Neue Form
Stiftung Obesunne in Arlesheim: Leben zwischen Alterswohnung und Altersheim

Die Stiftung Obesunne in Arlesheim bietet neu Wohnungen an, in denen stärker selbstständig gelebt werden kann.

Tobias Gfeller
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Grosszügig gestaltet: Die Stiftung Obesunne in Arlesheim bietet ein neues Angebot namens «pflegenahes Wohnen» an.

Grosszügig gestaltet: Die Stiftung Obesunne in Arlesheim bietet ein neues Angebot namens «pflegenahes Wohnen» an.

Tobias Gfeller

Leben im Alter nimmt stetig neue Formen an. Schon alleine betreutes Wohnen kennt heute verschiedene Facetten und Betreuungsstufen. In die Stiftung Obesunne in Altersheim ziehen am nächsten Montag neue Bewohner ein, die zwar in einem der Trakte des Alters- und Pflegeheims wohnen, aber sowohl räumlich wie auch sozial von diesem getrennt sind. Dafür wurde der Trakt links vom Haupteingang aufgestockt. Acht Wohnungen sind entstanden – vier kommen aus dem bestehenden Bau demnächst noch dazu.

Reto Wolf ist Geschäftsführer der Stiftung Obesunne.

Reto Wolf ist Geschäftsführer der Stiftung Obesunne.

Tobias Gfeller

Die Stiftung nennt das neue Angebot «pflegenahes Wohnen». Es soll die Lücke zwischen betreutem, auf Selbstständigkeit basiertem Wohnen und dem Leben im Altersheim schliessen, sagt Geschäftsführer Reto Wolf auf einem Rundgang durch die Wohnungen, die alle einen Blick ins Grüne hoch zum Goetheanum bieten.

«Wir wollen damit Menschen, denen das komplett selbstständige Wohnen nicht mehr möglich ist, aber noch zu fit für das Pflegeheim sind, eine Möglichkeit bieten, gemäss ihren persönlichen Bedürfnissen zu leben.» Das lohne sich für diese und so auch für die Allgemeinheit auch finanziell.

Ein Gefühl von Selbstständigkeit

Das Konzept ist in dieser Form in der Region Basel neu. Beim «pflegenahen Wohnen» können diverse Angebote des Alters- und Pflegeheims in Anspruch genommen werden. Das betreute Wohnen wird so quasi institutionalisiert und verdichtet, sagt Peter Stutz, Leiter Pflege und Betreuung der Stiftung. Die Verantwortlichen haben bei der Einrichtung der Wohnungen viel Wert auf Psychologie gelegt.

So sehen die altersgerechten Wohnungen von aussen aus.

So sehen die altersgerechten Wohnungen von aussen aus.

Tobias Gfeller

Obwohl gemeinsam im Restaurant gegessen wird, hat jede Wohnung eine kleine Küche, damit die Bewohner auch selber etwas zubereiten können und so das Gefühl der Selbstständigkeit erhalten bleibt. Zudem haben die Wohnungen einen vom Heim abgetrennten Eingang.

Die Angebote werden immer individueller

Das neue Angebot der Stiftung Obesunne stösst auf reges Interesse. «Ohne Werbung zu machen, waren bereits neun der zwölf Wohneinheiten vergriffen», sagt Reto Wolf. Für den Heimleiter ist das kein Zufall. Er ist überzeugt, dass sich das Angebot für Wohnen und Leben im Alter weiter verfeinern wird. «Die Kunden von morgen haben ganz konkrete Vorstellungen, wie sie im Alter leben möchten. Sie suchen genau das, was ihnen entspricht.»

Reto Wolf glaubt aber nicht, dass Alters- und Pflegeheime nicht mehr gebraucht würden, im Gegenteil. «Der Anteil alter Menschen nimmt laufend zu. Durch solche neuen Angebote wird es in Zukunft womöglich keine zusätzlichen Heime benötigen und die Heime selber werden kleiner»

Mit dem Angebot ist die Stiftung dem Gesetz voraus. Wer Ergänzungsleistungen bezieht, erhält möglicherweise für diese Wohnform zu wenig finanzielle Unterstützung, weil die Behörden dies gemäss Gesetz als normale Wohnung ansehen. Anpassungen sind sowohl auf nationaler wie auch auf kantonaler Ebene angelaufen. Die Stiftung ist mit dem Arlesheimer Gemeinderat im Austausch, um die kommunalen Unterstützungsmassnahmen anzupassen.