Strippenzieher
Bei Baselbieter Wahlen geht ohne Rolf Geber gar nichts

Bei Rolf Gerber von der Landeskanzlei liefen am gestrigen Wahltag alle Fäden zusammen. Nach elf Stunden Dauereinsatz konnte auch er eine gewisse Erschöpfung nicht mehr verbergen.

Michael Nittnaus
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Rolf Gerber in seinem Element: Dank Erfahrung ufindet er alle Fehler. (Foto: Kenneth Nars)

Rolf Gerber in seinem Element: Dank Erfahrung ufindet er alle Fehler. (Foto: Kenneth Nars)

Rolf Gerber hat es geschafft: Es ist kurz vor acht am gestrigen Abend, als mit Liedertswil die letzte Gemeinde ihre Landratswahlzettel ausgezählt hat. Die 160-Seelen-Gemeinde brauchte Hilfe. So viel Hilfe, dass Gerber die Mitarbeiter des Wahlbüros nach Liestal zitieren musste, um die Auszählung nochmals von vorne zu beginnen.

«Normalerweise kann ich den Leuten am Telefon helfen, doch hier ging nichts mehr», sagt Gerber und schüttelt den Kopf. Nach elf Stunden Dauereinsatz kann auch er eine gewisse Erschöpfung nicht mehr verbergen. Und ohne ihn geht es nun mal nicht: Der Leiter Zentrale Dienste der Landeskanzlei hilft aus, wo es brennt. Kommen seine Mitarbeiter nicht weiter, klopft es an seiner Türe. Und das geschieht oft.

«Rolf, ich habe ein Problem»

So ist es am Abend, aber so ist es auch schon am Mittag: Rolf Gerber sitzt in seinem Büro im Parterre des Regierungsgebäudes. Das schmale Zimmerchen links des Sekretariats ist seine Schaltzentrale, die Wand komplett verglast. Es klopft, die Türe öffnet sich einen Spalt: «Rolf, ich habe ein Problem.» Die Worte von Mitarbeiterin Miriam Schaub hörte Gerber gestern alle fünf Minuten. Schaub ist eine von elf Helferinnen und Helfern, die die Resultate der 86 Wahlbüros telefonisch entgegennehmen. Das Problem ist meist dasselbe, tritt aber in den verschiedensten Variationen auf: Die durchgegebene Anzahl Stimmen passt nicht zur Anzahl Wahlzettel.

Gerber schnappt sich seinen Taschenrechner. «Ohne den geht es nicht», lächelt er und geht zwei Zimmer weiter ins Büro von Schaub. Am Telefon wartet eines der Wahlbüros: «Wollen wir es mal gemeinsam durchgehen?», fragt Gerber und tippt alle Daten nochmals in seinen Rechner. Noch bevor er «Enter» drückt, huscht ein Lächeln über sein Gesicht: «Jetzt beten wir eine Runde.» Und siehe da, die Zahlen stimmen. An diesem Tag wiederholt sich dieses Spielchen noch unzählige Male – und immer findet Gerber eine Lösung.

«Hoppla, das bürgerliche Aesch hat Isaac Reber mehr Stimmen gegeben als Jörg Krähenbühl und Adrian Ballmer.» Es ist erst halb eins, als Gerber zum ersten Mal ahnt, dass diese Regierungsratswahlen in einer Überraschung enden könnten. Er blickt ungläubig ein zweites Mal auf seinen Bildschirm. Dann folgt die trockene Aufforderung: «Kann mir jemand ein Mineral bringen?»

Gemeinden sollen Sesam kaufen

Je später der Nachmittag, desto voller wird es in Gerbers Mini-Büro. «Ohne Rolf geht hier nichts», muss etwa Philipp Troxler feststellen, der die Resultate sammelt und viertelstündlich ins Internet stellt. «Wenn sich doch bloss endlich alle Gemeinden das Computerprogramm Sesam leisten würden», moniert derweil Gerber. Bisher sind es erst 29 vor allem grössere Gemeinden, die ihre Resultate selbst erfassen und automatisch ins System einspeisen. Die Wahlregion 1 war denn auch die erste, die um 17 Uhr ihre Landratsresultate beisammen hatte. Bei Region 2 kann Gerber nur noch den Kopf schütteln: Birsfelden, die grösste Gemeinde ohne Sesam-Programm, muss ihre Stimmen nochmals auszählen. Sie hatte auch die leeren und ungültigen Zettel dazugezählt.

«Das wird noch lange dauern», sagt Gerber und wirft einen vielsagenden Blick zu seinem Chef, Landschreiber Walter Mundschin. Dessen Fazit: «Wenn alle Gemeinden ihre Hausaufgaben machen würden, könnten wir um 16 Uhr abschliessen.» Da muss Gerber lachen: «Aber Walter, das sagen wir doch schon seit 20 Jahren.»