Kulturvertrag
Baselland schiebt den Ball an die Stadt weiter

Für die Baselbieter Regierung drängt die Zeit nicht. Es sei im Interesse von Basel-Stadt, bei den Verhandlungen vorwärtszumachen.

Daniel Ballmer
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Marc Joset, Co-Präsident des Verbandes Kultur Baselland (VKBL) betont ebenfalls, dass die Zeit dränge, die Gespräche über den Kulturvertrag voranzutreiben.

Marc Joset, Co-Präsident des Verbandes Kultur Baselland (VKBL) betont ebenfalls, dass die Zeit dränge, die Gespräche über den Kulturvertrag voranzutreiben.

Kenneth Nars

Die neue Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann hat mit ihrer Aussage einen Riesenwirbel ausgelöst. Gegenüber der bz zeigten sich Basels Kulturschaffende empört darüber, dass zum gefährdeten Kulturvertrag bis heute noch gar keine Gespräche mit Baselland stattgefunden haben. Dies, obwohl die Sparpläne des Baselbiets bereits seit Sommer 2015 als Damoklesschwert über den regionalen Kulturinstitutionen schweben.

Nun stösst der Verband Kultur Baselland (VKBL) nach. In einer Medienmitteilung von gestern zeigen auch die Baselbieter Kulturschaffenden kein Verständnis für die Verzögerungen. Schon vor anderthalb Jahren hatte die Baselbieter Regierung angekündigt, den Kulturvertrag auf Ende 2016 zu kündigen und die darin verankerten Gelder an Zentrumsinstitutionen von zehn auf fünf Millionen Franken jährlich zu halbieren. Der Basler Grosse Rat hatte eigens den berühmten 80-Millionen-Deal bewilligt, damit der Nachbarkanton mindestens bis 2019 darauf verzichtet, den Uni- sowie den Kulturvertrag zu kündigen.

Auch BL-Kultur macht Druck

«Die Zeit drängt», betont VKBL-Co-Präsident Marc Joset. Dem Baselbieter Verband ist es wichtig, sich mit den 15 direktbetroffenen Basler Kulturinstitutionen solidarisch zu zeigen. Die Orchester und Theater bräuchten Planungssicherheit. Die Vorbereitungen ihrer Spielzeiten dauerten zwei bis drei Jahre. So sind etwa die Basel Sinfonietta oder das Sinfonieorchester Basel bereits daran, die Saison 2019/20 zu planen. Joset: «Die beiden Kantonsregierungen müssen deshalb endlich vorwärtsmachen.»

Beim eigenen Kanton stossen die Baselbieter Kulturschaffenden allerdings auf wenig Musikgehör. Die Baselbieter Regierung habe ihre Haltung deutlich gemacht, sagt Petra Schmidt von der zuständigen Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion. Die angekündigten Sparbemühungen gälten nach wie vor, präzisiert die stellvertretende Generalsekretärin: «Es ist die Basler Regierung, die vor allem ein Interesse daran haben sollte, eine mehrheitsfähige Lösung anzustreben.»

Allerdings hingen die Gespräche gerade auch von den Uni-Verhandlungen ab. Diese hätten wegen der Vertragsfristen grössere Dringlichkeit und seien schon länger im Gange. «Wir verstehen, dass die Situation für die betroffenen Kulturinstitutionen unangenehm ist», sagt Schmidt, «aber das lässt sich im Moment nicht ändern.»

Bisher zeigt sich aber auch Ackermann gelassen. Noch sei nicht absehbar, wann die Gespräche zum Kulturvertrag aufgenommen werden. Auch Basels Regierungspräsidentin verweist auf das Gesamtpaket der Partnerschafts-Verhandlungen. Inklusive der einjährigen Kündigungsfrist laufe der Kulturvertrag sicher noch bis Ende 2020. Eile sei deshalb nicht geboten. Ziel für Ackermann ist und bleibt aber, dass der Kulturvertrag vom Baselbiet nicht gekündigt wird.

Das ist auch das oberste Ziel der Baselbieter Kulturschaffenden. «Baselland muss seiner partnerschaftlichen Verantwortung gerecht werden», findet Joset. «Dazu gehört eine angemessene Abgeltung der Zentrumsleistung Basels mit ihren Kulturbetrieben von nationaler und internationaler Ausstrahlung.»

Schliesslich mache die kulturelle Identität keinen Halt an der Kantonsgrenze. Der Verband habe Verständnis dafür, dass die Verhandlungen als Gesamtpaket geführt werden sollen, die Kultur dürfe dabei aber nicht einfach hintenanstehen. «Wir wollten den Verhandlungsprozess eigentlich nicht stören», sagt Joset. «Aber jetzt müssen wir handeln und den Druck erhöhen.»