Basler Strafgericht
Er wollte seine Freundin beeindrucken - und kassiert dafür 12 Monate bedingt

Mit 99 Stundenkilometern raste ein 20-Jähriger durch den Basler Hafen. Die Polizei blitzte ihn. Er habe seiner Beifahrerin imponieren wollen, sagte er jetzt den Richtern.

Patrick Rudin
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Der Raser übersah, dass auf der Hafenstrasse ein allgemeines Fahrverbot gilt. (Archiv)

Der Raser übersah, dass auf der Hafenstrasse ein allgemeines Fahrverbot gilt. (Archiv)

Bild: Juri Junkov

Es sollte ein perfekter Mittwochabend werden: Der heute 20-jährige Mann holte im April 2020 mit seinem BMW zuerst seine Freundin ab, fuhr dann zur rituellen Autoreinigung zur Waschanlage in Muttenz und schliesslich in den romantischen Basler Hafen in der Nähe des Dreiländerecks.

Von der Westquaistrasse her düste er durch die Hafenstrasse, dann durch die Südquaistrasse und schliesslich durch die Grenzstrasse bis zum Wendekreis. Dabei übersah er, dass auf der Hafenstrasse ein allgemeines Fahrverbot gilt.

Vor allem aber übersah er dort die Polizisten mit dem eingeschalteten Lasermessgerät: Als der Wind sich wieder gelegt hatte, stand 99 Kilometer pro Stunde auf der Anzeige. Nach Abzug der Messtoleranz blieben noch netto 96 übrig. In der Hafenstrasse gilt Tempo 40, womit der Mann 56 Kilometer pro Stunde zu schnell unterwegs war.

Unter 18 das Steuer übernommen

«Er hatte Freude am Autofahren und wollte seiner Freundin wohl auch etwas imponieren», beschwichtigte Verteidiger Matthias Aeberli am Mittwoch im Basler Strafgericht. Die Freude ging allerdings weit: Wie ein Blick auf das Mobiltelefon seiner Freundin zeigte, hatte er dieser ein paar Wochen vorher in derselben Gegend auch schon das Steuer mehrmals für ein paar kleine Spritztouren überlassen.

Einen Ausweis hatte sie nicht, zumal sie noch jünger als 18 Jahre alt war. Inzwischen haben sich die zwei getrennt. Der 20-Jährige gab die Sache von Anfang an zu. Er beteuerte am Mittwoch im Gerichtssaal auch, es tue ihm leid und er werde seinen BMW jetzt verkaufen. Er arbeitet als Betreuer in einer Kindertagesstätte.

Mit den letzte Woche erneut in die Schlagzeilen geratenen Autoposern im Hafen (bz berichtete) will er nichts zu tun haben. Bislang war er auch nicht vorbestraft. Er hatte damals als Neulenker den Führerausweis auf Probe, dieser wurde ihm inzwischen abgenommen. Der Verteidiger betonte, sein Mandant sei durch die hohen Kosten des Administrativverfahrens mitsamt teuren verkehrspsychologischen Gutachten schon genug bestraft.

Staatsanwältin und Verteidiger waren sich einig.

Die Rasergesetzgebung sieht bei derartig hohen Geschwindigkeitsüberschreitungen eine Mindeststrafe von zwölf Monaten vor. Staatsanwältin Simone Fäh beantragte in seltener Einmütigkeit zusammen mit dem Verteidiger eine bedingte Freiheitsstrafe von 13 Monaten. «Er ist geständig und reuig. Und er hat auch nicht versucht, irgendwelche Geschichten aufzutischen», betonte der Verteidiger.

Auch sei ein Strafmass in dieser Höhe normalerweise bei schweren Körperverletzungen die Regel, nicht bei abstrakten Gefährdungen. Das Dreiergericht war am Abend dann noch ein wenig milder: Es beliess es bei der Mindeststrafe von zwölf Monaten.

Für das mehrmalige Überlassen des Fahrzeugs an seine ausweislose Freundin verhängte es zusätzlich eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 110 Franken. Das Fahrverbot schliesslich schlägt mit einer Busse von 100 Franken zu Buche

Dazu kommen allerdings die Verfahrenskosten und die Urteilsgebühren von rund 2500 Franken

Gerichtspräsident Roland Strauss betonte, es habe keine konkrete Gefährdung Dritter gegeben. Allerdings habe der Mann mit seiner Fahrweise durchaus sich selber und auch seine Freundin gefährdet. Verurteilter akzeptiert das Urteil «Aufgrund Ihres Alters ist es bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, dass Sie Ihrer damaliger Freundin imponieren wollten», meinte Strauss. «Strafmildernd wirkt sich das aber nicht aus.»

Der 20-Jährige akzeptierte das Urteil sogleich, und auch die Staatsanwältin verzichtete daraufhin auf einen Weiterzug. Der Schuldspruch ist damit rechtskräftig.