den 80er-Jahren die Baselbieter Bevölkerung jedoch in deutlicher Überzahl steht», schreibt Hotz in seiner Motion. Und weiter: «Diesem Umstand muss nun im Verwaltungsrat Rechnung getragen werden, indem Basel-Stadt und Baselland je drei Vertreter zugestanden werden sollen.»

Gegenüber der bz führt Hotz aus, dass Basel-Stadt in Sachen Flughafen auf finanzieller Seite stark engagiert sei. «Aber im Baselbiet ist die Betroffenheit durch Fluglärm viel grösser», betont der EVP-Landrat. «Und dieser Betroffenheit der Bevölkerung und der Umwelt soll im Verwaltungsrat stärker Rechnung getragen werden.» Bisher sei der Blickwinkel des Verwaltungsrats vor allem ein wirtschaftlicher gewesen. «Diesen braucht es, keine Frage, aber die Anliegen der Bevölkerung müssen auch Eingang finden.»

«Anliegen sind vertreten»

Dass diese Anliegen bisher nicht vertreten sein sollen, bezweifelt Claus Wepler, Generalsekretär des Basler Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU). «Im Neubad und im Westen von Basel leben sicher genauso viele Menschen wie in Allschwil und Binningen», sagt Wepler, dessen Chef Christoph Brutschin einen der baselstädtischen Verwaltungsratssitze innehat. «Ausserdem sind die Delegierten von Basel-Stadt bemüht, die Anliegen aller Bewohnerinnen und Bewohner in der Agglomeration südlich des Flughafens zu vertreten», fährt Wepler fort.

Zur Motion von Hotz und Bammatter möchte sich Wepler nicht weiter äussern. Erst einmal müsse sich nun die Baselbieter Regierung damit befassen. Die Verteilung vier zu zwei aber kommentiert er. Sie sei historisch gewachsen und durchaus zu rechtfertigen: «Basel-Stadt hat, seit es den Euro-Airport gibt, immer wieder Kredite zugunsten des Flughafens gesprochen. Baselland hat dies nur einmal getan.» Grob überschlagen habe Basel-Stadt gut sechsmal so viel beigesteuert wie Baselland. «Ausserdem tragen wir das Risiko, falls dem Euro-Airport ein Defizit entsteht. Das Baselbiet hat keine solche Defizitgarantie übernommen.»

Verständnis gehört dazu

Neben Brutschin wird der Kanton Basel-Stadt durch Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann sowie Thomas Knopf, CEO der Ultra-Brag AG, und Thomas Sieber, Konzernleitungsmitglied der Bâloise-Gruppe, vertreten. Für das Baselbiet sassen bis vor kurzem BLT-Direktor Andreas Büttiker und Regierungsrätin Sabine Pegoraro. Letztere gab ihr Amt jedoch mangels Zeit Mitte Jahr an den Baselbieter Wirtschaftsförderer Thomas Kübler ab.

Ende Jahr wird auch Büttiker zurücktreten. Noch ist nicht bekannt, wer ihn ersetzen wird. Gemäss der Antwort des Regierungsrats auf eine Interpellation der Binningen Landrätin Rahel Bänziger Keel (Grüne) gehöre zum Anforderungsprofil neben «Fachkompetenz im Bereich Aviatik oder Transportlogistik und Erfahrung in der finanziellen Führung sowie im Risikomanagement eines Unternehmens» auch «Verständnis für die vom Flughafen tangierte Bevölkerung».