Banken
Basellandschaftliche Kantonalbank will keinen Gesamtarbeitsvertrag

Auf dem Platz Basel ist die BLKB eine der letzten grösseren Banken, welche die Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten nicht unterzeichnet hat. Für den Bankpersonalverband ist das unverständlich.

Michael Heim
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Harte Verhandlungspartner: BLKB-Bankratspräsidentin Elisabeth Schirmer-Mosset und CEO Beat Oberlin. Keystone

Harte Verhandlungspartner: BLKB-Bankratspräsidentin Elisabeth Schirmer-Mosset und CEO Beat Oberlin. Keystone

Liestal zeigt sich widerspenstig. Seit langem versucht Gewerkschafterin Denise Chervet, die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) dazu zu bewegen, den Gesamtarbeitsvertrag der Bankbranche zu unterzeichnen. Vor gut einer Woche bekam die Zentralsekretärin des Bankpersonalverbands wieder eine Absage. Kein Interesse an der Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten, den VAB, hiess es.

Auf dem Platz Basel ist die BLKB damit eine der letzten grösseren Banken, welche die VAB nicht unterzeichnet hat. Neben ihr steht nur noch die Migros Bank abseits. Und deren Sprecher, Albert Steck, verweist auf den Gesamtarbeitsvertrag der Migros-Gruppe, dem auch die Bankangestellten unterstehen.

Auf Verbandsebene ist die VAB unbestritten. Nicht nur die Arbeitnehmerseite wirbt für sie, sondern auch der Arbeitgeberverband Banken (AGV Banken). «Wir empfehlen unseren Mitgliedern, die VAB zu unterzeichnen», sagt Geschäftsführer und FDP-Landrat Balz Stückelberger. «Auch die Bankiervereinigung tut das», fügt er an. Beide Seiten der Sozialpartnerschaft sagen, die Mindeststandards der VAB seien eher moderat. «Die meisten Banken erfüllen das sowieso», sagt Stückelberger.

Breit abgestützt

Nicht so die BLKB. Diese bezahle zu wenig Familienzulage, um VAB-konform zu sein, erklärt Hans Furer, Regionalvertreter des Bankpersonalverbands. Ihm sei unverständlich, dass die BLKB sich nicht anpassen wolle. «Grundsätzlich steht sie ja gut da.»

BLKB-Sprecher Christoph Loeb will gegenüber dem «Sonntag» nicht erörtern, was einem Beitritt genau im Wege steht. «Die VAB enthält einfach etwas andere Regeln als unsere eigene Variante», sagt er. «In einigen Punkten enthält die VAB mehr. Meist sind wir jedoch besser.»

Die VAB ist heute breit abgestützt. Zwar macht nur eine Minderheit aller Finanzinstitute mit. Dennoch seien 62 Prozent aller Bankangestellten in der Schweiz der Branchenvereinbarung unterstellt, sagt Stückelberger. Alle grossen Banken sind dabei, auch UBS und CS.

Mitgliedschaft light

Abseits stehen vor allem kleine Banken sowie einige Kantonalbanken. Ein Teil von ihnen, auch die BLKB, ist inzwischen zumindest Mitglied des Arbeitgeberverbandes geworden. Jedoch ohne Teilnahme an der VAB. Von den Kantonalbanken haben bisher nur die Basler (BKB) und die Zürcher Kantonalbank (ZKB) die VAB unterzeichnet.

Die Möglichkeit dieser Light-Mitgliedschaft wird von den Arbeitnehmervertretern kritisiert. Bis zur Gründung des AGV Banken im Jahr 2010 gab es diese Unterscheidung nicht. Ursprünglich war die VAB als direkte Vereinbarung zwischen dem Arbeitnehmerverband und den lokalen Bankenvereinigungen entstanden. «Viele Banken wussten damals allerdings nicht, dass sie damit auch Träger der VAB waren», erklärt Stückelberger. «Sie wäre nicht Mitglied des neuen Verbands geworden, hätten sie zwingend auch die VAB übernehmen müssen.»

Die grösste abseitsstehende Kantonalbank ist die Waadtländer Kantonalbank (BCV). Sie sah sich vor einem Jahr denn auch mit einem politischen Vorstoss zu dem Thema konfrontiert. Der heutige SP-Nationalrat Jean-Christophe Schwaab reichte 2011 im Parlament eine Interpellation ein, die allerdings folgenlos blieb. Die Sozialleistungen der BCV seien auch ohne Teilnahme am GAV vorbildlich, argumentierte die Regierung damals.

Keine politischen Vorstösse

Im Baselbiet gab es bisher keine politischen Vorstösse. Die Landräte hätten eine «Beisshemmung», konstatiert Furer, der selber für die Grünliberalen im Parlament sitzt. Die BLKB sei eine Milchkuh, die viel Geld an den Kanton ausschütte. Im vergangenen Jahr waren das insgesamt 53,4 Millionen Franken. «Da ist es politisch heikel, die Bank anzugreifen.»

Auch an der Generalversammlung der Zertifikateinhaber, die diese Woche am Montag und Dienstag in doppelter Ausführung stattfinden wird, hat die BLKB wohl keine öffentliche Kritik zu befürchten. Denn auch die Anleger der Kantonalbank können ihre Meinung nur schlecht kundtun: Ein Stimmrecht haben sie nämlich nicht.

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