Pilotprojekt
Bei der Sissacher Gmüeserei müssen die Mitglieder Hand anlegen

Die Gmüeserei, ein genossenschaftlich organisierter Gemüsegarten, startet ihr Pilotprojekt – Wenn Genossenschafter zum «Pflanz und Pflück» aufgefordert werden.

Simon Tschopp
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Tea Virolainen (links) und Pascal Benninger gehören zu den treibenden Kräften der Gmüeserei.

Tea Virolainen (links) und Pascal Benninger gehören zu den treibenden Kräften der Gmüeserei.

Kenneth Nars

Fleissig gearbeitet wird auf dem rund ein Hektar grossen Stück Kulturland beim Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach. Menschen, Traktoren mit Wagen und Bagger stehen im Einsatz. Die Gmüeserei, ein genossenschaftlich organisierter Gemüsegarten, startet ihr Pilotprojekt. Angebaut werden diverse Kohlarten, Rüebli, Randen, Tomaten, Auberginen, Gurken, Peperoni, Fenchel. Und vor allem viel Salat.

Die Gmüeserei wird durch eine zehnköpfige Betriebsgruppe geleitet. Dazu gehören der 51-jährige Biolandwirt Pascal Benninger, einer der Initianten, und Tea Virolainen (47). Beide wohnen in Sissach. Zurzeit zählt das Projekt 74 Genossenschafterinnen und Genossenschafter, die Anteilscheine von je 250 Franken gezeichnet haben. «Im ersten Jahr fahren wir mit 50 bis 60 Abos. Das ist gut zum Einsteigen», sagt Benninger. Alle Abonnenten müssen Genossenschafter sein, aber nicht alle Genossenschafter ein Abo lösen.

«Nicht so einfach, Leute zu finden»

«Pflanz und Pflück» lautet das Konzept der Gmüeserei. Virolainen erklärt: «Jedes einzelne Mitglied leistet seinen Beitrag; es pflanzt, pflückt aber auch.» Sie betrieben einen gemeinsamen Gemüsegarten und verstünden sich nicht als Gemüselieferanten, bei dem man einfach ein Päckli bestellen könne. Tea Virolainen räumt ein, «dass es nicht so einfach ist, Leute, die auch anpacken wollen, für unser Projekt zu gewinnen. Wir bewegen uns komplett gegen den Trend, was wir jedoch bewusst machen.» So hätten ihre Abonnenten am Schluss einen Bezug zu dem, was sie ässen, ergänzt Pascal Benninger. Zudem würden Gewinn und Risiko geteilt. «Die Abo-Preise sind bekannt, wie die Ernte ausfällt ist hingegen offen.»

Die Ernte wird aufgeteilt nach Grösse der Abonnemente. Die Gmüeserei beliefert auch die Mensa des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain (LZE) sowie einen kleinen Biomarktstand im Dorf. Zur Wahl stehen die Abo-Versionen Mini (für 1 Person), Midi (2 bis 3) und Maxi (4), die Jahresbeiträge sind zwischen 900 und 1800 Franken. Garantiert sind 40 Lieferungen, teils ebenfalls mit Obst, das primär von hiesigen Biobetrieben zugekauft wird. Eine Reihe Apfelbäume steht noch auf dem Land, wo früher das LZE eine Obstplantage bewirtschaftet hat. Die Gmüeserei hat das Kulturland für sechs Jahre gepachtet, laut Benninger zu einem «absolut marktüblichen Zins». Das LZE habe Freude an ihrem Projekt.

Abonnenten bestimmen Angebot

Die Form einer Genossenschaft eignet sich am besten für die Gmüeserei, weil sie als Arbeitgeberin für einen Gärtner und als Herausgeberin von Anteilscheinen auftritt. Diese gehörten zum Genossenschaftsgedanken, betont der 51-jährige Biobauer und fügt an: «Wir benötigen ein Anfangskapital für Investitionen wie Schopf, Tunnel und Maschinen.» Die fachliche Unterstützung ist für die Mitglieder gewährleistet. Das Gartenteam besteht aus Berufsleuten. Es ist unter anderem für die maschinellen Arbeiten zuständig. Viele Tätigkeiten im Garten könne jeder verrichten, man müsse nur anleiten, meint Pascal Benninger.

Das Sortiment, das künftig angebaut wird, richtet die Gmüeserei nach den Bedürfnissen ihrer Abonnenten aus. Für den Anfang orientierten sich die Verantwortlichen an anderen Beispielen. «Wir sind ja nicht die einzige Gemüse-Genossenschaft auf Erden», lacht Tea Virolainen. Sie hätten die Genossenschaft Ortoloco in Dietikon besucht, die in diesem Metier eine Pionierin sei, erzählt die 47-Jährige.

Das Sissacher Projekt peilt für die Zukunft rund 100 Abos an. Die Zahl der Genossenschafter ist nach oben offen. «Wir wollen das Oberbaselbiet bis Liestal bedienen. In Basel wollen wir kein Depot unterhalten», meint Benninger und weiss: «Die Stadt ist mit Agrico und Nuglar Gärten schon gut abgedeckt.»

www.gmueserei.ch