Bea Fünfschilling
Bea Fünfschilling beendet nach 25 Jahren für immer ihre Politik-Karriere

Die FDP-Frau tritt nach eine Vierteljahrhundert aus der Politik zurück. In einem Monat wird sie an ihrer letzten Landratssitzung teilnehmen. Oft musste sie kämpfen, auch mit dem eigenen Körper: 2010 wurde bei ihr Brustkrebs entdeckt – nun spricht sie erstmals öffentlich darüber.

Leif Simonsen
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Freut sich auf mehr Ruhe: «Viel zu selten konnte ich diese Aussicht geniessen», sagt Bea Fünfschilling in ihrem Haus auf dem Bruderholz.

Freut sich auf mehr Ruhe: «Viel zu selten konnte ich diese Aussicht geniessen», sagt Bea Fünfschilling in ihrem Haus auf dem Bruderholz.

Kenneth Nars

25 Jahre Politik sind genug. Bei der Landratssitzung in einem Monat wird Bea Fünfschilling ein letztes Mal auf der politischen Bühne zu sehen sein, auf der sie 1988 ihren ersten Auftritt mit der Wahl in den Binninger Gemeinderat hatte. Danach wird der Vorhang fallen - für immer. «Ein politisches Amt werde ich nie mehr annehmen», sagt die 64-Jährige.

Ihre politische Karriere begann die Freisinnige in der Binninger Exekutive, zunächst im Umweltdepartement. Das war in Zeiten, als Grünsein en vogue war. Binningen begann unter Fünfschilling unter anderem mit der verursachergerechten Abfallbewirtschaftung, und der Dorenbach wurde renaturiert. Trotz ihrer grünen Mission zweifelte Fünfschilling nie, das richtige Parteibüchlein zu besitzen: «Ich wuchs in einem bürgerlichen Haushalt auf und war damit sehr glücklich.»

Fünfschilling spaltete Lehrerschaft

Dabei wurde Fünfschilling oft vor Zerreissproben gestellt. Als Sekundarlehrerin war sie stets umgeben von linkem Gedankengut. Eine richtig dicke Haut brauchte sie allerdings erst, als sie 2007 Präsidentin des Baselbieter Lehrervereins wurde. Hier kämpfte sie gegen das Bildungskonkordat Harmos, und genau wie Harmos spaltete auch die FDP-Frau die Lehrerschaft.

Statt sich anzupassen, lernte sie früh, unfaire Kritik auszublenden. Als sie im Binninger Gemeinderat tätig war, erreichten sie anonyme Drohbriefe. «Ich habe nur einen gelesen. Ich fand so etwas derart unbegreiflich, dass ich dem Gemeindeverwalter gesagt habe, er solle sie mir fortan nicht mehr zeigen.» Die Konsequenz, mit der Fünfschilling ihre Anliegen vertrat, brachte ihr aber auch Respekt ein. Grünen-Landrat Jürg Wiedemann, wie Fünfschilling in der Bildungskommission, wird sie vermissen. «Sie ist kein Herdentier wie viele andere in der FDP-Fraktion. Sie schert aus, wenn es nötig ist.»

Doch nicht alle sind traurig über das Ende der Karriere. SP-Landrat Marc Joset kennt Fünfschilling, seit er 1972 in Binningen als Lehrer anfing - mit ihr zusammen. «Vielleicht sind 40 Jahre der Wegbegleitung auch mal genug», sagt er, der später mit ihr im Gemeinderat sass und im Kampf ums Gemeindepräsidium eine «ehrenvolle» Niederlage einstecken musste, wie er betont. Als Präsidentin habe Fünfschilling ihre Sache «schon recht» gemacht, doch als Landrätin habe sie ihren Erfahrungsschatz aus dem Gemeindepräsidium zu selten eingebracht. «Sie hat sich auf ihr Ding zurückgezogen und sonst nicht mehr viel gemacht», sagt Joset. Und Josets Parteikollege Martin Rüegg glaubt, dass Fünfschilling «mit ein bisschen mehr Humor womöglich einiges mehr erreicht hätte».

Verlangt von sich und anderen viel

Bea Fünfschilling fühlt sich im Freisinn am richtigen Ort, weil sie den Leistungsgedanken verinnerlicht hat. Von ihren Schülern verlangte sie bis zu ihrer Pensionierung viel: Sie mochte es, wenn es still war im Schulzimmer. Sie verlangte von ihren Kollegen, dass sie dossierfest in die Beratungen kamen. Und sie verlangte von ihrem Körper das Gleiche wie von einem Auto, nämlich «dass er funktioniert». Doch im Herbst 2010 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert.

Mit diesem Befund verliess Fünfschilling das Schulzimmer inmitten einer Lektion und kehrte nie zurück. Die Krankheit musste chemotherapeutisch geheilt werden und fühlt sich immer noch «wie ein Damoklesschwert» an. Den Sitz im Landrat behielt sie - sie wurde 2011 gar wiedergewählt. In den letzten Monaten reifte ihr Entscheid, die Legislatur nicht zu beenden. Hat sie Angst vor dem Loch, in das sie fallen könnte? «Nein, ich freue mich jetzt darauf, vermehrt zu Hause zu sein und ein Leben ohne Stundenplan zu führen. Viel zu selten konnte ich diese wunderschöne Aussicht in meinem Leben geniessen», sagt sie und deutet vom Bruderholz aus dem Fenster. Hinunter ins Dorf, in dem sie vor 25 Jahren ihre ersten Erfahrungen als Politikerin machte.