Euro-Airport
Baustelle sorgt für Ruhe am Himmel

Zwei aussergewöhnlich leise Monate stehen vielen Baselbieter Gemeinden bevor. Der Euro-Airport saniert vom 3.Mai bis zum 9.Juli seine Hauptpiste. Dann sind die im Baselbiet unbeliebten Südanflüge mit dem Instrumentenlandesystem nicht mehr möglich.

Andreas Maurer
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Für viele Gebiete bedeutet die Baustelle am Euro- Airport einen ähnlichen Effekt wie die isländische Aschewolke vor einem Jahr: Plötzlich herrscht Ruhe am Himmel.

Während dieser Zeit der Hauptarbeiten gilt wieder das alte Anflugregime. Die Flugzeuge werden per Funk nach Bartenheim gelotst (siehe Karte). Dann steuern die Piloten im Sichtflug nach Allschwil, um dort Richtung Flughafen zu wenden. «Dadurch wird das Allschwiler Zentrum vom Fluglärm entlastet, dafür ist der Allschwiler Rosenberg etwas stärker betroffen», erklärt Flughafendirektor Jürg Rämi. «Das hängt aber immer von Wetter und Flugzeugtyp ab.» Ein Teil von Allschwil wird also unter stärkerem Fluglärm leiden. Die Flugzeuge werden tiefer als sonst fliegen. Grosse Teile des Baselbiets profitieren aber: Die Agglomeration südlich von Allschwil – etwa Reinach und Dornach – werden entlastet. Die Flugzeuge steuern während der Bauarbeiten nicht mehr wie bisher bei Bise zum Passwang, um von dort den Flughafen im ILS-Strahl anzufliegen.

Der Schutzverband wundert sich

Die Fluglärmgegner des Schutzverbands kämpfen schon lang erfolglos für eine Einschränkung der ILS-Südanflüge. Nun ist dies vorübergehend aber doch möglich. Das macht Schutzverbandspräsidentin Madeleine Göschke stutzig: «Offenbar ist die Sicherheit doch nicht der Hauptgrund für die Südanflüge, sondern der Druck der Franzosen.» Darauf antwortet Flughafensprecherin Vivienne Gaskell etwas ausweichend: «Ein ILS-System gehört heute zur Standardausrüstung eines internationalen Flughafens. Das ILS bietet eine zusätzliche Marge an Sicherheit und erlaubt Landun-gen bei allen Wetterlagen.» Durch den Unterbruch der ILS-Südanflüge erwartet der Euro-Airport aber nicht weniger Passagierflüge. Nur beladene Vollfrachter werden nicht landen und starten können.

Die ausbleibenden ILS-Südanflüge lösen auch bei einem anderen Verein Aktivität aus: Der Gemeindeverbund Flugverkehr fordert, dass die ILS-Quote dieses Jahr gesenkt wird. Heute gilt, dass der Flughafen Massnahmen ergreifen muss, wenn pro Jahr mehr als 10 Prozent der Flugzeuge per ILS von Süden her landen. Im letzten Jahr wurde diese Marke mit 9,96 Prozent haarscharf unterschritten. Wegen der Pistensanierung werden die ILS-Südanflüge dieses Jahr anders gezählt: Die beiden Monate mit der Baustelle werden nicht mitgerechnet. Der Jahresdurchschnitt wird also mit zehn statt zwölf Monaten berechnet.

Gemeinden verlangen neue Quote

Schutzverbandspräsidentin Göschke ist damit zufrieden: Denn würden die beiden Monate mitgezählt, wä-ren in den anderen Monaten mehr Südanflüge als bisher möglich. Der Gemeindeverbund Flugverkehr hingegen ist schwieriger zufriedenzustellen. «Es fallen zwei Monate mit durchschnittlich besonders vielen ILS- Südanflügen weg. Deshalb muss die Jahresquote nach unten korrigiert werden», verlangt Hans-Ulrich Zumbühl vom Gemeindeverbund. Bei einer Jahresquote von 7,2 Prozent würde die Rechnung aus Sicht seines Verbunds wieder stimmen.

Ein ganz anderes Lärmproblem haben die französischen Anwohner des Flughafens: Da rund um die Uhr gearbeitet wird, dröhnt auch nachts Baulärm. Dank Lärmschutzwänden sollen nachts 55 Dezibel nicht überschritten werden.

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