Augusta Raurica
Bauernpräsident wehrt sich gegen Augusta Raurica

Nach jahrelangen Konflikten sind sich Augusta Raurica, Augst und Kaiseraugst endlich einig, was die Zukunft der Römerstadt angeht. Ausgerechnet jetzt taucht aber ein neuer Kritiker auf: Stefan Kälin, Präsident des Bauernverbands beider Basel.

Bojan Stula
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Augusta Raurica kommt doch noch nicht zur Ruhe, obwohl sich die betroffenen Gemeinden eigentlich einig wären

Augusta Raurica kommt doch noch nicht zur Ruhe, obwohl sich die betroffenen Gemeinden eigentlich einig wären

Juri Junkov

Entwicklungskonzept Nachdem der Planungskredit für das neue Sammlungszentrum den Landrat passiert hat, steht schon der nächste Meilenstein für die Römerstadt Augusta Raurica bevor: die Verabschiedung des Entwicklungskonzepts, welches sowohl die künftigen Erschliessungsareale der Römerstadt als auch zusätzliches Siedlungsgebiet der Gemeinde Augst («Bauen über den Ruinen») bezeichnet. Die Bildungs-, Kultur- und Sportkommission (BKSK) hat soeben das als Durchbruch und Jahrzehntkompromiss gefeierte Entwicklungskonzept mit grosser Mehrheit dem Landrat zur Zustimmung empfohlen. Nach jahrelangen Konflikten sei es endlich soweit, dass Augusta Raurica, Augst und Kaiseraugst bei der weiteren Erschliessung des Gebiets am gleichen Strick ziehen.

Gegen Einzäunungsverbot

Doch in die allgemeine Minne platzt plötzlich ein aufbegehrender Landwirt: Stefan Kälin, Pächter des Augster Tempelhofs und neuer Präsident des Bauernverbands beider Basel. In einem Schreiben an die BKSK hat sich Kälin gegen das Entwicklungskonzept gestellt. Seine grösste Befürchtung: Das im Konzept vorgesehene Einzäunungsverbot für das öffentliche Parkareal, auf dem auch Kälins Tempelhof steht, würde ihm künftig die Haltung von Milchkühen verunmöglichen. Unterstützung in seinem Widerstand erhält der Landwirt von der Ehinger-Stiftung, die den südwestlich des Römertheaters liegenden Tempelhof trägt. Laut diesen ziele das Entwicklungskonzept darauf ab, den Tempelhof als landwirtschaftlichen Betrieb «weg zu haben»; und zwar dort, wo der öffentliche Park Spaziergängern künftig als Naherholungsgebiet dienen soll.

Diese Interpretation halten sowohl Römerstadtleiter Dani Suter wie auch Roland Plattner, Generalsekretär der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion, für ein grosses «Missverständnis». Es gebe keinerlei Pläne zur Enteignung der Ehinger-Familienstiftung. Augusta Raurica habe zu Kälin stets ein partnerschaftliches Verhältnis gepflegt, betont der Römerstadtleiter. Milchkühe und Spaziergänger kämen auch künftig problemlos aneinander vorbei. Selbst Bildungsdirektor Urs Wüthrich glaubt, dass Kälin hier etwas retten wolle, das gar nicht bedroht sei.

Raumplanerisch nicht bindend

Das vorliegende Entwicklungskonzept sei ohnehin noch kein bindendes raumplanerisches Instrument, sondern lediglich ein Konzeptpapier, ergänzt Dani Suter. Wenn nach allfälliger Annahme des Entwicklungskonzepts durch den Landrat eine Machbarkeitsstudie und Nutzungsplanung die nächsten Schritte darstellen, werde Kälin sowieso über die entsprechenden rechtlichen Möglichkeiten zur Einsprache verfügen.

Auch die BKSK ist inzwischen zum Schluss gekommen, dass Kälins Widerstand, zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, unverhältnismässig ist: Eine Abänderung des Entwicklungskonzepts im Sinne des Landwirts hat die Kommission mit 8 zu 2 Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt.