Staatsbesuch
Baselland zu Gast bei Schweizergarde

Erstmals ist Baselland als Gastkanton zur Vereidigung der Schweizergardisten eingeladen.

Hans-Martin Jermann
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Die Schweizergardisten während der Vereidigungszeremonie im Cortile di San Damaso. Die Schweizergardisten während der Vereidigungszeremonie im Cortile di San Damaso.
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Nic Kaufmann Baselbieter Regierungssprecher
Benedikt Rudolf von Rohr Musikalischer Leiter
Vereidigungszeremonie Schweizer Garde
Baselland auf Staatsbesuch im Vatikan

Die Schweizergardisten während der Vereidigungszeremonie im Cortile di San Damaso. Die Schweizergardisten während der Vereidigungszeremonie im Cortile di San Damaso.

Schweizergarde (6. Mai 2019)

Das Baselbiet auf Staatsbesuch im Vatikan: Erstmals ist Baselland als Gastkanton zur Vereidigung der Schweizergardisten eingeladen. Diese findet traditionell am 6. Mai statt, im Gedenken an den Sacco di Roma (Box unten). Die Vereidigungsfeier der rund 40 Gardisten ist der Höhepunkt im Jahreskalender der päpstlichen Schweizergarde. 3000 Menschen wohnen dem Zeremoniell im Cortile di San Damaso unweit des Petersplatzes bei. Die Vereidigungsfeier sei in Rom ein gesellschaftlicher Anlass erster Güte, sagt der in Reinach wohnhafte Ex-Gardist Fridolin Wildhaber. «Für Baselland ist das ein hervorragendes Schaufenster, sich vor internationaler Prominenz zu präsentieren», sagt der Vatikan-Kenner.

Regierung reist in corpore nach Rom

Kürzlich hat die Regierung das Konzept für den Gastauftritt verabschiedet. «Wir sind mit den Vorbereitungsarbeiten auf Kurs, die kulturellen Beiträge stehen», sagt Regierungssprecher Nic Kaufmann. Für die Vereidigungsfeier werden vom 5. bis 7. Mai rund 200 Personen nach Rom reisen. Die offizielle Delegation besteht aus 30 Personen (mit Begleitung 50), darunter sämtliche Mitglieder der Regierung, der Landrats- und der Kantonsgerichtspräsident, der Basler Bischof Felix Gmür und weitere hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Römisch-katholischen, aber auch der anderen Landeskirchen im Baselbiet.

Daneben sind weitere 100 Personen eingeladen, welche die Reise selber bezahlen. Hinzu kommen 50 Personen, die als Teil des Projektchors oder bei Catering und Logistik zum Gelingen des Gastauftritts beitragen. «Für uns ist es eine riesige Ehre, dabei sein zu dürfen», sagt Dominik Prétôt, Sprecher der Römisch-katholischen Landeskirche. Baselland sei einer der ersten nicht traditionell katholischen Kantone, die zur Vereidigung eingeladen wurden.

Die Rom-Reise ist logistisch eine Riesenkiste. Aufwendiger etwa als der letztjährige Gastauftritt des Kantons an der Fête des Vignerons in Vevey, als für den Chienbäse mehrere Tonnen Holz an den Genfersee gekarrt wurden. Die Regierung hat einen Kantonsbeitrag von 60 000 Franken gesprochen, die Römisch-katholische Landeskirche 50 000 Franken. Das Budget beträgt insgesamt 140 000 Franken. Im Zentrum des Baselbieter Auftritts steht ein festlicher Apéro riche, den der jeweilige Gastkanton nach der Vereidigung für rund 1200 Personen ausrichtet. Beauftragt wird allerdings ein lokaler Caterer. Im Gegensatz zum Kanton Tessin, der 2019 kiloweise Coppa, Polenta und Risotto nach Rom transportiert hat, verzichtet Baselland bewusst darauf, seine Spezialitäten zu exportieren. Die Erfahrungen zeigten: Das sei ein Kostentreiber, erklärt Kaufmann. «Zudem macht es aus unserer Sicht wenig Sinn, Essen in ein Land zu transportieren, das für seine herausragende Kulinarik bekannt ist.»

200 weisse Schirme mit Baselbieter Wappen

Der Gastkanton Baselland will sich vor Ort anderweitig sichtbar machen. So wird die eher nüchterne Aula zu Ehren Pauls VI., wo der Apéro durchgeführt wird, mit Baselbieter Fahnen sowie grossen Bannern mit fotografischen Impressionen aus dem Landkanton dekoriert: mit brennenden Chienbäse, einem gelben Postauto in der frühlingshaft blühenden Oberbaselbieter Landschaft oder dem Römertheater in Augusta Raurica. «Wir müssen uns mit unseren kulturellen und landschaftlichen Schönheiten auch in einer Metropole wie Rom nicht verstecken», sagt Kaufmann. Im Gepäck hat die Delegation zudem 200 Schirme und Caps, die je nach Wetter an die Teilnehmer verteilt werden. «Wenn da plötzlich Dutzende Personen mit den gleichen Schirmen und dem Baselbieter Wappen drauf durch den Vatikan spazieren, dann wird das schon wahrgenommen», ist Kaufmann überzeugt.

Und dann sind da die kulturellen Beiträge des Gastkantons: Unter der Leitung des Basler Chorleiters und Organisten Benedikt Rudolf von Rohr wird ein 32-köpfiger Chor während des Rom-Aufenthalts mehrere Anlässe untermalen: so am Gedenktag zum Sacco di Roma die Morgenmesse im Petersdom und den Einlass vor der Vereidigung am späten Nachmittag. Daneben ist am Vortag ein eigenes Konzert des Gastkantons im Cortile d’Onore in der Kaserne der Schweizergarde vorgesehen.

90 Minuten Musik innert Kürze einstudieren

Der Chor besteht aus Sängern aus Vokalensembles, Musikschulen und Chören von Baselbieter Pfarreien; begleitet wird er von seinem professionellen Bläserensemble. Die Proben starten am kommenden Samstag. «Das Programm ist anspruchsvoll: Der Chor muss innert dreier Monate 90 Minuten Musik komplett erarbeiten», sagt Benedikt Rudolf von Rohr.

Anspruchsvoll auch deshalb, weil der Chor die an zahlreichen Spielorten stattfindenden Konzerte nur im Trockenen proben kann. Mit einer Ausnahme: «Eine Probe im Petersdom habe ich mir ausbedungen», sagt er. Dass er an der Orgel des für die Katholiken wichtigsten Gotteshauses überhaupt sitzen darf, hat für ihn hingegen eher eine untergeordnete Bedeutung: «Die Orgel im Petersdom ist modern und unter Organisten umstritten, die Akustik in Kuppelkirchen oft schwierig», gibt er zu bedenken. Die Rom-Reise stellt für Rudolf von Rohr, der 18 Jahre lang als Organist an der Basler Marienkirche tätig war, dennoch einen Höhepunkt in seinem langjährigen Schaffen dar.

Fakten und Zahlen

Die neuen Schweizergardisten werden jedes Jahr am 6. Mai um 17 Uhr vereidigt, am Gedenktag zum Sacco di Roma, der Plünderung Roms und des Kirchenstaats 1527. Damals wurden bei der Deckung des Rückzugs von Papst Clemens VII. in die Engelsburg drei Viertel der damaligen Truppe von rund 190 Mann ermordet. Laut dem Vatikan-Kenner Fridolin Wildhaber besteht die päpstliche Schweizergarde derzeit aus 120 Gardisten, mit dem Ziel bis in zwei Jahren auf 135 Mann aufzustocken. Aktuell stammen drei aus der Nordwestschweiz: Ein am 1. Januar eingetretener neuer Gardist aus dem Laufental wird anlässlich des Baselbieter Gastauftritts vereidigt.

Seit Beginn der Registrierung im Jahr 1827 kamen nur 27 Gardisten aus dem Baselbiet. Seit 1970, als Paul VI. drei Garden auflöste, ist die Schweizergarde die letzte von vormals vier päpstlichen Garden und die einzige militärische Formation des Heiligen Stuhls. Die Schweizergardisten begleiten als Leibgarde den Papst auf seinen Reisen, sie bewachen die Eingänge zur Vatikanstadt, den Papstpalast und seine Privatgemächer. Ebenso leisten sie Ehren- und Wachdienste an Audienzen und Staatsempfängen. Sie verfügen über eine Schiess- und Nahkampfausbildung, die mit jener von Kantonspolizisten vergleichbar ist. Allerdings übernehmen sie keine polizeilichen Aufgaben. Dafür ist die Vatikanische Gendarmerie zuständig.