BLKB-Jubiläum
Baselland sucht den Innovations-Superstar

Die Kantonalbank BL, die Fachhochschule Nordwestschweiz und die Wirtschaftskammer Baselland lancieren mit der «Swiss Innovation Challenge» gemeinsam ein neues Förderprogramm. «Innovation hält ein Unternehmen jung», sagt CEO der BLKB, Beat Oberlin.

Daniel Haller
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«Innovation hält ein Unternehmen jung und ist eine wesentliche Voraussetzung für den langfristigen Erfolg», sagt Beat Oberlin, CEO der BL-Kantonalbank.

«Innovation hält ein Unternehmen jung und ist eine wesentliche Voraussetzung für den langfristigen Erfolg», sagt Beat Oberlin, CEO der BL-Kantonalbank.

Die zündende Idee für ein neues Produkt kommt dem Patron am Morgen beim Joggen, und am Frühstückstisch ist er davon begeistert. Doch kaum ist er im Betrieb, schlägt der Alltag zu: Termine, eine Reklamation, umdisponieren wegen eines kranken Mitarbeiters – und die zündende Idee ist weg.

So leicht soll künftig die Flamme der Innovation nicht mehr zu ersticken sein: Die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB), die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) und die Wirtschaftskammer Baselland lancieren mit der «Swiss Innovation Challenge» gemeinsam ein neues Förderprogramm in der Nordwestschweiz – also explizit nicht nur fürs Baselbiet. Im Gegenteil: Indem das Programm auch für innovative Firmen aus der restlichen Schweiz und dem Ausland offen ist, will man diese ins Baselbiet locken.

Ökonomische Castingshow

Die «Swiss Innovation Challenge» besteht aus einem achtmonatigen Wettbewerb, der mit einem intensiven Mentoring- und Coaching-Programm kombiniert ist: Zuerst werden aus den Bewerbern die 100 aussichtsreichsten Projekte ausgewählt. Diese Geschäftsideen werden während dreier Monate weiter entwickelt und zu einer Kurzpräsentation entwickelt. Dann scheidet – wie man es mittlerweile von «The Voice» und anderen Superstar-Shows gewohnt ist – die Hälfte der Bewerber aus.

Auch in der zweiten Phase wird von den Bewerbern und ihren Beratern und Mentoren weiter an der Geschäftsidee und dem Businessplan gefeilt. Nach drei Monaten stellen sich die Teilnehmer erneut der Jury, und wieder fliegt die Hälfte raus. Die restlichen 25 haben dann zwei Monate Zeit, ihre Innovationsidee zu einem «State-of-the-Art-Businessplan» zu perfektionieren und eine Verkaufsdokumentation zu erstellen, die auch eine «Video-Pitch» enthält, eine Video-Präsentation.

Die vielen Englischausdrücke sind kein Zufall: «Wir haben uns an einem ähnlichen Wettbewerb in Boston orientiert», erklärte Wirtschaftskammerdirektor Christoph Buser gestern an der Pressekonferenz. Allerdings sei in den USA der Wettbewerb auf vier Monate begrenzt. Dass man sich im Baselbiet doppelt so viel Zeit nimmt, zeigt, dass es weniger um die Sieger geht als um den begleiteten Prozess, eine Geschäftsidee zum marktreifen Produkt zu entwickeln, Kontakte zu möglichen Investoren herzustellen und praktische Innovations-Erfahrung zu sammeln. Trotzdem muss am Schluss – das ist ein antreibender Faktor – ein Sieger gekürt werden. Dieser erhält 20 000 Franken. Der Zweit- und der Drittplatzierte bekommt je 5000 Franken.

Nachfolgelösungen suchen

Im Umfang etwas bescheidener kommt das zweite Projekt daher: Aus dem Kreis von jährlich 20 Teilnehmenden soll im «Swissnext Challenge» jener Unternehmer gekürt werden, der die überzeugendste Nachfolgeregelung gefunden hat. Auch hier geht es darum, Lösungen zu erarbeiten. Dabei wird nicht zuletzt das Gespräch zwischen den Teilnehmenden eine grosse Rolle spielen, um neue Ideen reifen zu lassen. Auch hier winken analog zur «Swiss Innovation Challenge» am Schluss Siegerprämien.

Doch um diese geht es, wie beim Innovationswettbewerb, nur in zweiter Linie: «Am Schluss sind alle Gewinner, denn alle Teilnehmer werden von Experten beraten, erhalten persönliche Coachings und besuchen erstklassige Ausbildungsmodule», betonte FHNW-Direktionspräsident Crispino Bergamaschi.

Nachhaltiges Wachstum als Ziel

Für die beiden Programme lässt die BLKB aus Anlass ihres 150-Jahr-Jubiläums gemäss CEO Beat Oberlin jährlich «einen namhaften sechsstelligen Betrag» springen. Die FHNW schafft dafür zwei auf insgesamt 120 Stellenprozent beschränkte Jobs. Die eigentliche Beratung erfolgt in den jeweiligen FHNW-Fakultäten mit den bereits vorhandenen Fachleuten, aber auch durch Persönlichkeiten aus der Wirtschaft. Es wird mit einem Beratungsumfang zwischen 5000 und 10 000 Stunden pro Wettbewerb gerechnet. «Unternehmenswissen ist ein fester Bestandteil der Aus- und Weiterbildung», erläuterte Bergamaschi. «Dies ist auch Teil unseres Leistungsauftrags 2014–17.»

Auch bei der BLKB lässt sich die Beratung mit vorhandenen Kräften bewältigen: «Sparringspartner unserer Kunden zu sein gehört schon bisher zu unserem Kerngeschäft», erklärte Oberlin. «Unser Interesse ist es, nicht nur als Bank nachhaltig zu wirtschaften, sondern die Bank einer nachhaltig wirtschaftenden Region zu sein. Und zur Nachhaltigkeit gehört zwingend Innovation.» Deshalb, meinte Buser, müssten mehr Innovationsideen auch wirklich realisiert werden.