Abschlussprüfung
Bei dieser Challenge müssen BLT-Chauffeure beweisen, was sie alles können

Bei der «BLT Challenge» müssen die Busfahrer der Basellandschaftlichen Transporte AG beweisen, was sie von ökologischer Fahrweise und Kundenfreundlichkeit verstehen.

Boris Burkhardt
Merken
Drucken
Teilen
Bei der «BLT Challenge» müssen die Chauffeure ihr Können beweisen
5 Bilder
«ÖV-Guru» Jo Hubli (links) zeigt Chauffeur Claude, wo es lang geht.
Die Fahrer werden direkt nach ihrer Fahrt bewertet.
Die Kollegen machen sich mit Kommunikationstrainer Patrick Infanger Gedanken über das Image, das die Chauffeure nach aussen tragen.
Chauffeure frischen ihr Wissen bei Inhaber und Geschäftsführer der moveQuality, Christian Riegler, auf.

Bei der «BLT Challenge» müssen die Chauffeure ihr Können beweisen

Juri Junkov

An der Haltestelle Mühlematt in Oberwil will eine ältere Dame zusteigen. Fahrprüfer Jo Hubli gibt ein freundliches aber abwehrendes Handzeichen. «Das ist eine Fahrschule», ruft er, als Chauffeur Jeannot kurz die Tür öffnet. Die Dame schaut irritiert hinauf zur Anzeige auf dem Bus. «Sie will uns wohl nicht recht glauben», meint Hubli. Doch der Dame wird nichts anderes übrig bleiben, als auf den nächsten Linienbus zu warten: Hubli und seine Prüflinge nehmen heute keine Passagiere mit.

Die Buschauffeure der Baselland Transport AG nehmen es dieser Tage mit der «BLT Challenge» auf, einer ganztätigen Prüfung jeweils für ein knappes Dutzend Kollegen, die noch einmal zeigen sollen, was sie aus den Fortbildungen seit 2009 behalten haben: Fahrverhalten, Verkehrsregeln, Fahrpläne, Kundenfreundlichkeit und Toleranz heissen die fünf Prüfungsblöcke. Die «BLT Challenge» ist eine anerkannte Prüfung für die Chauffeurzulassungsverordnung, die jeder Busfahrer in der Schweiz ab September neben der Fahrerlaubnis vorweisen muss, um Passagiere befördern zu dürfen. Überwacht wird die «Challenge» von Christian Boos, Leiter Betrieb bei der BLT.

Zusammen mit Jo Hubli und Jeannot hat er im Übungsbus mittlerweile die Haltestelle Oberwil Bahnhof erreicht. «Ein typisches Problem», sagt Hubli, der sich selbst als «ÖV-Guru» unter den Schweizer Fahrlehrern bezeichnet: «Das Fahrzeug ist abfahrbereit, der Blinker gesetzt, das Ampelsignal bestellt - und dann kommt noch jemand angerannt. Was soll der Busfahrer nun machen? Sollen wirklich vierzig Passagiere auf eine Person warten?» Jeannot brummt in Sundgauer Dialekt vom Fahrersitz aus: «‹Freches Arschloch› schimpfte mich eine Frau im Bus, weil ich nicht auf jemanden gewartet hatte, der zu spät kam. Aber ich war dann ganz still.» In solchen Situationen helfe nur, das Fenster links aufzumachen, sagt Hubli lapidar.

«Der Chauffeur ist der wichtigste Imagefaktor im Linienbus», betont Kommunikationstrainer Patrick Infanger derweil in der BLT-Zentrale an der Oberwiler Hüsimatt. Jeannots Kollege Giuseppe macht sich dort Gedanken über das Bild, das er den Kunden liefert, und diskutiert mit den Kollegen ihre eigene Einstellung zum Beruf. «Kritik ist eine Chance zur Veränderung», fährt Infanger fort; «Kritik am Kollegen bringt man vor, weil man an seine Möglichkeit zur Veränderung glaubt.» Giuseppe und die Kollegen nicken zustimmend.

Hohn gibt es laut Boos durchaus unter den Chauffeuren. Wenn sich jemand zum Beispiel verfährt. «Der Fahrer muss das laut Reglement sofort der Leitstelle melden», erklärt Boos; «das kriegen die Kollegen über Funk natürlich mit.» Der ein oder andere versuche deshalb schon mal, seinen Fehler zu vertuschen und heimlich zu wenden. Frotzeleien unter Kollegen seien in Ordnung, sagt Boos; er wolle aber keine «Angstkultur» im Betrieb. Bei unverschuldeten Unfällen stelle sich die BLT hinter ihre Mitarbeiter. «Für Streifkollisionen oder Geschwindigkeitsüberschreitungen muss aber jeder Fahrer selbst geradestehen», betont Boos.

Inzwischen sitzt Jeannot in der BLT-Zentrale vor einem Blatt mit Fragen zu Verkehrsregeln und überlegt, wo er im Kreisverkehr den Blinker setzen muss. In der Schweiz sei das anders als in Frankreich, wo man von Anfang an links blinke, wenn man die dritte Kreiselausfahrt nehmen wolle, hatte Hubli ihn im kurzen Gespräch nach der Prüfungsfahrt erinnert. In jedem der fünf Prüfungsblöcke können die Chauffeure eine bestimmte Punktzahl erreichen, insgesamt 100. Christian Rieger, der mit Kommunikationstrainer Infanger, die «BLT Challenge» leitet, zählt für jeden Teilnehmer die Punktzahl zusammen und zum Vergleich den Durchschnitt aller Teilnehmer. «Was mit jenen passiert, die besonders schlecht abschneiden, müssen wir noch diskutieren», sagt Rieger. Das Ergebnis solle bei der Selbsteinschätzung helfen; es gebe aber kein Malussystem: «Es geht wohl eher um den verletzten Stolz.»

Natürlich sei das Hauptthema bei der «BLT Challenge» die Sicherheit und Fahrökonomie, sagt Infanger. Aber auch die «weichen Faktoren» Motivation, Toleranz und Sozialkompetenz seien wichtig. «Wer immer demotiviert ist, fährt irgendwann auch schlecht», ist Infanger überzeugt. Entsprechend weist Hubli derweil unten auf dem Werkhof Kollege Giuseppe nach der Prüfungsfahrt subtil auf seine unökologische Fahrweise hin: «Du würdest doch mit dem Velo auch nicht Vollgas geben, wenn du weisst, dass du nach dreissig Metern wieder anhalten musst.» Giuseppe lacht und nickt. Für die Notbremsung, die Giuseppe gekonnt vorführte, erhält er hingegen Lob von Hubli. «Erfolgreiche Pflege von Motivatoren sowie Ausschaltung der Demotivatoren», nennt Kommunikationstrainer Infanger das.