Umweltverschmutzung
Baumüll im Naturparadies: Der Lebensraum vom «Glögglifrosch» ist bedroht

Illegal deponierter Bauschutt verunstaltet einen Weiher im Sissacher Naturschutzgebiet. Dieser ist unter anderem ein wichtiger Lebensraum des «Glögglifrosches». Falls Sie sachdienliche Hinweise haben, woher der Schutt kommen könnte, melden Sie sich bei der Einwohnergemeinde Sissach.

Yannette Meshesha
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Umweltverschmutzung in Sissacher Naturschutzgebiet
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Wer weiss, wo diese Linoleum-Böden herkommen?
Sachdienliche Hinweise bitte an die Einwohnergemeinde Sissach.

Umweltverschmutzung in Sissacher Naturschutzgebiet

Kenneth Nars

«Diese Tat ist absolut unverständlich und gedankenlos», sagt Peter Buser, Gemeindepräsident von Sissach. Seit Donnerstag liegt ein Berg von illegal deponiertem Bauschutt in einem Weiher unterhalb der Ruine Bischofstein im Sissacher Wald. «Dieser Weiher liegt in einem Naturschutzgebiet und beherbergt seltene Tierarten», betont Buser verärgert. Die Gemeinde hat eine Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.

Update

Auch in Kaisten im Fricktal haben Unbekannte in den vergangenen Tagen Bauschutt in einem Wald abgeladen. Es könnte sich um die gleichen Täter handeln, da grosse Ähnlichkeit zwischen den gefundenen Abfällen besteht. Oder was meinen Sie?

Wichtiger Lebensraum

In der Nacht vom 19. auf den 20. Juli hat ein Unbekannter vier bis fünf Kubikmeter Bauschutt in den Weiher im Sissacher Wald gekippt, wie «Telebasel» berichtete. Ein Drittel des Weihers ist zugeschüttet. «Der Täter war vermutlich mit einem Traktor mit Anhänger unterwegs», sagt Buser. Besonders schmerzlich sei, dass der verunstaltete Weiher zu einem Naturschutzgebiet gehört. Er sei unter anderem ein wichtiger Lebensraum für die seltene Geburtshelferkröte, im Volksmund aufgrund ihres Paarungslauts auch «Glögglifrosch» genannt.

«Man findet dort auch andere Krötenarten und Libellen. Es ist ein wunderbares kleines Biotop», sagt auch Peter Schmid, Revierförster von Sissach. Die Reaktionen der Bevölkerung auf den Abfallberg seien heftig. «Ich habe vorbeikommende Spaziergänger laut über die Tat schimpfen hören», erzählt Schmid.

Der Glögglifrosch

Der Glögglifrosch

LTA

Er betont auch, dass es sich bei dem Vorfall bereits um die dritte illegale Deponie von Bauschutt innert kurzer Zeit handle. «Vor sechs Wochen hat jemand Baumaterial am Rand einer Waldstrasse deponiert und erst vor 14 Tagen wurde in Wintersingen Bauschutt eine Böschung hinuntergekippt.» Zusammensetzung und Qualität des Schutts seien in allen Fällen auffällig ähnlich. «Man kann noch nicht bestätigen, dass es sich um denselben Täter handelt, aber die Vermutung liegt nahe.»

Spuren und Hinweise

«Das Material muss von einem Hausabbruch oder einer Teilrenovation stammen», gibt Gemeindepräsident Buser bisherige Erkenntnisse wieder. «Es enthält unter anderem Novilon, Gips, Bleirohre und Sägemehl. Das lässt auf einen Bau aus den 1950er-Jahren schliessen.» Peter Schmid ergänzt: «Ein Jäger hat zwischen 21.30 und 21.45 Uhr in der fraglichen Nacht Traktorgeräusche und Stimmen beim Weiher gehört.

Das gibt uns ein ziemlich genaues Zeitfenster der Tat.» Ausserdem hoffe man auf Hinweise aus der Bevölkerung an die Einwohnergemeinde. «Im Schutt befinden sich Teile eines Linoleumbodens. Wir hoffen, dass jemand das Muster und damit den Herkunftsort des Bauschutts erkennt», sagt Schmid.

Um den Weiher nicht weiter zu beschädigen werden bei der Räumung Bagger und mühsame Handarbeit mit der Schaufel notwendig. «Sollte der Täter nicht gefasst werden, muss die Bürgergemeinde als Grundeigentümerin die Kosten übernehmen», sagt Buser. «Die korrekte Deponie des Materials hätte vielleicht etwa 200 Franken gekostet. Wenn der Täter gefasst wird, wird er mehrere Tausend Franken bezahlen müssen. Und die Chancen, ihn zu finden, stehen gut.»

Falls sie sachdienliche Hinweise haben woher der abgeladene Bauschutt kommen könnte, melden Sie sich doch bei der Einwohnergemeinde Sissach.