Leih-Katzen
Baselland bläst zur Mäusejagd in Klassenzimmern

Das passt: Die durch Sparmassnahmen verlotterten Baselbieter Schulhäuser sollen durch eine Billigmassnahme mäusefrei werden. Doch braucht es dazu die Mithilfe der Bevölkerung.

Bojan Stula
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Baselland schickt Katzen offiziell auf Mäusejagd. (Symbolbild)

Baselland schickt Katzen offiziell auf Mäusejagd. (Symbolbild)

Keystone

Der Baselbieter Lehrerverein (LVB) klagt, die Baselbieter Schulbauten seien derart verlottert, dass sich inzwischen Mäuse in den Klassenzimmern tummelten. Insbesondere in den einst aus Holz gebauten «Klassenzimmer-Providurien» würden die Lehrkräfte regelmässig auf Mäuse-Kot stossen, ärgerte sich LVB-Präsident Roger von Wartburg an einer Medienkonferenz Mitte März.

Hinter dem drastischen Mäuse-Beispiel steht das Bemühen der Baselbieter Lehrer-Lobby, den vorherrschenden Bildungs-Spareifer zumindest teilweise von den Volksschulen auf Universität und Fachhochschulen umzuleiten, wohin ihrer Meinung nach die Gelder zu üppig fliessen. Das würde eine grundlegende politische Kursänderung voraussetzen, die gewiss nicht kurzfristig umsetzbar wäre. Doch zumindest gegen die Mäuse in den Schulzimmern will die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) rasch vorgehen.

Es braucht 200 Leih-Katzen

BUD-Sprecher Dieter Leutwyler bestätigt Informationen der bz, wonach die Behörden mit einer grossen Katzen-Aktion der Mäuseplage Herr werden wollen. Geplant ist der Einsatz von 200 «Leih-Katzen», die vor allem in Sissach, Gelterkinden, Münchenstein und einer Reihe anderer Gemeinden den unliebsamen Nagern den Garaus machen sollen. Das geht aus einem internen BUD-Schreiben vom 22. März hervor, das der bz vorliegt. «Eine natürlichere und billigere Massnahme lässt sich gar nicht denken», verteidigt Leutwyler die Massnahme, als ihn die bz mit dieser Recherche konfrontiert.

Eine kurzfristige eingesetzte Expertengruppe habe zwar auch den Einsatz von Mäusegift und mechanischen Mäusefallen explizit geprüft, aber als zu gefährlich und für die sensible Umgebung als ungeeignet verworfen. «Geübte Kater und Katzenweibchen» können hingegen laut Leutwyler bis zu fünf Mäuse pro Nacht und Klassenzimmer «erledigen». Mit 200 Tieren könnte man innert zwei Wochen die fraglichen Schulhäuser von der Mäuseplage befreien, erhoffen sich zumindest die Kantonsexperten.

Tagsüber müssten die felinen Mäusejäger allerdings von der Lehrerschaft und dem Schulhauspersonal in Lehrerzimmern, Abwartswohnungen und ähnlichen Orten eingeschlossen werden, um Störungen des Unterrichts zu verhindern.

Keine Spesen für Katzenfutter

Einen Haken hat das Vorhaben allerdings noch: Es fehlen genügend einsetzbare Katzen. Da sich der klamme Landkanton aus finanziellen Gründen keine Anschaffung leisten kann, setzt die Baudirektion auf freiwillige Rekrutierung. Ein interner Aufruf innerhalb der BUD hätte jedoch bloss rund zwei Dutzend geeigneter Tiere zusammengebracht, wie Leutwyler kleinlaut zugeben muss; darunter immerhin den Lieblingskater «Bud Spencer» von Baudirektorin Sabine Pegoraro.

Schuld an der spärlichen Resonanz könnte ein Passus im Spesenreglement der kantonalen Verwaltung sein, dass Ausgaben für Katzenfutter nicht als gültiger Spesengrund anerkannt werden, wogegen Polizeihunde-Halter den Kauf von Hundefutter als ordentliche Spesen abrechnen können. Bis aber die Finanzdirektion von Toni Lauber (FKD) die Spesenreglemente und -formulare «katzenfreundlicher» gestalten kann, vergehen kostbare Wochen und Monate, bestätigt FKD-Generalsekretär Mike Bammatter: «Ein vorgängiges Vernehmlassungsverfahren ist leider unabdingbar.»

Schäden übernimmt Gebäudeversicherung

Als letzte Hoffnung bleibt darum nur noch die Mithilfe der Bevölkerung, die bereit ist, ihre Katzentiere für die Dauer von 14 Tagen kostenlos in den Kantonsdienst zu stellen und das dafür benötigte Katzenfutter gleich mitzuliefern. Wie BUD-Sprecher Leutwyler weiter ausführt, wird seine Direktion am Freitagvormittag einen Aufruf erlassen, wonach (am besten kastrierte) Kater und Katzen ab 14 Uhr an einem speziellen Sammlungszentrum an der Rheinstrasse 3 in Liestal abgegeben werden können. Gesucht seien Tiere mit «ausgeprägtem Jagdinstinkt». Der Kanton bürge seinerseits dafür, dass die Mäusejäger nur zum oben beschriebenen Zweck eingesetzt werden.

Sollten sie trotz der zugesicherten guten Behandlung und Haltung irgendeinen Schaden erleiden, kann laut Leutwyler die kantonale Gebäudeversicherung für Schadensersatzforderungen herangezogen werden. Eine Prämie für den erfolgreichsten Mäusejäger ist nicht vorgesehen.

Kritik vom Tierschutz

Gar keine Freude ob dieser Nachricht hat Sabine Müller, Geschäftsleiterin der Tierschutzorganisation «Büsi-Bund beider Basel» (BBbB). Es sei schlicht «unverantwortlich», privat gehaltene Katzen aus ihrer gewohnten Umgebung zu reissen und von ihnen zu erwarten, dass sie ihnen unbekannte Schulhäuser «von Mäusen leerfegen» könnten. Vor einem solchen Einsatz müssten zuerst zahlreiche Parameter geklärt werden. Das scheine hier nicht passiert zu sein.

Auch Lehrervereinpräsident von Wartburg kritisiert die angedachte Mäusejagd als «in diesem Kanton typische Pflästerlipolitik, statt endlich einmal die grossen Probleme im Bildungsbereich zu lösen». Bis die Verwaltung tatsächlich zur grossen Mäusejagd in den Baselbieter Schulzimmern blasen kann, müssen aber zunächst einmal am Freitag genügend Katzen abgegeben werden.

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