Nachtnetz
Basler Partygänger fahren wieder zurück aufs Land - aber nur im Bus

Das ÖV-Nachtangebot wird hochgefahren. Statt Zügen verkehren in den nächsten Wochen jedoch Busse. Das sorgt für Kritik.

Dimitri Hofer
Merken
Drucken
Teilen
Statt Züge fahren im TNW-Nachtnetz nun Busse (Symbolbild).

Statt Züge fahren im TNW-Nachtnetz nun Busse (Symbolbild).

Andreas Maurer

Nachtschwärmer, die mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs sind, können wieder für ein, zwei Drinks länger in der Stadt bleiben. Seit diesem Wochenende verkehren die Nachtlinien von Basel ins Ergolztal, ins Fricktal und ins Laufental wieder. Die Fahrgäste gelangen aber nicht wie üblich mit dem Zug, sondern mit Ersatzbussen nach Hause. Die dadurch entstehende deutlich längere Fahrzeit ruft Unverständnis hervor.

Steigt man sonst in einer Samstagnacht am Bahnhof SBB in Basel in den Regionalzug nach Laufen, ist man in 25 Minuten an der Endstation. In einem derzeit fahrenden Ersatzbus dauert die Fahrt an den Hauptort des Laufentals hingegen eine gute Stunde. Auch auf den anderen beiden Linien sind die Reisenden deutlich länger unterwegs. Nach Gelterkinden braucht der Bus knapp dreimal so lange wie der normalerweise fahrende Zug.

Grund für den Bahnersatz: Zu wenige Lokführer

Stellt sich die Frage, weshalb in den Sommernächten am Wochenende nicht einfach Züge fahren. Beim Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) nach den Gründen für den Einsatz von Ersatzbussen nachgefragt, verweist Geschäftsführer Adrian Brodbeck an die SBB. Dort betont Mediensprecher Reto Schärli, dass derzeit beim Lokpersonal ein Unterbestand bestehe. Bei den SBB sei in der Vergangenheit der Bedarf an Lokpersonal unterschätzt und die Rekrutierung zu defensiv geplant worden. «Die SBB hat eine Ausbildungsoffensive gestartet. Bis Herbst 2020 werden rund 340 Lokführerinnen und Lokführer gleichzeitig in Ausbildung sein, das sind zehn Prozent des Lokpersonals der SBB.» Im kommenden Jahr werde man wieder über genügend Lokführerinnen und Lokführer verfügen. Angesprochen auf den Sicherheitsabstand, der in den grösseren Zügen besser eingehalten werden kann als in Bussen, meint SBB-Mediensprecher Schärli nur: «Der Abstand kann in vielen Verkehrsmitteln nicht eingehalten werden, deshalb gilt im ganzen ÖV Maskenpflicht.»

Die Ersatzbusse zwischen der Stadt und den drei Tälern fahren an diesem und an den kommenden vier Wochenenden. Ab dem 22. August verkehren die Züge wieder regulär. Wenn es nach dem Aescher SP-Landrat Jan Kirchmayr ginge, wäre dies schon an diesem Wochenende der Fall gewesen. In einer Interpellation, die er an der nächsten Landratssitzung im August einreichen wird, kritisiert er die Ersatzbusse. Er findet, dass diese für die Benützerinnen und Benützer des Nachtangebotes eine massive Verlängerung der Reisezeit und damit eine Verschlechterung des Angebotes mit sich bringe.

Baselbieter Kantonsplaner bedauert den Buseinsatz

Es sei nicht das erste Mal, dass die Region Basel von den SBB auf das Abstellgleis geschoben würde. Zudem gebe es zwar ein Ersatzangebot stadtauswärts. «Diejenigen, die am Wochenende in der Nacht in Richtung Basel fahren möchten, schauen aber völlig in die Röhre», sagt Kirchmayr. Als Besteller der Bahn müsse es dem Kanton Baselland ein Anliegen sein, auf ein qualitativ hochstehendes, pünktliches und zuverlässiges Angebot – auch während der Nächte an den Wochenenden – setzen zu können.

Beim Kanton Baselland bedauert man den Entscheid der SBB, die Züge durch Busse zu ersetzen. «Grundsätzlich ist ein bestelltes Angebot wie vereinbart zu erbringen», sagt der Baselbieter Verkehrsplaner Dominic Wyler. Wenn das nicht möglich sei, müsse die SBB dafür sorgen, ein Ersatzangebot anzubieten. «Durch die Busse ist das gewährleistet.» Die längere Fahrzeit sei zwar nicht ideal, aber immerhin sei es wieder möglich, in der Nacht mit dem öffentlichen Verkehr aus der Stadt aufs Land zu fahren.