Birsfelden
Bauprojekte stehen im Stau – Überalterung droht

Über die Umgestaltung des Zentrums von Birsfelden wird bereits seit 50 Jahren debattiert. Neuer Wohnraum ist heute dringlicher denn je. Und: Stärker als anderen Agglomerationsgemeinden droht Birsfelden die Überalterung seiner Bevölkerung.

Simon F. Eglin
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Blick auf Birsfelden

Blick auf Birsfelden

Zur Verfügung gestellt

Der Feierabendstau, der sich von der verstopften A2 oft in die Birsfelder Hauptstrasse und Rheinfelderstrasse verlagert, ist zurzeit grösser als sonst. Seit Anfang April werden hier vom Kanton die Gleise der Tramlinie 3 ersetzt. Gleichzeitig nimmt auch die Gemeinde Arbeiten am Leitungsnetz der Wasserversorgung vor. Baustellen sind momentan nicht aus dem Birsfelder Ortsbild wegzudenken.

Finanzielle Mittel fehlen

Bereits abgeschlossen wurde der Umbau des neuen Stadtbüros in der Gemeindeverwaltung. «Ich höre über den neuen kundenfreundlicheren Schalterbereich nur Positives», freut sich Claudio Botti. Dies ändere allerdings nichts an der Tatsache, dass die Gemeindeverwaltung und weitere gemeindeeigene Bauten saniert werden sollten, fügt der Gemeindepräsident an.

Doch es fehlt der Agglomerationsgemeinde wie so oft an finanziellen Mitteln. Da ändert auch die Rechnung 2010, die mit einem unerwarteten Überschuss von 3,9 Millionen Franken abschloss, nur wenig.

Unendliche Geschichte

Stärker als anderen Agglomerationsgemeinden droht Birsfelden die Überalterung seiner Bevölkerung. Aber um junge, steuerpotente Familien anzulocken, muss entsprechend attraktiver Wohnraum geschaffen werden. Eckhard Rothe von der SP Birsfelden fragt sich daher, was aus diversen Projekten aus dem Jahr 2008 geworden ist. Damals wurden der Öffentlichkeit Ideen präsentiert, die am grossen Zentrumsplatz und an der Hardstrasse neuen Wohn- und Geschäftsraum sowie den Zuzug der Gemeindeverwaltung vorgesehen haben.

Die im wahrsten Sinne des Wortes «zentrale» Diskussion reicht aber noch bedeutend weiter in die Vergangenheit zurück: Bereits 1960 wurde im Zentrum ein rund 64 Meter hohes Hochhaus geplant. Nach jahrelangen ergebnislosen Debatten wurden die Projektierungskosten von 285000 Franken dann schliesslich in den 80er-Jahren vom Einwohnerrat abgeschrieben. Auch ein Antrag für einen Gestaltungsplan Zentrum von Eckhard Rothe, der damals dem Einwohnerrat angehörte, wurde 1981 abgelehnt. «Das jahrelange Ringen um die Ortsplanung hat dann zwar mit einem Kompromiss geendet, Zentrum und Hauptstrasse sind aber dennoch unvollendet geblieben», sagt Rothe.

Wie der SP-Politiker vernommen haben will, sind nun auch für die aktuellen Planungen bereits wieder 300000 Franken ausgegeben worden, ohne dass die Öffentlichkeit Neues erfahren hätte. «In Birsfelden wird an vielen Ecken unnötig gespart, während hier viel Geld in den Sand gesetzt wird», sagt Rothe.

Bis 40000 neue Arbeitsplätze

Claudio Botti, der als Gemeinderat für die Gemeindeentwicklung zuständig ist, berichtet von der momentanen Erarbeitung der Entscheidungsgrundlagen aller gemeindeeigenen Parzellen. Noch vor den Sommerferien sollen vom Gemeinderat die Prioritäten für die Gemeindeentwicklung festgelegt werden.

«Im Anschluss können dann der Gemeindeversammlung konkrete Projekte vorgelegt werden», so Botti. Auch er sieht dringlichen Handlungsbedarf zur Schaffung von neuem Wohn- und Arbeitsraum: «Mittelfristig wird es 20000 bis 40000 neue Arbeitsplätze in der Region geben. Es wäre sträflich, wenn sich Birsfelden gegen neue Wohnungen stellen würde», so Botti. Neben den angesprochenen Entscheidungsgrundlagen gelte es aber auch noch abzuwarten, bis der Kanton definitiv über die weitere Verwendung der Sekundarschulbauten entschieden habe.

Einigung braucht Zeit

Botti erinnert sich auch an das Tunnelprojekt, das vor drei Jahren von Gewerbevertretern als Lösung der Stauprobleme auf der Hauptstrasse vorgeschlagen wurde. Die Vision erachtet er zwar langfristig nicht als unmöglich, fügt aber an, dass sich bezüglich dieses Riesenprojekts die beiden Basel mit Birsfelden zusammensetzen und einigen müssten. Bis es soweit ist, dürfte indes noch einiges an Wasser von der Birs in den Rhein getragen werden.