Theater
Basler SVP will höhere Theater-Ticketpreise für Baselbieter

Im Februar stimmt das Baselbiet über eine Beitragerhöhung für das Theater Basel ab. Bei einem Nein hätte das Theater ein grosses finanzielles Loch zu stopfen. Die SVP.freut sich über die Idee, von Baselbietern höhere Ticketpreise zu fordern.

Hans-Martin Jermann
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Ticketpreise

Ticketpreise

Der Abstimmungskampf um die Beitragserhöhung fürs Theater Basel, über die das Baselbieter Volk am 13. Februar abstimmt, gewinnt noch vor Weihnachten an Schärfe. Kräftig Pfeffer gestreut hat der Basler SP-Präsident Martin Lüchinger mit seiner Äusserung auf Telebasel, bei einem Nein müsste man darüber nachdenken, am Theater spezielle Ticketpreise für Baselbieter einzuführen.

Abstimmung bereits gelaufen

Auf dem Land reagiert man darauf irritiert: «Solche Aussagen sind nicht nützlich für uns», ärgert sich der Liesberger CVP-Landrat Christian Steiner, ein Befürworter der Subventionsaufstockung. SP-Landrat Marc Joset mag die Drohung seines Basler Parteikollegen gar nicht kommentieren. Der regelmässige Theaterbesucher aus Binningen fügt aber vielsagend an: «Wir sollten uns im Vorfeld der Abstimmung auf konstruktive Diskussionen konzentrieren.»

Im Lager der Gegner werden die Überlegungen Lüchingers mit Schmunzeln zur Kenntnis genommen: «Aus SVP-Sicht kann nichts Besseres passieren», sagt der Füllinsdörfer Karl Willimann. Für den kulturpolitischen Vordenker der Baselbieter SVP ist die Abstimmung ohnehin gelaufen: Er sieht Parallelen zum Urnengang über die Basel Sinfonietta im September 2004. Damals verwarf das Baselbieter Volk mit 62 Prozent Nein-Stimmen eine partnerschaftliche Beteiligung am Orchester.

«Absurde Aufrechnerei»

Kann Willimann seine Freude über Lüchingers Aussagen aus abstimmungstaktischen Gründen nicht verbergen, so kritisiert er sie inhaltlich in seiner Funktion als Präsident der landrätlichen Bildungs-, Kultur- und Sportkommission (BKSK): «Diese Aufrechnerei ist absurd.» Das wäre, als würden bei der Wasserfallenbahn höhere Tarife für die Basler verlangt. Oder das Baselbiet führte eine Wanderweg-Gebühr ein. Christian Steiner fragt sich, für wen denn bei einem Nein am 13. Februar höhere Ticketpreise gelten sollen – bloss für die Baselbieter oder auch für Deutsche, Aargauer oder Solothurner, die sich im Gegensatz zum Baselbiet gar nicht am Theater beteiligen?

In Basel werden die Ideen des SP-Chefs nüchterner beurteilt. Er habe dafür Verständnis, sagt FDP-Präsident Daniel Stolz. «Schliesslich müssten das Theater und die Basler Politik zwangsläufig auf ein Nein des Baselbiets reagieren.» Höhere Ticketpreise für Besucher aus dem Landkanton seien aber nicht zielführend: Dies würde das Finanzierungsloch nur zu einem geringen Teil stopfen. Um namhafte Beiträge zu generieren, müssten die Eintrittspreise vervielfacht werden: «Doch dann geht kein Baselbieter mehr ins Theater», fügt Stolz an.

Bei einem Nein den Businessplan überarbeiten

Was also tun bei einem Nein aus dem Baselbiet? Für Stolz ist klar, dass das Theater dann seinen Businessplan überarbeiten muss. Er könnte sich vorstellen, dass sich durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Institutionen Synergien nutzen lassen – im Bereich Tanz und Performance etwa mit dem Birsfelder Roxy oder der Kleinbasler Kaserne.

Nicht infrage kommt für Stolz, dass Basel-Stadt für die fehlende Aufstockung aus dem Landkanton in die Bresche springen würde. Schliesslich hat der Grosse Rat auf Antrag des FDP-Chefs eine Erhöhung seiner Beiträge ans Theater davon abhängig gemacht, dass das Baselbiet mitzieht.

Leistungsabbau führt zu Abstieg

Grossrätin Heidi Mück (Grünes Bündnis) wäre hingegen bereit, auf diesen Entscheid «zähneknirschend» zurückzukommen. «Sollte der Super-GAU eintreffen, können wir das Theater doch nicht ans Messer liefern.» Ein Leistungsabbau würde unweigerlich den Abstieg des renommierten Hauses einläuten. Sie sei es den Mitarbeitenden schuldig, sich dagegen zur Wehr zu setzen, gibt die Gewerkschafterin zu Protokoll. Heidi Mück weiss, dass ihre Bereitschaft zum Einlenken einige Baselbieter zu einem Nein zu höheren Theater-Subventionen bewegen könnte.

Die Frage ist indes, ob mit Mück eine Mehrheit des Basler Parlaments bereit wäre, auf den Entscheid vom Juni zurückzukommen. Oder ob am Schluss nicht doch die Basler und Baselbieter Theaterbesucher die Zeche für ein Nein an der Urne bezahlen müssen.